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Es war ein kalter Januarabend in Wil, aber die 35.849 Zuschauer im Stadion kamen schnell auf Betriebstemperatur. Der FC Wil legte los wie ein Schweizer Uhrwerk - präzise, flink und mit einem Hauch Übermut. Und tatsächlich: In der 19. Minute belohnte sich das Heimteam mit einem Treffer, der fast schon poetisch war. Ellis Kirwan, der rechte Flügelmann mit dem explosiven Antritt, vollendete nach feinem Zuspiel von Mika Kolkka zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass der Ball nicht im Nebel verschwindet", grinste Kirwan später in der Mixed Zone. Basel, das zu Beginn eher wie ein Tourist wirkte, der sich auf dem Land verfahren hat, schien überrascht vom forschen Auftritt der Wiler. Trainer Kevin Keegan stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Manteltaschen, und murmelte laut genug, dass es die Ersatzbank hören konnte: "Das ist kein Museumsbesuch, Jungs, das ist Fußball!" Taktisch begann Basel, wie es sich für eine Mannschaft mit Offensiv-Genen gehört: offensiv, über die Flügel, aber ohne das letzte Tempo. Wil dagegen lauerte auf Konter und zeigte mit 56 Prozent Ballbesitz, dass man durchaus auch selbst gestalten kann. Doch der Ballbesitz war trügerisch - wie ein Schweizer Käse hatte das Spiel der Gastgeber Löcher. Nach dem Seitenwechsel kam Basel aus der Kabine, als hätte Keegan den Espresso intravenös verabreicht. In der 48. Minute zog Christian Mann von rechts nach innen, bekam den Ball von Jean Barnier und traf trocken zum Ausgleich. "Jean hat mir den Ball genau in den Lauf gelegt. Ich musste ihn nur noch reinflüstern", erzählte Mann, und tatsächlich, so leise, wie der Ball ins Netz glitt, war es fast ein Flüstern. Wil wirkte danach konsterniert - und Basel roch Blut. In der 58. Minute war es Simone Altomonte, der nach Vorarbeit von Jens Andreassen das 2:1 markierte. Ein Angriff über rechts, ein präziser Pass, ein trockener Abschluss - Fußball aus dem Lehrbuch. Nur zwei Minuten später drehte Andreassen selbst den Spieß um: Barnier bediente ihn, und der Norweger schob den Ball lässig zum 3:1 ein. Drei Tore in zwölf Minuten - und plötzlich stand Wil im eigenen Stadion da wie ein verblüffter Gastgeber, dem die Gäste den Kühlschrank leergegessen haben. Trainer Nico Meng versuchte noch, seine Truppe wachzurütteln. "Wir müssen wieder mutiger werden!", brüllte er über den Platz. Doch das Spiel glitt ihm aus den Händen. Zwar kamen die Wiler noch zu einigen Abschlüssen - insgesamt sieben Torschüsse, einer davon von Diego Derlei in der 85. Minute, der den Ball aus 20 Metern knapp über die Latte jagte -, aber die Effizienz blieb aus. Basel hingegen spielte das Ergebnis souverän herunter. Die Gäste hatten neun Schüsse aufs Tor, trafen dreimal und ließen kaum etwas anbrennen. Das Mittelfeld um Barnier und den eingewechselten Cafer Sentürk kontrollierte das Tempo, während hinten Costinha und Van Hoyweghen die wenigen Wiler Angriffe im Keim erstickten. In der 88. Minute wurde es dann noch einmal hitzig: Wils Rechtsverteidiger Nuno Xavier, bereits verwarnt, räumte Altomonte rustikal ab - Gelb-Rot, und der Frust war komplett. Xavier stapfte vom Feld, während ein Zuschauer in der dritten Reihe trocken kommentierte: "Er wollte wohl früher unter die warme Dusche." Nach dem Abpfiff wirkte Keegan entspannt, fast philosophisch. "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Und wenn sie schon gewinnen, dann bitte mit Stil." Sein Gegenüber Meng hingegen suchte die Worte - und fand sie schließlich: "Wir haben in der Pause den Stecker gezogen statt den Akku geladen." Statistisch gesehen war das Spiel enger, als das Ergebnis vermuten lässt. Wil hatte mehr Ballbesitz, Basel aber den klareren Plan. Die Gäste steigerten gegen Ende ihr Pressing, während Wils Attacken zunehmend im Mittelfeld versandeten. Rot-Blau Basel holt mit diesem 3:1-Auswärtssieg drei verdiente Punkte am 4. Spieltag der 1. Liga Schweiz und setzt ein deutliches Ausrufezeichen in Richtung Konkurrenz. Der FC Wil hingegen wird sich fragen müssen, wie man ein Spiel, das man kontrolliert, so aus der Hand geben kann. Oder wie es Ellis Kirwan später selbstironisch zusammenfasste: "Wir haben schön gespielt - leider nicht bis zum Schluss." Ein Satz, der in Wil wohl noch eine Weile nachhallen dürfte. 22.02.643987 19:34 |
Sprücheklopfer
Ja gut, äh, ein Lothar Matthäus braucht keine dritte Person. Er kommt sehr gut allein zurecht.
Lothar Matthäus auf die Frage, ob er in Zukunft von sich in der dritten Person spräche