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Es war ein kalter Januarabend in Novi Sad, aber die 30.000 Zuschauer auf den Rängen des Karađorđe-Stadions hatten kaum Zeit zum Frieren. Denn was der FK Vojvodina und Banja Luka am 10. Spieltag der 1. Liga Serbien boten, war ein Feuerwerk - vor allem aus Sicht der Gäste. Am Ende hieß es 1:3 (1:3), und das Ergebnis spiegelte ziemlich genau wider, was sich auf dem Platz abgespielt hatte: ein selbstbewusster Auftritt der Gäste und ein Vojvodina-Team, das nach 45 Minuten schon wusste, dass dieser Abend keiner zum Feiern werden würde. Schon in der 7. Minute klingelte es zum ersten Mal im Kasten von Archie Cort. Ermin Dragutinovic, der 22-jährige Mittelstürmer aus Banja Luka, nutzte einen präzisen Pass von Jorge Costa, der zuvor elegant über links durchgebrochen war. Cort streckte sich vergeblich - 0:1. Die Heimfans brauchten gar nicht lange, um den nächsten Dämpfer zu verkraften, denn acht Minuten später folgte Tor Nummer zwei: Der erst 19-jährige Stanislaw Bandrowski zeigte, warum halb Europa schon Scouts nach Bosnien geschickt hat. Ein feiner Pass des Linksverteidigers Ognjen Ivic, ein schneller Haken, und der Ball zappelte unten rechts im Netz. Trainer Bozo Jovanovic an der Seitenlinie wirkte da schon so, als hätte er die falsche Aufstellung aus dem Hut gezogen. "Wir waren geistig noch in der Kabine", knurrte er später in die Mikrofone. "Oder vielleicht im Aufwärmprogramm von gestern." Ein Funken Hoffnung kam in der 26. Minute auf, als der erfahrene Goran Stankovic mit einem trockenen Flachschuss den Anschluss erzielte. Der 33-Jährige rannte jubelnd zur Eckfahne, als hätte er gerade das Finale gewonnen - und vielleicht glaubte das Stadion für einen Moment auch daran. Doch nur neun Minuten später zerstörte Dragutinovic die Illusionen mit seinem zweiten Treffer des Abends. Ein schneller Angriff über Vicente Dominguez, ein Querpass - und wieder war der junge Angreifer da, eiskalt, präzise, unaufhaltsam. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte Dragutinovic nach dem Spiel und grinste, als hätte er gerade einen Parkspaziergang hinter sich. "Die Pässe kamen perfekt, da muss man nur noch treffen." Nach dem 1:3 zur Pause hatte Vojvodina zwar noch 45 Minuten Zeit, aber je länger das Spiel dauerte, desto deutlicher wurde: Es war einer dieser Tage, an denen der Ball einfach nicht reinwill. Neun Torschüsse, 43 Prozent Ballbesitz, viel Wille, aber wenig Präzision - die Zahlen erzählten die Geschichte eines Teams, das rannte, kämpfte, aber gegen die abgeklärte Routine der Gäste kaum ankam. In der zweiten Halbzeit versuchte Jovanovic alles: Lasse Klein raus, Andre Ganesvoort rein (60.), dann Dusan Sulejmani und Dragan Manojlovic für frische Offensivimpulse. Letzterer hatte in der 71. und 84. Minute zwei ordentliche Chancen - doch Gäste-Keeper Aleksandar Dordevic stand wie ein Fels. "Ich hab ihm einfach keinen Platz gelassen", lachte der Torhüter, während er sich nach dem Spiel demonstrativ den Rasen von den Handschuhen klopfte. Banja Luka spielte das Ding souverän runter. 13 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, ein ruhiges, fast lässiges Auftreten - man hatte nie den Eindruck, dass sie noch einmal ins Wanken geraten könnten. Selbst als Dragutinovic in der 82. Minute Gelb sah, blieb Stojko Blombovic auf der Bank seelenruhig sitzen. "Ich wollte gerade aufstehen, aber er hat sich gleich entschuldigt. Da blieb ich lieber sitzen", meinte der Trainer später mit einem Grinsen. Kurz vor Schluss gab’s dann noch eine Szene für die Galerie: Der 18-jährige Ersatzkeeper Danko Sulejmani durfte in der 90. Minute ran - wohl eher als symbolischer Lohn für gute Trainingsleistungen. Auch zwei weitere Teenager, Marko Jovanovic und Zvonimir Trkulja, bekamen noch Minuten. "Wir haben Zukunft, das ist das Wichtigste", sagte Blombovic. Recht hat er - wer so jung und so kaltblütig auftritt, darf träumen. Vojvodina hingegen muss sich fragen, wohin die Reise geht. Nach zehn Spieltagen stehen sie im Mittelfeld, ohne klare Linie, mit einer Abwehr, die zu oft hinterherläuft. Trainer Jovanovic kündigte an, "intensiv an der Abstimmung zu arbeiten". Übersetzt heißt das wohl: weniger Flanken ins Nichts, mehr Struktur. Und so verließen die Zuschauer das Stadion mit gemischten Gefühlen - zwischen Resignation und Galgenhumor. Ein älterer Fan brachte es auf den Punkt: "Früher hatten wir Stürmer, heute haben wir Statistiken." Vielleicht war das das ehrlichste Fazit des Abends. 03.05.643987 07:15 |
Sprücheklopfer
Ich kann nicht mehr als schießen. Außerdem standen da 40 Leute auf der Linie.
Toni Polster über eine vergebene Torchance