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Wenn man 44.455 Zuschauer in ein Stadion lockt, erwartet man Spektakel. Und das bekamen sie - zumindest die Anhänger von Banja Luka. Was die Mannschaft von Trainer Stojko Blombovic am 13. Spieltag der 1. Liga Serbien auf den Rasen zauberte, war kein Fußballspiel, sondern ein Feuerwerk in sieben Akten. Der Gast aus Apatin? Statist in einer Vorstellung, die man wohl noch lange in den Gassen von Banja Luka erzählen wird. Es dauerte ganze zwei Minuten, bis der Vorhang aufging: Stanislaw Bandrowski, zarte 19 Jahre alt, schob den Ball nach einem energischen Angriff über die rechte Seite eiskalt ins Netz. Der Apatiner Torhüter Albert Dordevic streckte sich, aber das Leder lachte ihn aus und zappelte schon hinter der Linie. "Ich dachte, ich träume. Aber der Ball war wirklich drin - und das war erst der Anfang", grinste Bandrowski nach dem Spiel. Was folgte, war eine Demonstration. Banja Luka spielte, als gäbe es kein Morgen. In der 20. Minute legte Zvonimir Trkulja nach, eiskalt bedient von Adam Miller, der an diesem Abend so passsicher auftrat, als habe er einen GPS-Sender im Ball. Sieben Minuten später durfte dann Marko Jovanovic jubeln - wieder Miller als Vorbereiter. Und als der Taktgeber selbst in der 33. Minute zum Abschluss ansetzte, war klar: Heute würde nichts schiefgehen. 4:0, und der Gegner? Stand irgendwo zwischen Schockstarre und Resignation. "Ich habe versucht, die Jungs wachzurütteln", sagte Zvezda-Coach Nebojsa Radic (der Name fiel auf der Bank, auch wenn er nicht offiziell notiert war) später mit einem müden Lächeln. "Aber wenn du kaum den Ball siehst, kannst du auch schwer Tore schießen." Tatsächlich brachte es Apatin auf ganze drei Schüsse aufs Tor - eine statistische Fußnote, die ebenso trostlos klang wie das Ergebnis. Noch vor der Pause folgte Bandrowskis zweiter Streich: In der 40. Minute verlängerte Trkulja per Kopf - und der junge Pole drosch den Ball zum 5:0 in die Maschen. Man hätte Mitleid mit den Gästen haben können, wenn sie nicht so höflich gewesen wären, jeden Angriff Banja Lukas mit einem kleinen Sicherheitsabstand zu begleiten. Nach dem Seitenwechsel schaltete das Heimteam kurz auf Autopilot. 52 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse - die Zahlen sprachen eine deutliche Sprache, auch wenn Blombovic an der Seitenlinie weiter gestikulierte, als stünde es 0:0. "Ich wollte, dass sie konzentriert bleiben. Tore sind schön, aber Disziplin ist schöner", meinte der Trainer mit jenem trockenen Humor, für den ihn die Reporter lieben. In der 80. Minute durfte dann der Routinier ran: Marco Andrade, 31, der schon in der ersten Minute einen Warnschuss abgegeben hatte, traf nach Vorarbeit von Marko Tosic zum 6:0. Das Stadion tobte, irgendwo in der Nordkurve soll ein Fan gerufen haben: "Lasst uns den achten holen!" - und man glaubte es ihm. Zvezda Apatin dagegen taumelte dem Ende entgegen. Rechtsverteidiger Lubos Ujfalusi sah in der 85. Minute noch Gelb, kurz darauf verletzte sich Mittelfeldmann Joel Bertram und musste raus. Sein Ersatz, Schaul Scharanski, kam, sah - und litt. In der Nachspielzeit setzte Jungspund Trkulja den Schlusspunkt. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Ranisav Tosic drosch der 18-Jährige die Kugel humorlos in die Ecke. 7:0. Das Publikum stand, die Ersatzspieler umarmten sich, und Torhüter Aleksandar Dordevic durfte sich beim Abpfiff tatsächlich noch auswechseln lassen - ein symbolischer Akt von Trainer Blombovic, der offenbar jedem einen Moment des Ruhms gönnen wollte. "Ehrlich gesagt, ich habe aufgehört zu zählen", sagte Miller später lachend in der Mixed Zone. "Aber ich glaube, wir hätten noch ein, zwei mehr machen können." Damit hatte er wohl recht. 7:0, 18 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - es war ein Spiel, das in keiner Statistik schönzureden war, weil es einfach zu deutlich war. Banja Luka spielte offensiv, über die Flügel, mit starkem Körpereinsatz - und Apatin? Nun, sie spielten mit. Irgendwie. Zum Schluss meinte Coach Blombovic augenzwinkernd: "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Vielleicht hätten sie mich wörtlich nehmen sollen - sie hatten zu viel Spaß." Ein Satz, der diesen Abend perfekt beschreibt. Denn im Stadion von Banja Luka wurde nicht einfach Fußball gespielt - es wurde gefeiert. Und Zvezda Apatin wird sich wünschen, dass es nur ein Albtraum war. 07.06.643987 00:27 |
Sprücheklopfer
Ich hatte noch nie Streit mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit aufs Hochzeitsfoto wollte.
Mehmet Scholl