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Ein kalter Januarabend, Flutlicht über Smederevo, 39.821 Zuschauer, die sich warme Getränke und noch wärmere Hoffnungen gegönnt hatten - und am Ende zwei Tore, die beide in die falsche Richtung fielen. FK Smederevo verlor am 14. Spieltag der 1. Liga Serbien mit 0:2 (0:1) gegen ein cleveres, flügelfreudiges Banja Luka. Es war kein rauschendes Fußballfest, aber ein Lehrstück in Effizienz - und vielleicht auch in Demut. Von Beginn an war klar, dass Banja Luka den Ball lieber am Fuß als Smederevo sehen wollte. 55,8 Prozent Ballbesitz für die Gäste, statistisch kein Erdrutsch, gefühlt aber eine halbe Ewigkeit Kontrolle. Schon in der 6. Minute prüfte Mika Ukkonen den heimischen Keeper Danko Veskovac mit einem satten Schuss, der in der feuchten Abendluft zischte wie ein entkommener Teekessel. Smederevo antwortete früh - Zoran Filipovic (2.) und Callum Perlman (5.) versuchten es beherzt -, doch die Versuche waren mehr Hoffnung als Gefahr. Dann kam die 15. Minute, in der Joel McLeod, der rechte Flügelmotor aus Banja Luka, beschloss, dass es Zeit sei, das Drehbuch zu schreiben. Nach feiner Vorarbeit von Adam Miller zog er mit einem Haken nach innen und schlenzte den Ball ins lange Eck. 1:0 - und ein Raunen ging durchs Stadion. "Ich hab nur gedacht: Ach, warum nicht?", grinste McLeod später, während er sich die Schuhe band. "Das Netz hat ja noch sauber ausgesehen." Smederevo-Coach Osteroder FC - der Name klang an diesem Abend so verwirrt wie sein Defensivverbund - rief lautstark Kommandos, die wohl irgendwo zwischen "raus!" und "verdammt!" lagen. Doch seine Elf blieb im Kontermodus gefangen, wie ein Auto mit angezogener Handbremse. "Wir wollten auf Umschaltmomente lauern", erklärte er nach dem Abpfiff. "Leider sind die Momente nicht gekommen. Nur das Umschalten." Noch vor der Pause schnupperte Smederevo am Ausgleich, Gojko Zigic (45.) zwang den Gästetorwart Aleksandar Dordevic zu einer Glanzparade. Doch es blieb beim 0:1. Nach dem Seitenwechsel kam Hoffnung auf, kurz - und wurde dann von Jorge Costa zunichtegemacht. In der 56. Minute kombinierte sich Banja Luka über links durchs Mittelfeld. Miguel Deco legte quer, Costa nahm Maß, und der Ball segelte in die Maschen. 2:0. Es war ein Tor, das man so nur im Lehrbuch und in Smederevo selten sieht. "Miguel hat den Pass gespielt, den ich im Training immer fordere", schwärmte Trainer Stojko Blombovic. "Ich hab ihn schon fast umarmen wollen, aber dann fiel mir ein, dass ich noch 35 Minuten stehen muss." Smederevo versuchte danach alles - was in diesem Fall hieß: lange Bälle, hohe Bälle, hoffnungsvolle Bälle. Neun Torschüsse insgesamt, keiner wollte rein. Archie Gady (49.) probierte es aus der Distanz, Ermin Gavrancic (68.) schlenzte vorbei, und in der 75. Minute drosch Perlman aus halblinker Position übers Tor, dass selbst die Tauben auf der Tribüne die Köpfe einzogen. Zwei Gelbe Karten - Milan Filipovic (46.) und Petar Ilic (73.) - zeigten, dass Frust kein leises Gefühl sein muss. Auch die Wechsel des Heimteams halfen wenig. Als der 17-jährige Stanko Sulejmani in der 91. Minute eingewechselt wurde, war die Partie längst entschieden. "Ich hab trotzdem gezittert", sagte der Jungspund später. "Mein Vater hat gesagt, ich soll wenigstens einmal den Ball berühren. Ich hab’s geschafft - beim Einwurf." Banja Luka spielte die letzten Minuten souverän herunter. Blombovic gönnte sich sogar einen Dreifachwechsel in der 90. Minute, inklusive Torwarttausch. "Wir wollten dem jungen Sulejmani ein Gefühl für den Rasen geben", erklärte er. "Und ehrlich gesagt - unser alter Keeper hat gefroren." Am Ende stand ein 0:2, das klarer war, als es die Zahlen vermuten lassen. Smederevo kämpfte, aber ohne Konzept, während Banja Luka genau wusste, wann Tempo und wann Geduld gefragt waren. "Wir waren heute einfach reifer", meinte Doppeltorschütze Costa (nun gut, einmalig traf er, aber mit breiter Brust darf man protzen). "Smederevo hat gekämpft, aber Fußball ist kein Armdrücken." Für FK Smederevo wird’s eng im Tabellenmittelfeld. Für Banja Luka hingegen ein Auswärtssieg, der mehr war als drei Punkte - ein Statement. Der Bus gen Heimat fuhr mit lauter Musik und noch lauteren Spielern ab. McLeod soll dabei gesungen haben - aber das überlassen wir lieber den Musikjournalisten. Nur so viel: Wer Flügel hat, muss sie nutzen. Und Banja Luka tat genau das. 18.06.643987 14:15 |
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