Football Today
+++ Sportzeitung für England +++

Barrymore köpft Bournemouth zum Arbeitssieg - Telford verzweifelt an sich selbst

Manchmal reicht ein einziger Geistesblitz - oder, in diesem Fall, ein kräftiger Nackenmuskel. Bournemouth FC gewinnt am 5. Spieltag der 2. Liga England mit 1:0 gegen Telford United und verdankt den knappen Sieg einem Innenverteidiger, der sich für einen Moment wie ein Mittelstürmer fühlte: Harrison Barrymore, 24 Jahre jung, traf in der 37. Minute nach einer butterweichen Flanke von Aaron Davonport per Kopf. Danach: viel Einsatz, etwas Chaos, eine Gelb-Rote Karte - und ein erleichtertes Stadion mit 31.944 Zuschauern, das am Ende mehr seufzte als jubelte.

Dabei hatte alles so offensiv begonnen. Bournemouth, von Trainer Raffael Vogelsang mit einer mutigen Ausrichtung ins Spiel geschickt, startete mit viel Druck. Schon in der vierten Minute prüfte Bradley Roades den Telforder Keeper Sergio Ortega, der seine Handschuhe offenbar frisch aus der Waschmaschine gezogen hatte - blitzsauber und hellwach. Zwei Minuten später versuchte es Michael Baskin von rechts, und der Ball zischte nur knapp am Pfosten vorbei. Bournemouth schoss aus allen Lagen (14 Torschüsse insgesamt), während Telford sich zunächst auf das Beobachten spezialisierte - ein Konzept, das nur auf dem Papier "balanced" klang.

"Wir wollten erstmal sehen, was Bournemouth macht", erklärte Telfords Kapitän Benjamin Dennehy hinterher mit einem leichten Grinsen. "Leider haben sie dann ein Tor gemacht. Das war nicht Teil des Plans."

Das Tor war tatsächlich sehenswert - und ein Lehrstück in Sachen Timing. Rechtsverteidiger Davonport, sonst eher mit Defensivaufgaben betraut, zirkelte in der 37. Minute eine Flanke an den Fünfmeterraum, wo Barrymore hochstieg wie ein Basketballer auf Koffein. Der Kopfball klatschte ans Lattenunterkante und dann ins Tor. "Ich hab gar nicht gewusst, dass er so springen kann", witzelte Trainer Vogelsang später. "Vielleicht sollte ich ihn vorne lassen."

Das Publikum tobte, Bournemouth führte 1:0 - und Telford wirkte, als hätte man ihnen den Stecker gezogen. Kurz vor der Pause wurde es dann ruppiger: Dennehy holte sich Gelb für ein rustikales Einsteigen, das in einem anderen Sport vermutlich Applaus bekommen hätte. Nach dem Wechsel schien Bournemouth die Kontrolle zu behalten, aber dann kam die 67. Minute und mit ihr das Drama eines jungen Mannes namens Aaron Davonport. Schon verwarnt, ging er in ein unnötiges Tackling - Gelb-Rot, raus. "Ich dachte, ich kriege den Ball", murmelte er später, "aber der Ball dachte was anderes."

Mit einem Mann weniger musste Bournemouth die letzten 25 Minuten überstehen, und plötzlich witterte Telford Morgenluft. Hathaway, Thuringer und Catrall versuchten es mehrfach, doch Torwart Samuel Locklear blieb Herr der Lage. Besonders in der 80. Minute, als Thuringer aus spitzem Winkel abzog, sprang Locklear mit einer Reaktionszeit, die einem Videospiel würdig gewesen wäre, dazwischen. "Ich hab einfach gehofft, dass mich der Ball trifft", gestand der Keeper lachend. "Und diesmal hat’s geklappt."

Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen - 52,6 Prozent Ballbesitz für Bournemouth, 47,3 für Telford -, doch in Wahrheit hatte der Gastgeber die größeren Momente. Telford fehlte die Entschlossenheit, und Bournemouth fehlte die Ruhe. Trainer Vogelsang gestikulierte an der Seitenlinie wie ein Dirigent ohne Orchester, während sein Gegenüber an der Telford-Bank mit stoischer Ruhe Notizen machte - möglicherweise eine Einkaufsliste für den Transfermarkt.

In den letzten Minuten wurde es noch einmal hitzig: Gelb für Onnington (84.), der den Ball nicht mehr hergeben wollte, und Gelb für Catrall, der ihn zu vehement zurückforderte. Der Schiedsrichter verteilte Karten wie ein Weihnachtsmann Geschenke, nur mit weniger Freude bei den Beschenkten.

Als der Abpfiff kam, atmete das Vitality Stadium kollektiv auf. Ein 1:0, das schwerer erkämpft war, als es die Statistik vermuten lässt. "Schön war’s nicht", meinte Vogelsang ehrlich, "aber drei Punkte sind drei Punkte. Und Barrymore hat mir den Abend gerettet."

Barrymore selbst grinste verschmitzt: "Ich wollte eigentlich nur klären, aber dann war der Ball halt drin."

Vielleicht war das der ehrlichste Satz des Abends. Fußball, wie ihn die Engländer lieben - ein bisschen chaotisch, ein bisschen dreckig, aber am Ende zählt, wer das Netz trifft. Bournemouth tat es einmal, Telford gar nicht. Das reicht für die Schlagzeilen, wenn auch nicht für die Geschichtsbücher.

Und so ging ein kalter Januartag mit einem warmen Gefühl für die Heimfans zu Ende. Bournemouth hat drei Punkte, Telford die Erkenntnis, dass Zusehen allein keine Punkte bringt. Und irgendwo in der Kabine sitzt ein Innenverteidiger, der sich fragt, ob er vielleicht doch Stürmer werden sollte.

06.03.643987 09:40
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Von der Einstellung her stimmt die Einstellung.
Andreas Brehme
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager