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Wenn 41.756 Zuschauer an einem frostigen Januarabend in Nevşehir ins Stadion pilgern, dann erwarten sie mehr als das, was ihre Mannschaft am 4. Spieltag der 1. Liga Türkei gegen Batman Belediyespor bot: viel Aufwand, wenig Ertrag - und am Ende ein bitteres 0:1. Schon nach zwölf Minuten war die Stimmung im weiten Rund merklich abgekühlt. Batman-Stürmer Ilia Hubtschew traf nach feiner Vorarbeit von Rechtsverteidiger Zoran Stankovic. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: Stankovic marschierte die Linie entlang, legte flach in den Rückraum, und Hubtschew versenkte den Ball mit der stoischen Ruhe eines Mannes, der schon wusste, dass das der einzige Treffer des Abends bleiben würde. "Ich hab’ den Ball einfach laufen lassen und gehofft, dass Ilia ihn trifft - das tut er meistens", grinste Stankovic später. Nevsehir dagegen wirkte, als hätte man den Wecker zu spät gestellt. Trainer Mehmet Kaan gestikulierte wild an der Seitenlinie, brüllte seine Verteidiger nach vorn und raufte sich das Haar, als Behram Kas in der 37. Minute aus spitzem Winkel die Latte traf - einer der wenigen lichten Momente der ersten Halbzeit. "Wir haben zu spät gemerkt, dass das Spiel schon läuft", meinte Kaan mit bitterem Lächeln. Die Statistik gab ihm recht: 47,6 Prozent Ballbesitz für Nevsehir, acht Torschüsse - aber keiner wollte rein. Batman Belediyespor kam mit 52,4 Prozent Ballbesitz aus, schoss sechsmal aufs Tor, traf einmal - und das genügte. Pragmatismus in Reinkultur. In der Pause wurde im Heimblock diskutiert, ob man vielleicht "mehr Mut" zeigen müsse. Kaan reagierte: Doppelwechsel in der 50. Minute. Der erfahrene Tahsin Oktay kam für den jungen Ferruh Önüt, Sezer Özari ersetzte den blassen Nelson Varela. Und tatsächlich, Nevsehir wurde aktiver. Yaman Erdem prüfte Gäste-Keeper Veli Sabankay in der 53. Minute, kurz darauf der agile Santiago Coluna von rechts - doch Sabankay hielt, was zu halten war. "Ich hab’ einfach die Arme hochgerissen und gehofft, dass mich der Ball trifft", lachte der Torhüter später, sichtlich zufrieden mit seiner Selbsteinschätzung. Als Kaan in der 56. Minute noch Egidius Tenbrook vom Platz nahm - der später in der Nachspielzeit Gelb sah - und den jungen Rahim Kocaman brachte, war klar: Alles oder nichts. Nevsehir stellte auf Offensive um, ging ins Pressing, rannte, kämpfte, fluchte. Die Zuschauer honorierten den Einsatz, auch wenn die Präzision fehlte. Yaman Erdem, der auffälligste Nevsehir-Spieler des Abends, versuchte es gleich dreimal (53., 61., 82.), doch jedes Mal blieb nur ein kollektives "Aaaah" auf den Rängen. "Ich hätte heute auch auf zwei Meter Entfernung nicht getroffen", gestand er nach Abpfiff mit einem Schulterzucken. Bei Batman Belediyespor dagegen herrschte stoische Gelassenheit. Trainer Zeki Demir - stets mit verschränkten Armen an der Linie - ließ sein Team diszipliniert verteidigen. Selbst die Gelben Karten für Hermann Grimm (23.) und Michael Ullrich (85.) brachten keine Unruhe. "Wir wollten gar nicht schön spielen, nur clever", erklärte Demir trocken. "Und clever war’s, oder?" Am Ende stand ein 0:1, das nüchtern betrachtet verdient war. Batman Belediyespor hatte das frühe Tor, die Kontrolle und das Glück, dass Nevsehir zu spät erwachte. Die Heimmannschaft zeigte zwar Moral, aber keine Durchschlagskraft. Der junge Inigo Frechaut prüfte Sabankay noch einmal in der 73. Minute, Behram Kas zwang ihn in der 88. zu einer Glanzparade - doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie. "Wenn du achtmal schießt und keiner geht rein, weißt du, dass der Fußball heute nicht dein Freund ist", sagte Kaan in der Pressekonferenz. Neben ihm grinste Demir und murmelte: "Dann sind wir heute wohl Batman und er ist Robin." Ein Satz, der das Spiel treffend zusammenfasst: Der Held kam aus Batman, Nevsehir blieb die Nebenrolle. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem die Gäste mit Effizienz glänzten und die Heimfans mit leerem Blick nach Hause gingen. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass man immerhin den schöneren Fußball spielte - nur leider ohne Happy End. Wie sagte ein älterer Fan beim Hinausgehen? "Früher hätten wir so ein Spiel gewonnen." Vielleicht. Aber früher war auch der Rasen besser. 04.03.643987 22:10 |
Sprücheklopfer
Heute habe ich sicher so viel Unterstützung wie Leonid Breschnew früher bei den Sowjet-Wahlen!
Jan-Aage Fjörtoft nachdem er das Siegtor gegen Bayern München geschossen hatte