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Ein 0:0, das man sich merken wird - allerdings nicht, weil es so schön war. Der TV Badenstedt und der FK Pirmasens trennten sich am Montagabend vor 6655 Zuschauern torlos, aber sicher nicht tatenlos. Die Gastgeber feuerten 15 Schüsse auf das Tor ab, die Gäste gerade einmal fünf. Doch am Ende stand auf der Anzeigetafel das, was Trainer TVBS Wingman später mit einem bitteren Lächeln als "ein ehrliches 0:0" bezeichnete. Von Beginn an machte Badenstedt klar, wer hier das Heimrecht hat. Schon nach drei Minuten probierte es Christian Guillory aus der Distanz, als wolle er gleich mal die Zieloptik seines rechten Fußes justieren. Kurz darauf durfte Luka Binder ran - und noch einmal, und noch einmal, und, man glaubt es kaum, noch einmal. Zwischen der 7. und der 39. Minute schoss der Mittelstürmer gefühlt häufiger aufs Tor als andere in einer ganzen Saison. "Ich dachte, irgendwann muss einer reingehen", lachte Binder nach dem Spiel, "aber Dennis Frei im Tor der Pirmasenser hatte wohl Magnet-Handschuhe an." Frei, der Gästetorhüter, wurde tatsächlich zum stillen Helden des Abends. Ruhig, unaufgeregt und mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass seine Abwehr nur bedingt mithält. "Wir wollten das Zentrum dicht machen und auf Konter warten", erklärte FK-Trainerin Gudrun Schweitzer mit stoischer Ruhe. "Das hat ja auch irgendwie funktioniert - wenn auch nicht schön." Schön war an diesem Abend tatsächlich wenig, zumindest für Freunde des gepflegten Offensivfußballs. Badenstedt drückte, flankte, schoss - meist aus allen Lagen, denn Wingmans Team agierte mit der taktischen Vorgabe "Wings - Anytime". Ein bisschen wie Straßenfußball auf Regionalliga-Niveau: viel Wille, wenig Zielwasser. Michel Van Dousen prüfte den Gästekeeper mit einem wuchtigen Schuss (11.), Osip Berjosin verzog mehrmals knapp, und Pavel Wagner sah in der 24. Minute seinen Versuch hauchdünn am Pfosten vorbeistreichen. Pirmasens dagegen lauerte auf den einen Moment. Archie MacAlister versuchte es in der 25. Minute aus der zweiten Reihe, und Müjdat Öztürk kurz nach der Pause (47.) - beide Male stand Vitor Machado, der Badenstedter Schlussmann, goldrichtig. Die zweite Hälfte brachte mehr Hektik als Highlights. Tomas Petersen holte sich in der 80. Minute die Gelbe Karte ab, weil er im Zweikampf vergaß, dass Fußball kein Kampfsport ist. Vier Minuten später revanchierte sich Marcel Fuhl auf der anderen Seite mit einem taktisch ungeschickten Rempler - auch er sah Gelb. "Manchmal musst du zeigen, dass du da bist", meinte Fuhl hinterher, "auch wenn der Ball gerade woanders ist." Die vielleicht kurioseste Szene ereignete sich in der 89. Minute: Luka Binder stieg nach einer Ecke am höchsten, köpfte wuchtig - und setzte den Ball direkt auf die Latte. Das Stadion hielt den Atem an, doch der Ball sprang ins Feld zurück. Wingman schlug die Hände über dem Kopf zusammen, während ein Zuschauer hinter mir trocken bemerkte: "Wenn der noch rein geht, muss ich mein Bier verschütten." Taktisch blieb Badenstedt bis zur letzten Minute offensiv, während Pirmasens sich zäh wie Kaugummi in der Defensive hielt. Schweitzer ließ ihr Team erst in der Schlussphase etwas weiter nach vorne schieben - da war’s dann aber zu spät, um noch an ein Wunder zu glauben. Statistisch gesehen war Badenstedt klar überlegen: 55 Prozent Ballbesitz, 15:5 Torschüsse, bessere Zweikampfquote. Nur in der wichtigsten Kategorie blieb die Null bestehen. "Wir haben alles versucht - außer vielleicht, den Ball einfach reinzuschießen", witzelte Wingman nach dem Abpfiff. "Aber das kommt dann nächste Woche." Bei den Fans überwog trotz des Ergebnisses der Optimismus. "Wenn sie so weitermachen, fallen die Tore von selbst", meinte ein älterer Herr mit Vereinsmütze. "Vielleicht nicht heute, aber irgendwann. Und dann doppelt." So endete der Auftakt der Regionalliga-B-Saison mit einem torlosen, aber keineswegs ereignislosen Spiel. Badenstedt zeigte Spielfreude und Offensivdrang, Pirmasens Disziplin und Hartnäckigkeit - und beide zusammen eine gewisse Unfähigkeit, das Runde ins Eckige zu bringen. Oder, wie es Luka Binder beim Hinausgehen augenzwinkernd sagte: "Wir wollten den Zuschauern Spannung bis zum Schluss bieten. Hat geklappt - nur das Ende fehlt noch." 11.11.643993 12:10 |
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