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Es war ein kalter Freitagabend in Hull, aber die 30.183 Zuschauer im Stadion dürften das Zittern spätestens nach der 46. Minute vergessen haben. Da nämlich erzielte Alexander Bancroft, der eingewechselte Linksaußen der Hull Tigers, das einzige Tor des Abends - und sorgte damit für einen Sieg, der mehr Kampf als Glanz bot. Das 1:0 gegen die Nottingham Foresters war kein Feuerwerk, aber ein Paradebeispiel dafür, wie man mit Geduld, Nervenstärke und einem Schuss britischer Sturheit drei Punkte einfährt. Schon in der ersten Halbzeit zeigte sich, dass Hull das Spiel kontrollierte - zumindest statistisch. 58 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse über die gesamte Partie, und allein in den ersten 20 Minuten prüften Ewan Caviness und Jürgen Petersen den gegnerischen Keeper mehrfach. Doch Riley Adams, der Torwart der Foresters, hielt, was zu halten war. "Ich dachte, wenn wir so weitermachen, fällt das Tor zwangsläufig", meinte Hull-Trainer Mathias Oergel später mit einem Schmunzeln. "Aber dann fiel erst mal mein Puls, nicht der Ball ins Netz." Die Foresters dagegen wirkten fahrig. Sie kamen kaum über drei Abschlüsse hinaus, und ihr Spiel nach vorne glich eher einem Versuch, den Ball zu hypnotisieren, als ihn ins Tor zu bringen. In der 37. Minute kassierte Max Prentiss - bis dahin eher durch wilde Gestik als durch Torgefahr aufgefallen - folgerichtig Gelb, nachdem er Tyler Edwards am Mittelkreis ummähte. "Ich wollte nur den Ball spielen", sagte Prentiss nach dem Spiel. "Dummerweise war der Ball zwei Meter weiter." Dann, zur Pause, wirbelte Oergel seine Elf durcheinander: Bancroft kam für Halvorsen, der junge Xabier Nene ersetzte Caviness, und Billy Chamberlain übernahm die rechte Seite. Drei Wechsel - und plötzlich ein anderes Spiel. Ganze 60 Sekunden nach Wiederanpfiff spielte Lewis Payne einen geschmeidigen Pass auf den links kreuzenden Bancroft, der aus 14 Metern trocken ins rechte Eck schoss. 1:0. Kein Jubelsturm, eher eine Explosion aus Erleichterung. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bancroft später. "Ich hatte noch kalte Füße, aber der Ball war heiß." Doch wer glaubte, dass Hull nun locker durchmarschieren würde, sah sich getäuscht. Nur fünf Minuten nach dem Führungstreffer flog Innenverteidiger Joao Munoz mit Rot vom Platz - ein rustikales Einsteigen, das in den 1970er-Jahren vermutlich als "robust" durchgegangen wäre. "Er hat den Ball gespielt", verteidigte Oergel seinen Mann. Pause. "…und leider auch ein bisschen das Schienbein." Nottingham witterte seine Chance, stellte auf totale Offensive um, brachte den erfahrenen Juan Herrera und drückte Hull tief in die eigene Hälfte. Doch was folgte, war ein Abbild ihrer bisherigen Saison: viel Wille, wenig Zielwasser. Liam Primes (61.) und Marco de Freitas (67.) versuchten sich an halbherzigen Abschlüssen, aber Hull-Keeper Joel Eliot hatte einen ruhigen Abend. In der 63. Minute wurde es kurz dramatisch, als Foresters-Schlussmann Adams verletzt vom Platz musste. Ersatzkeeper Tyler Hardin übernahm und zeigte, dass er zumindest fangen, wenn auch nicht zaubern kann. "Ich hab schon schlimmere Tage gehabt - zum Beispiel den, als ich das erste Mal Torwart werden wollte", witzelte Hardin nach Abpfiff. Die Tigers verteidigten mit Herzblut. Antonio Hernando und Payne rannten um ihr Leben, während der 17-jährige Nene vorne noch ein paar Mal für Aufsehen sorgte - vor allem, als er in der 91. Minute fast das 2:0 erzielte. Der Ball rauschte knapp am Pfosten vorbei, und Oergel sprang an der Seitenlinie so hoch, dass man kurz dachte, er wolle selbst einwechseln. Die letzten Minuten gehörten dann der Theatralik: Nottingham’s Michael Lansbury holte sich in der Nachspielzeit erst Gelb, dann Gelb-Rot - in zwei Minuten Rekordzeit. Trainer Leon Löwe kommentierte das lakonisch: "Das war wenigstens konsequent. Wir haben heute alles halb gemacht - bis auf die Karten." So endete ein Spiel, das kein Klassiker war, aber ein Kapitel im Lehrbuch für Effizienz. Hull Tigers mit mehr Mut, mehr Schüssen, mehr Kontrolle - und am Ende mit drei Punkten. Nottingham mit mehr Frust, einem verletzten Torwart und der Erkenntnis, dass Ballbesitz auch Ballverlust heißen kann, wenn man nichts daraus macht. Oergel fasste es nach dem Spiel trocken zusammen: "Wir wollten zeigen, dass wir beißen können. Heute haben wir gebrüllt - und getroffen." Und während die Fans jubelnd in die frostige Nacht hinauszogen, schien es, als hätten die Tigers an diesem Abend nicht nur ein Spiel, sondern auch ein Stück Selbstvertrauen gewonnen. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne murmelte, während er seinen Schal fester zog: "Nicht schön, aber schön gewonnen." Und das war an diesem Abend wohl das treffendste Fazit. 30.09.643987 18:17 |
Sprücheklopfer
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