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Es war ein Pokalabend, wie ihn selbst die ältesten Stadionverkäufer von Bat Yam so noch nicht erlebt hatten: 20.000 Zuschauer, 37 Torschüsse der Gäste, vier der Hausherren - und am Ende jubelten trotzdem die Bat Yam Blues. 7:6 nach Elfmeterschießen, 0:0 nach 120 Minuten, ein Ergebnis, das jede statistische Logik beleidigt. "Ich weiß selbst nicht, wie das passiert ist", grinste Blues-Torhüter Miguel Mocana nach dem Spiel, noch mit Rasenflecken auf der Stirn. "Vielleicht stand der Wind auf unserer Seite. Oder der liebe Fußballgott war heute blau gekleidet." Von Beginn an war klar, wer hier die Musik spielte - und wer nur das Schlagzeug trug. Die Ramat Gan Reds, unter der Leitung ihres extrovertierten Trainers John Porno, starteten offensiv wie ein Orkan. Schon in der ersten Viertelstunde feuerten sie mehr Bälle Richtung Mocana als die Blues in der gesamten regulären Spielzeit. Xabier Nene, der junge Linksaußen mit der Eleganz eines Flamencotänzers und der Zielgenauigkeit eines Schneeballs im Sommer, prüfte den Keeper wiederholt - vergeblich. "Wir wollten offensiv spielen, Chancen kreieren, das haben wir gemacht", sagte Porno nach dem Spiel und hob bedeutungsvoll die Augenbrauen. "Nur diese Sache mit den Toren - daran müssen wir wohl noch arbeiten." Bis zur Pause blieb es beim torlosen, aber keineswegs ereignisarmen 0:0. Die Blues verteidigten tief, gelegentlich auch mit Glück und Gebrüll, während Mocana im Tor eine Mischung aus Yoga und Flugsimulator praktizierte. Trainer der Blues, dessen Name in den Unterlagen irgendwie fehlte, aber dessen Gestik von der Seitenlinie eindeutig "Hinterher, Jungs!" bedeutete, schien mit dem Ergebnis zufrieden. In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild kaum. Die Reds belagerten den Strafraum, als ginge es um die letzte Pizza der Saison. Dror Shum, 34 Jahre jung und mit der Erfahrung eines halben Lebens in der Sturmspitze, scheiterte mehrfach knapp. Selbst Innenverteidiger Jose Fernandes versuchte es, offenbar frustriert über die Ineffizienz seiner Kollegen, mit Schüssen aus allen Lagen. Die Blues setzten auf Konter - oder besser gesagt: Konterchen. Hermann Göbel versuchte es in der 12. Minute mit einem Schuss, der so harmlos war, dass er fast als Rückpass durchging. Tal Peretz und Dalia Benayoun sorgten immerhin für zwei gefährliche Szenen in der Verlängerung. Aber es blieb beim 0:0, obwohl die Reds inzwischen fast doppelt so viel Ballbesitz und dreimal so viele Tackles gewonnen hatten. Dann kam die 98. Minute - und der Moment, an dem das Stadion kurz verstummte: Andre Tzwi sah Rot, direkt, ohne Diskussion. Was er getan hatte, wusste niemand so genau, vielleicht zu laut geatmet. "Ich habe nur ’Ball!’ gerufen", verteidigte er sich später. "Aber anscheinend war das zu aggressiv." Trotz Unterzahl retteten sich die Blues ins Elfmeterschießen. Und dort begann das Kuriositätenkabinett. Yaniv Warschawski traf als Erster für die Gastgeber, Nene glich aus. Dann verschossen beide Teams jeweils einen Versuch - Yuval Vilnai für die Blues, Jigael Scharanski für die Reds. Danach trafen alle, bis Fernando Sainz als letzter Schütze der Reds anlief und den Ball hoch über die Latte drosch, direkt in die Werbebande für lokale Zahnimplantate. "Ich wollte ihn unter die Latte zirkeln", murmelte Sainz später zerknirscht. "Hat fast geklappt - nur ohne Latte." Die Blues dagegen verwandelten eiskalt: Göbel, Benayoun, Peretz, Wahbi, Colautti und schließlich Benado - alle trafen. Als der letzte Ball im Netz zappelte, explodierte das Stadion in einem blauen Rausch. Mocana, der Held des Abends, rannte zur Eckfahne und schrie in den Nachthimmel: "Ich kann endlich wieder atmen!" Statistisch betrachtet war es ein Wunder: 46 Prozent Ballbesitz, 4:37 Torschüsse, 41 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem weiter. Fußball schreibt manchmal Geschichten, die selbst Drehbuchautoren als "zu unrealistisch" ablehnen würden. Trainer Porno nahm es sportlich: "Wir hätten bis morgen früh weiterspielen können, und es wäre wohl immer noch keiner reingegangen." Und dann fügte er hinzu: "Aber hey, wenigstens haben wir alle Fitnessdaten für die nächsten drei Jahre gesammelt." Am Ende war es einer dieser Abende, an denen die Zahlen lügen und das Herz gewinnt. Bat Yam Blues steht in der vierten Runde des Pokals - und wer sie demnächst wieder unterschätzt, sollte daran denken: Sie brauchen keine Chancen, um zu siegen. Nur Nerven aus Stahl und einen Torwart, der den Wahnsinn liebt. Oder, wie Mocana es zusammenfasste, während er sich in eine Decke wickelte: "Wir waren heute nicht besser - nur verrückter. Und das reicht manchmal vollkommen." 01.12.643999 10:42 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat