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Bad Doberan stolpert - Steinbach siegt spät mit Nerven aus Stahl

Es war einer dieser Abende, an denen die Fußballgötter offenbar beschlossen hatten, sich einen Spaß zu erlauben. 5000 Zuschauer im Doberaner Stadion sahen beim 31. Spieltag der Regionalliga D ein Spiel, das so ziemlich alles bot - außer Gerechtigkeit. Am Ende jubelte der SV Steinbach über einen 3:2-Auswärtssieg, während der Bad Doberaner SV ratlos in den norddeutschen Abendhimmel starrte.

Dabei begann alles so verheißungsvoll: In der 19. Minute zappelte der Ball erstmals im Netz - Marcel Beckmann, der Mann mit dem unerschütterlichen Selbstvertrauen, tunnelte den Torhüter nach feiner Vorarbeit von Felipe Goncalves. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man nicht zielt, kann man auch nicht vorbeischießen", grinste Beckmann später. Doberan führte 1:0, und die Fans wähnten sich schon auf der Siegerstraße.

Doch Steinbach antwortete wie ein Boxer nach einem Leberhaken. Der 19-jährige Klaus Kluge, ein Bürschchen mit der Energie eines Duracell-Hasen, glich in der 34. Minute aus. Nach klugem Zuspiel von Christoph Vogt ließ er Heimkeeper Jannick Erdmann keine Chance. "Ich hab gar nicht viel nachgedacht. Vielleicht war das der Trick", sagte Kluge, der sein erstes Regionalligator bejubelte.

Zur Pause stand es 1:1 - und eigentlich hätte Doberan führen müssen. 61 Prozent Ballbesitz, fast doppelt so viele Pässe, dazu neun Torschüsse - aber die Effizienz eines kaputten Toasters. Trainer und Taktikfuchs (Name leider im offiziellen Protokoll vergessen, aber der Mann wirkte leicht genervt) gestikulierte wild an der Seitenlinie, während Steinbachs Coach Martin Schmittel seelenruhig am Spielfeldrand stand, als würde er den Wetterbericht betrachten.

"Wir wussten, dass Doberan gerne schön spielt. Wir wollten lieber effektiv spielen", erklärte Schmittel später und grinste dabei wie jemand, der genau das bekommen hat, was er wollte.

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel ruppiger, aber nie unfair - zumindest fast. In der 83. Minute sah Steinbachs Innenverteidiger Eri Burkhardt Gelb, nachdem er Tom Kunze "unabsichtlich" an der Seitenauslinie über die Werbebande befördert hatte. Kunze nahm’s sportlich: "Er wollte bestimmt nur schauen, ob ich fliegen kann."

Zuvor hatte eben jener Kunze in der 75. Minute Doberan wieder hoffen lassen. Nach einem schnellen Flügellauf von Domenik Iwan drückte er den Ball aus kurzer Distanz über die Linie - 2:2! Das Stadion tobte, der Stadionsprecher überschlug sich fast, und für einen Moment glaubte man, die Wende sei geschafft.

Aber Steinbach hatte noch ein Ass im Ärmel - oder besser gesagt: zwei. In der 72. Minute, kurz nach seiner Einwechslung, traf der junge Richard Labant zum 2:1 für Steinbach (das zwischenzeitlich durch Kunzes Ausgleich wieder egalisiert wurde). Ein Tor, das symptomatisch für die Effektivität der Gäste war: drei Pässe, ein Schuss, ein Tor. "Cesar Juarez hat mir den Ball perfekt serviert. Ich musste nur noch Danke sagen", erklärte der 20-Jährige bescheiden.

Und dann kam die 89. Minute. Bogdan Raducanu, der rumänische Mittelstürmer mit der Statur eines Kühlschranks, setzte sich nach einem langen Ball von Lefteris Konstantinou gegen zwei Verteidiger durch und schob eiskalt ein - 3:2! Steinbach drehte das Spiel endgültig und ließ Doberan im kollektiven Schock zurück.

"Das war wie ein Schlag in Zeitlupe", sagte Doberans Torwart Erdmann. "Ich hab den Ball gesehen, ich wusste, was passieren wird - und ich konnte trotzdem nichts tun."

Die Statistik bescheinigt Doberan ein Plus an allem - Ballbesitz, Passquote, Spielanteilen. Nur eben nicht beim Entscheidenden: den Toren. Steinbach hatte 17 Schüsse aufs Tor, Doberan nur neun. Der Gast spielte mit langen Bällen und unbändigem Willen, während die Gastgeber sich in Schönheit verloren.

Trainer Schmittel fasste es trocken zusammen: "Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Zum Glück."

Als der Schlusspfiff ertönte, war der Jubel der Steinbacher Spieler ohrenbetäubend. Martin Schmittel rannte aufs Feld, um seinen jungen Matchwinner Raducanu zu umarmen, während die Doberaner Fans höflich, aber still applaudierten - norddeutsche Contenance in Reinform.

Am Ende des Abends blieb das Gefühl, dass Fußball manchmal ungerecht ist - und genau deshalb so faszinierend. Doberan spielte, Steinbach siegte. Und irgendwo im Stadion dürften sich ein paar Fans gedacht haben: "Nächstes Mal vielleicht mit weniger Ballbesitz, aber mehr Toren."

Ein bitterer, aber lehrreicher Abend an der Ostseeküste - und einer, über den man in Steinbach wohl noch lange mit einem breiten Grinsen sprechen wird.

12.01.643997 04:03
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Ich habe nur immer meinen Finger in Wunden gelegt, die sonst unter den Tisch gekehrt worden wären.
Paul Breitner
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