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Oberliga H | 1. Spieltag | 05.07.26 | Bahlinger SC - RW Erfurt 3:0 Die Partie begann, als wolle Bahlingen sofort klarstellen, wer hier Herr im Haus ist. Bereits in der 11. Minute prüfte Lukas Gorski den Erfurter Keeper Horst Schramm erstmals ernsthaft. Der zeigte sich noch hellwach, doch es war nur eine Frage der Zeit, bis das Netz zappelte. "Wir wollten früh Druck machen", sagte später Gorski, der seine Worte mit Taten untermauerte. In der 33. Minute nahm er einen Pass des jungen Andreas Schmidt auf, ließ noch einen Verteidiger stehen und schob den Ball trocken ins rechte Eck - 1:0, und der Bahlinger Anhang jubelte, als sei die Saison schon entschieden. Nur drei Minuten später wurde es fast unverschämt. Patrick Neubauer, der rechte Mittelfeldmann, nahm sich nach Vorlage von Luka Herzog ein Herz und knallte den Ball von der Strafraumkante ins lange Eck. 2:0 - und RW Erfurt wirkte kurzzeitig wie ein Team, das lieber noch in der Vorbereitung geblieben wäre. "Da sahen wir alt aus", grummelte Erfurts Trainer Mario Pingel später in der Pressekonferenz. "Bahlingen hat uns in dieser Phase einfach überrollt." Erfurt hatte zwischenzeitlich Ansätze, vor allem über die Flügel. Andreas Kunze versuchte es in der 17. Minute, später noch einmal in der 68. und 87. - doch Bahlingens Keeper Harald Singer, mit 33 Jahren der Routinier im Kasten, hielt alles, was kam. "Ich hatte mehr Schweiß vom Zuschauen als vom Hechten", lachte Singer nach der Partie. Bahlingen blieb nach der Pause spielbestimmend, hielt 53,8 Prozent Ballbesitz und gewann über 55 Prozent der Zweikämpfe. Man merkte, dass die Mannschaft eingespielt ist - und dass es Spaß macht, ihr zuzusehen. In der 58. Minute folgte dann der endgültige Knockout für Erfurt: Der erst 21-jährige Karl Sturm traf nach erneuter Vorlage von Andreas Schmidt trocken zum 3:0. Ein Treffer, wie ihn Trainer-Lehrfilme lieben - Pass in die Tiefe, direkter Abschluss, keine Schnörkel. "Andi hat mir den Ball perfekt in den Lauf gespielt", grinste Sturm. "Da darf man auch mal einfach draufhalten." RW Erfurt versuchte, Haltung zu bewahren. Doch ihre fünf Torschüsse waren eher höfliche Anfragen als ernsthafte Bedrohungen. Zwei Gelbe Karten - für Oscar Hausmann (23.) und Jakob Seidel (62.) - belegten immerhin, dass man es mit der Physis versuchte. Bahlingen hielt dagegen, nur Avraam Kalitzakis sah früh Gelb (8.), danach blieb’s fair. Auf der Trainerbank der Bahlinger war das Grinsen kaum zu übersehen. "Ich habe meinen Jungs gesagt: Wenn ihr Spaß habt, kommt der Rest von allein", meinte Coach (dessen Name die Vereinschronisten noch nachreichen müssen) nach dem Spiel. Spaß hatten sie - und das Publikum ebenso. In der zweiten Halbzeit entwickelte sich fast ein Schaulaufen. Zwischen der 60. und 85. Minute schossen die Bahlinger aus allen Lagen - 19 Torschüsse insgesamt, fast viermal so viele wie die Gäste. Selbst Linksverteidiger Horst Fritsch durfte zweimal draufhalten, und als der Ball in der 81. Minute knapp über die Latte strich, rief ein Zuschauer von der Tribüne: "Na, Horst, vielleicht beim nächsten Mal!" Fritsch drehte sich um, grinste und winkte - Fußballromantik pur. Erfurts Trainer Pingel fasste es nach dem Spiel mit trockenem Humor zusammen: "Wir hatten heute 46 Prozent Ballbesitz, aber leider keinen Plan, was wir damit anfangen sollen." Und Gorski, der Torschütze des ersten Treffers, konterte schmunzelnd: "Dann hätten sie uns ja fast den Ball schenken können." Bahlingen startet damit mit einem beeindruckenden 3:0 in die Oberliga H. Drei verschiedene Torschützen, zwei Assists des 19-jährigen Andreas Schmidt - und ein Publikum, das sich schon jetzt auf die nächsten Heimspiele freut. Es war kein Zufall, dass man auf der Tribüne nach Abpfiff mehr als einmal das Wort "Aufstieg" hörte. Zum Schluss blieb nur noch einer, der kurz die Stimme erhob: der Stadionsprecher. "Und das war der Bahlinger SC - mit einem Auftakt nach Maß!" Die Fans applaudierten, die Spieler winkten - und irgendwo auf der Trainerbank wurde wohl schon das nächste Spiel vorbereitet. Saisonstart gelungen. Und wie. 05.07.2026 21:29 |
Sprücheklopfer
Mann Willi, Du siehst ja echt aus, als sei 'ne Hungersnot ausgebrochen! (Lemkes Antwort: Und Du siehst so aus, als seist Du schuld daran!)
Rainer Calmund zu Willi Lemke