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Ein Flutlichtabend, wie ihn die 1. Liga Serbien liebt: 56.444 Zuschauer im Stadion von Banja Luka, auf den Rängen Rauchschwaden, auf dem Platz Emotionen. Und am Ende ein 2:1 für den Gastgeber, der sich trotz zwischenzeitlicher Nervenschwäche und einer späten Gelb-Roten Karte durchsetzte. Bereits die ersten Minuten ließen erahnen, dass Trainer Stojko Blombovic seine Männer mit offensivem Flügelspiel auf den Rasen geschickt hatte. "Wir wollten sie von Anfang an in ihre eigene Hälfte drängen", sagte der Trainer nach dem Spiel und sah dabei aus, als hätte er selbst noch die Stollen an. Und tatsächlich: Schon in der 9. Minute fiel das erste Tor. Marco Andrade, der bullige Mittelstürmer, verwertete eine butterweiche Vorlage von Adam Miller - 1:0. Der Jubel war ohrenbetäubend, selbst die Stadionkatze auf der Haupttribüne soll kurz aufgesprungen sein. Doch wer glaubte, das würde ein gemütlicher Abend für die Hausherren, irrte gewaltig. Pivara Celarevo, vom deutschen Coach Andreas Go taktisch diszipliniert eingestellt, lauerte auf Konter und fand in Dusko Komljenovic den perfekten Vollstrecker. In der 35. Minute nutzte der 22-Jährige eine Unachtsamkeit in der Banja-Luka-Abwehr und schob nach Vorarbeit von Jan Brezinsky zum Ausgleich ein. "Ich hab nur die Lücke gesehen - und dann war der Ball drin", grinste Komljenovic nach dem Spiel, während sein Trainer daneben die Stirn rieb. Mit 59 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüssen war Banja Luka zwar statistisch klar überlegen, doch die Gäste blieben gefährlich. Zwischen der 17. und 25. Minute prüften sie den Heimtorwart gleich mehrfach - und das mit ordentlich Wumms. "Da hab ich kurz gedacht, wir stehen unter Dauerbeschuss", gab Abwehrchef Harry O’Leary später zu. Der bekam in der 18. Minute auch prompt Gelb, weil er ein wenig zu rustikal klärte. Die zweite Halbzeit begann mit einem Platzverweis, der das Spiel kippte: In der 71. Minute flog Ranisav Kujovic nach einem harten Einsteigen mit Rot vom Platz. Der Unmut der Gäste war groß. "Das war ein harter, aber kein böser Zweikampf", schimpfte Trainer Go und fügte sarkastisch hinzu: "Vielleicht hat der Schiri einfach zu viel Kaffee getrunken." In Überzahl drehte Banja Luka noch einmal auf. Es war die 78. Minute, als Vicente Dominguez den Ball nach einem weiten Vorstoß von Linksverteidiger Mika Ukkonen im rechten Eck unterbrachte - ein echter Flügelsturm-Treffer. 2:1, und diesmal blieb es dabei. Allerdings nicht ohne Drama: Harry O’Leary, schon verwarnt, sah in der 82. Minute Gelb-Rot, nachdem er sich zu lautstark über einen Freistoßpfiff beschwert hatte. "Ich hab nur gesagt, dass der Ball rund ist", verteidigte er sich später mit einem Grinsen. Sein Trainer hingegen war weniger amüsiert: "Harry hat das Temperament eines Vulkanes - schade, dass er es nicht besser dosieren kann." Kurz darauf verletzte sich Pivaras Innenverteidiger Goran Kezman bei einem Zweikampf und musste vom Platz. Die Gäste wechselten hektisch durch, brachten frische Kräfte wie Mladen Stepanov und Albert Dukic, doch der Druck verpuffte. In der Schlussphase gönnte Blombovic sogar seinem jungen Torhüter Danko Sulejmani ein paar Minuten Einsatz und schickte auch die 18-jährigen Talente Zoran Stankovic und Sreto Manojlovic aufs Feld - ein sympathischer Zug an einem Abend, an dem Routine und Risiko sich die Hand gaben. Nach dem Abpfiff feierten die Fans ihr Team frenetisch. Andrade, abgekämpft, aber strahlend, sagte: "Das war ein Sieg mit Herz. Wir haben gekämpft, geflucht und am Ende gelacht. Genau so soll Fußball sein." Statistisch blieb das Spiel eindeutig: 59,8 Prozent Ballbesitz für Banja Luka, 15 zu 10 Torschüsse, und eine Zweikampfquote knapp über 52 Prozent. Doch Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Entscheidend war der Wille - und vielleicht auch ein bisschen Glück. Trainer Blombovic fasste es am Ende trocken zusammen: "Wir wollten Flügel zeigen - jetzt haben wir sie." Und irgendwo in der Kabine von Pivara Celarevo hörte man Trainer Go murmeln: "Beim nächsten Mal trinken wir vorher weniger Kaffee." Ein Spiel, das man nicht so schnell vergisst - mit allem, was dazugehört: Drama, Tore, Karten und einem Hauch von Wahnsinn. Genau das, was Fußballliebhaber an einem kalten Februarabend erwärmt. 22.06.643990 03:10 |
Sprücheklopfer
Ich hatte schon vorher das Gefühl, dass die Mannschaft noch nicht reif für die Bundesliga ist. Aber dass einige Spieler so weich in der Birne sind, hätte ich nicht gedacht.
Felix Magath nach einer 1:2-Niederlage der Frankfurter Eintracht beim Oberligisten KSV Klein-Karben