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Barrow stiehlt Southampton den Sieg in der Nachspielzeit

Was für ein Fußballabend im St. Mary’s Stadium! 56.070 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles bot - Tore, Karten, junge Helden, alte Haudegen und am Ende ein Drama in der Nachspielzeit. Barrow AFC entführte beim 3:4-Sieg gegen den FC Southampton drei Punkte, die wohl kaum jemand im Stadion für möglich gehalten hatte.

Schon nach sieben Minuten bebte die Tribüne: Gabri Yanez, der flinke rechte Mittelfeldspieler der Saints, jagte den Ball nach Vorlage von Abwehrchef Carles Ordono in die Maschen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Yanez später, "aber er hat einfach gebettelt, gespielt zu werden." Sein Trainer Michael Böning ballte die Faust - ein Start nach Maß für die Hausherren, die mit offensiver Ausrichtung und aggressivem Pressing begannen.

Doch Barrow, das kleine gallische Dorf aus der englischen Fußballprovinz, ließ sich nicht beeindrucken. Coach Ingo Königs, der an der Seitenlinie in seiner typischen blauen Trainingsjacke wirkte, als hätte er sie seit 1998 nicht mehr ausgezogen, hatte seine Jungs gut eingestellt: robust, zielstrebig, mit klaren Pässen und ohne überflüssigen Schnickschnack. In der 41. Minute war es der erst 18-jährige Innenverteidiger James Lankford, der nach einer Ecke zum 1:1 einköpfte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", sagte der Teenager später mit einem breiten Grinsen, "und gehofft, dass keiner im Weg steht."

Zur zweiten Halbzeit stellte Böning um - weniger Pressing, mehr lange Bälle. Das Spiel wurde wilder, offener, und das Publikum bekam, was es wollte: Spektakel. In der 54. Minute brachte Billy Benett Southampton wieder in Führung, nachdem er einen herrlichen Diagonalpass von Leo Broderick volley ins Eck schweißte. Doch kaum zwei Minuten später konterte Barrow über den erfahrenen Alfie Ross, der Benjamin Prinsloo bediente - 2:2.

Ab hier war es kein Fußballspiel mehr, sondern eine Mischung aus Boxkampf und Schachpartie. Southampton kassierte Gelbe Karten in Serie - Bail, Broderick, später auch Kai Peter -, während Barrow auf einmal das Spiel kontrollierte. In der 63. Minute drehte Thomas Hennessy mit einem trockenen Schuss aus 14 Metern die Partie.

Aber die Saints gaben nicht auf. In der 71. Minute traf Jan Ovesen, 20 Jahre jung, nach Vorarbeit von Benett zum 3:3. "Ich hab nur gehofft, dass keiner mich anschreit, wenn ich schieße", erzählte Ovesen lachend. Böning an der Seitenlinie schien kurz davor, seine Wasserflasche zum taktischen Wurfgeschoss umzufunktionieren - so sehr lebte er jede Szene mit.

Dann kam die Nachspielzeit. 92. Minute. Die Fans von Southampton standen schon halb auf, um den Punkt zu feiern. Doch plötzlich startete Barrow einen letzten Angriff über die linke Seite. Der eingewechselte Joel Hardin, 18 Jahre und kaum älter als sein Schulsport-Lehrer, flitzte die Linie entlang, flankte präzise, und Adam Lankford drückte den Ball zum 3:4 über die Linie. Stille im Stadion - und dann Jubel aus dem kleinen Gästeblock, der sich anhörte, als hätte man 500 Trompeten gleichzeitig gezündet.

"Wir haben bis zur letzten Sekunde daran geglaubt", sagte Barrow-Coach Königs nach dem Spiel mit heiserer Stimme. "Vielleicht war’s nicht immer schön, aber schön war’s trotzdem." Böning hingegen suchte verzweifelt nach Worten: "Wenn du in der 92. Minute so ein Ding frisst, möchtest du einfach nur kurz den Rasen umarmen und liegen bleiben."

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: Southampton 12 Torschüsse, Barrow 11; Ballbesitz 48 zu 52 Prozent; Zweikampfquote fast pari. Der Unterschied lag eben in einem Moment, in einem Pass, in einem Lankford.

Während die Gäste ausgelassen vor der Kurve tanzten, stapften die Saints bedrückt vom Platz. Ein paar Fans klatschten trotzdem - sie hatten ein wildes Spiel gesehen, das an die guten alten Premier-League-Schlachten erinnerte, als Defensive noch ein Gerücht war.

Vielleicht ist das die schönste Ironie des Abends: am Ende war es nicht Taktik, nicht Statistik, sondern der pure Wille, der entschied. Und irgendwo auf der Tribüne grinste der Fußballgott - wahrscheinlich mit einem Barrow-Schal um den Hals.

08.04.643987 10:07
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Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
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