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Bedford Town überrollt Gillingham - und das schon zur Halbzeit

Es war ein frostiger Samstagabend in Gillingham, aber die 3.135 Zuschauer im Priestfield Stadium dürften sich schnell aufgewärmt haben - wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Bedford Town startete in die neue Saison der 4. Liga England (1. Div) mit einem 4:2-Auswärtssieg, der nach 45 Minuten praktisch entschieden war.

Trainer Ozi Star von Gillingham stand in der Coaching-Zone, die Hände tief in den Manteltaschen, und murmelte etwas, das nach "Das kann doch nicht wahr sein" klang. Nach 35 Minuten hatte seine Mannschaft bereits vier Gegentore kassiert, und Bedford Town spielte, als wäre das hier kein Auftaktspiel, sondern ein Pokalfinale.

Dabei begann alles harmlos. Bis zur 7. Minute - dann landete der Ball plötzlich im Netz. Rechtsverteidiger Rui Galindo, sonst eher fürs Grätschen zuständig, zog einfach mal ab. Der Ball senkte sich über Torhüter Emmanouil Ioannidis hinweg ins Eck. "Eigentlich wollte ich flanken", grinste Galindo später. "Aber manchmal muss man dem Zufall auch mal das Vertrauen schenken."

Nur drei Minuten später wiederholte sich das Spektakel: Edward Cort, der linke Mittelfeldmann mit der Präzision eines Uhrmachers, schlenzte den Ball nach Vorarbeit von Alejandro Velez ins Netz. 2:0 - und Gillingham wusste gar nicht, wie ihm geschah. Bedford-Coach Thomas Vogel kommentierte trocken: "Wir wollten früh Druck machen. Dass das so gut klappt, war fast schon unhöflich."

Und Bedford machte weiter. In der 24. Minute durfte dann Vorbereiter Velez selbst jubeln. Nach tollem Doppelpass mit Tobias Brand jagte er den Ball flach ins lange Eck. 3:0 - und auf den Rängen begann man, sich besorgt umzusehen. "Ich dachte, das ist ein Déjà-vu", sagte ein Gillingham-Fan, "aber es war einfach nur schlecht."

Erst in der 32. Minute regte sich Widerstand. Der junge Paulo Frechaut, 19 Jahre alt und offenbar der Einzige mit ungebrochenem Glauben, verkürzte nach schöner Vorarbeit von Tyler Winston auf 1:3. Ein Hoffnungsschimmer, der allerdings nur drei Minuten hielt. Denn Joseph Marceau, Bedfords quirliger Linksaußen, besiegelte mit seinem Treffer zum 4:1 noch vor der Pause die Vorentscheidung. Galindo, der bereits getroffen hatte, legte diesmal auf - offenbar hatte Bedford einen Lauf, bei dem selbst die Abwehrspieler zu Spielmachern mutierten.

"Ich hab in der Kabine gesagt: Wir fangen jetzt nochmal bei null an", erzählte Ozi Star später. "Dummerweise hat Bedford das wohl auch gedacht." Doch in der zweiten Halbzeit passierte - nichts. Zumindest nichts, was das Ergebnis verändert hätte. Bedford verwaltete, Gillingham kämpfte, und die Zuschauer wechselten von Verzweiflung zu Galgenhumor.

Einmal wurde es noch laut, als Gillinghams Verteidiger Elmo Bushnell in der 89. Minute tatsächlich traf - nach einem präzisen Pass von Adam Payne. Der rechte Außenverteidiger stürmte über seine Seite, als ginge es um sein Leben, und schob den Ball überlegt ein. 2:4 - die Fans applaudierten, nicht aus Hoffnung, sondern aus Dankbarkeit, dass es kein Debakel größeren Ausmaßes wurde.

Statistisch gesehen war das Spiel weniger eindeutig, als das Ergebnis vermuten lässt. Bedford hatte 52 Prozent Ballbesitz und elf Torschüsse, Gillingham kam immerhin auf sechs. Doch die Effizienz der Gäste war gnadenlos. "Manchmal geht jeder Schuss rein", lachte Bedford-Stürmer Leon Neville, der zwar kein Tor erzielte, aber an mehreren Treffern beteiligt war. "Und manchmal steht man wie ein Verkehrsschild daneben."

Die Gelbe Karte des Abends ging an eben jenen Galindo - wohl aus purer Langeweile nach all dem Jubel. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch defensiv kann", meinte er mit einem Augenzwinkern.

So blieb es beim 4:2-Endstand für Bedford Town, die sich mit einer beeindruckenden Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und taktischer Disziplin in die Saison katapultierten. Gillingham dagegen muss sich fragen, wie man innerhalb von 35 Minuten so viele Lücken reißen kann, dass selbst der Gegner staunt.

"Wir haben Lehrgeld gezahlt", gab Trainer Star zu. "Aber wenigstens war’s kein Monopolgeld."

Und so verließ man das Stadion mit gemischten Gefühlen. Bedford feierte, Gillingham schwor sich Besserung. Und irgendwo in den Katakomben summte ein Ordner leise: "Immerhin haben wir das schönste Tor des Abends gemacht." Sarkasmus als letzte Verteidigungslinie - typisch englischer Fußball.

09.06.643990 10:20
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