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Wenn 40.000 Zuschauer an einem Donnerstagabend in Kiryat Shmona auf den Rängen frieren, dann erwarten sie wenigstens ein bisschen Feuer auf dem Rasen - und sie bekamen es, in Form eines französischen Wirbelwinds namens Patrick Beaumanoir. Der Linksaußen der "Reds" erzielte beide Treffer beim 2:1-Sieg über Tirat Carmel FC und ließ dabei Gegenspieler Conte und Co. aussehen, als hätten sie noch nie etwas von Defensivarbeit gehört. Dabei begann alles so vielversprechend für die Gäste: Schon in der 7. Minute brachte Frans Dahl Tirat Carmel in Führung, nach einem präzisen Zuspiel von Rechtsverteidiger Jelle Brill. "Der Ball kam perfekt, ich musste nur noch die Innenseite hinhalten", grinste Dahl später - ahnungslos, dass er damit den Weckruf für Kiryat Shmona gab. Denn die Antwort kam keine zehn Minuten später: Beaumanoir traf in der 16. Minute zum Ausgleich, vorbereitet vom fleißigen Guillermo Makukula, der die linke Seite rauf und runter marschierte, als sei der Rasen sein persönliches Laufband. "Wir wussten, dass wir ruhig bleiben müssen", erklärte Beaumanoir nach dem Spiel. "Makukula hat mir das Ding aufgelegt, ich hab einfach draufgehalten - voilà." Und als die Gäste noch über den Ausgleich haderten, schlug der Franzose erneut zu. In der 29. Minute, diesmal nach Vorarbeit von Callum Lujan, versenkte Beaumanoir den Ball eiskalt im langen Eck. Zwei Chancen, zwei Tore - und plötzlich hatte Kiryat Shmona die Kontrolle. Tirat Carmel-Coach Babsi Klemm schüttelte da nur den Kopf: "Ich dachte, wir spielen offensiv. Aber offenbar haben meine Jungs das mit ’offen’ verwechselt." Statistisch war die Partie durchaus ausgeglichen. Tirat Carmel brachte es auf 11 Torschüsse, Kiryat Shmona auf 10. Auch die Zweikampfbilanz (49,5 zu 50,5 Prozent) spricht für ein enges Duell. Doch während die Heimelf 53,9 Prozent Ballbesitz in produktive Aktionen ummünzte, fehlte den Gästen die letzte Präzision. Espen Brinkerhoff prüfte Torhüter Juanito Garcez gleich zweimal (54. und 56.), doch der Keeper der Reds blieb cool wie ein Eisschrank. Ein Hauch von Chaos zog kurz vor der Pause ein, als Babsi Klemm gleich doppelt wechselte: Cantwell kam für Oliveira, Gaudin für Carlsen - taktisch ein Schachzug, der anfangs so wirkte, als würde sie den Sturm neu beleben wollen. Doch stattdessen geriet Tirat Carmel aus dem Rhythmus, was Klemm später trocken kommentierte: "Ich wollte frischen Wind bringen, aber wir bekamen eher Gegenwind." Nach der Pause versuchte Tirat Carmel alles: offensiv, mit Flügelspiel, aggressivem Pressing und einer Portion Verzweiflung. Eugenio Conte sah in der 64. Minute Gelb, nachdem er Beaumanoir an der Seitenlinie gestoppt hatte - eher rustikal als elegant. "Ich hab den Ball gespielt", behauptete Conte nach dem Abpfiff, worauf Beaumanoir nur lachte: "Welchen Ball? Den aus dem Pausentee?" Die letzten 20 Minuten wurden zum Kampfspiel. Kiryat Shmona zog sich zurück, verteidigte kompakt, ließ aber Konterchancen liegen. In der 89. Minute prüfte Slaven Labak den gegnerischen Torwart Danielsen noch einmal, ehe in der Nachspielzeit Rudolf Bruun einen Ball aus 25 Metern knapp über die Latte jagte - der Schlusspunkt eines Abends, der mehr Spannung als Taktikschule bot. "Wir haben das clever gespielt", meinte Reds-Trainer - der Name blieb im Jubel untergegangen, aber seine Stimme klang zufrieden. "Manchmal reicht ein bisschen französischer Charme und israelische Geduld." Babsi Klemm hingegen suchte nach Erklärungen: "Wir hatten genug Chancen, aber wenn du vorne so verschwenderisch bist und hinten schläfst, dann gewinnst du hier nichts." Sie lächelte dabei, als wüsste sie, dass ihre Mannschaft zumindest für Unterhaltung gesorgt hatte. Und so endete dieser 6. Spieltag der "1. Liga Israel" mit einem standesgemäßen Ergebnis: 2:1 (2:1). Kein Spektakel, aber ein ehrlicher Fußballabend mit zwei Toren, die man sich merken wird - besonders in Kiryat Shmona, wo man Beaumanoir wohl heute noch zum Abendessen eingeladen hat. Oder wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Zweimal Patrick, einmal Sieg - das ist unser Rezept!" Vielleicht kein taktisches Meisterwerk, aber ganz sicher ein poetischer Schlusspunkt für ein Spiel, das genau das war, was Fußball manchmal sein sollte: unvernünftig, wild, und einfach schön. 26.07.643990 20:28 |
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Olaf Thon