Sporski Journal
+++ Sportzeitung für Serbien +++

Belgrad verzweifelt, Lucani lacht - ein 2:2, das keiner so recht fassen kann

Wenn 38.707 Zuschauer an einem frostigen Januarabend in Lucani Fußball sehen wollen, dann bekommen sie meistens eines: Drama mit Beilage. Das 2:2 zwischen Mlados Lucani und Crvena Zvezda Belgrad am 9. Spieltag der serbischen Superliga war da keine Ausnahme - ein Spiel, das irgendwo zwischen heroischer Abwehrschlacht, Slapstick und taktischem Schach pendelte.

Dabei hatte alles so begonnen, wie man es erwartet, wenn der große Rote Stern beim kleinen Mlados auftritt: Offensivfeuerwerk, Ballbesitz, Pressing - und ein früher Treffer. In der 14. Minute drosch John MacLaren, der pfeilschnelle Rechtsaußen aus Glasgow, den Ball nach einem butterweichen Zuspiel von Dusko Drageljevic trocken ins rechte Eck. 1:0 für Belgrad, und Trainer Don Dirigente grinste da noch zufrieden. "Genau so haben wir das einstudiert - einmal durchatmen, dann Vollgas", sagte er später mit einem Gesicht, das andeutete, dass er es eigentlich ganz anders gemeint hatte.

Doch Mlados Lucani wäre nicht Mlados Lucani, wenn sie sich einfach ergeben würden. Mit 52 Prozent Ballbesitz und einer erstaunlichen Ruhe am Ball hielten sie dagegen. In Minute 26 schlug die Stunde des jungen Heinrich Reichert. Der 21-Jährige, sonst eher für Sprintduelle als für Tore zuständig, verwertete eine Flanke von Jakob Naumann per Direktabnahme - 1:1. "Ich hab einfach draufgehauen. Der Ball hat sich entschieden, reinzugehen", grinste Reichert hinterher.

Die Partie blieb wild, die Zuschauer feierten jede gelungene Grätsche, als ginge es um die Meisterschaft. Owen Darabont sammelte in der 40. Minute eine Gelbe Karte, die eher an ein Souvenir erinnerte, während Belgrads Teenager Sreto Pantelic gleich im nächsten Angriff nachzog - ebenfalls Gelb. Es war ein Spiel, in dem die Emotionen hochkochten, aber nie in reine Härte abrutschten.

Nach der Pause kam Mlados mit frischem Mut und frischen Kräften. Trainer Du Dado hatte zur Halbzeit doppelt gewechselt, und der Plan ging auf. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff schob Gökhan Aybaba den Ball überlegt nach feinem Zuspiel von Noe Postiga ins Netz - 2:1 für Lucani! Der kleine Klub aus Westserbien führte gegen den Riesen aus Belgrad, und das Stadion bebte.

Belgrad antwortete mit Wut, Stolz und 17 Torschüssen insgesamt. Lucani hatte gerade mal vier - aber wer zählt das schon, wenn man führt? Immer wieder prügelte Zvezda den Ball auf das Tor von Goran Dukic, der mit Katzenreflexen und einem Hauch Wahnsinn alles hielt, was kam. "Ich hatte das Gefühl, die schießen auch vom Parkplatz aus", meinte der Torwart lachend.

Doch irgendwann war der Druck zu groß. In der 71. Minute passte der eingewechselte Pau Dieguez mustergültig zu Herman Abramson, der aus 16 Metern trocken abschloss - 2:2. "Wenn du 15 Mal schießt und einmal triffst, ist das immerhin Effizienz", murmelte Abramson später halb ironisch.

Danach wurde es ruppig. Luke Featherstone, eben erst verwarnt, sah in der 89. Minute Rot, nachdem er den flinken Naumann etwas zu beherzt vom Ball trennte. "Ich hab nur den Ball gesehen", beteuerte er, während seine Mitspieler ihn vom Platz eskortierten. Trainer Dirigente knurrte: "Wenn er das nächste Mal den Ball sieht, soll er ihm zuwinken, nicht umgrätschen."

Die letzten Minuten spielte Belgrad mit zehn Mann, rannte verzweifelt an, während Mlados auf Konter lauerte. Doch der Lucky Punch blieb aus - und so endete dieses hitzige Duell mit einem 2:2, das sich für die einen wie ein Sieg, für die anderen wie eine Niederlage anfühlte.

Statistisch gesehen war Zvezda haushoch überlegen: 17 Torschüsse zu 4, 56 Prozent Zweikampfquote - und trotzdem nur ein Punkt. Mlados Lucani hingegen bewies, dass Mut, Organisation und ein bisschen Glück manchmal mehr zählen als jede Excel-Tabelle.

"Ich bin stolz auf meine Jungs", sagte Trainer Du Dado nach dem Schlusspfiff. "Wir haben gezeigt, dass man auch mit kleinerem Budget großes Herz haben kann." Don Dirigente dagegen schaute in die kalte Nacht und meinte trocken: "Wenn Leidenschaft Tore wäre, hätten wir 5:0 gewonnen."

So blieb es beim 2:2 - ein Ergebnis, das die Tabellenrechner freut, die Romantiker entzückt und die Fans beider Lager mit heiserer Stimme nach Hause schickt. Und irgendwo in Lucani summt man wohl noch immer: Gegen den Großen kann man schon mal groß aufspielen.

21.04.643987 20:59
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Ich kann nicht mehr als schießen. Außerdem standen da 40 Leute auf der Linie.
Toni Polster über eine vergebene Torchance
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