Tuttosport
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Beltrame trifft - und Como tanzt: 2:2 im Lago-Märchen gegen Pro Vercelli

Ein lauer Aprilabend am Comer See, 38.854 Zuschauer, ein Stadion in Erwartung - und am Ende ein Remis, das keiner so recht einordnen konnte: Como und Pro Vercelli trennten sich am 32. Spieltag der 2. Liga Italien mit 2:2. Ein Ergebnis, das so wechselhaft war wie das Wetter am Seeufer - sonnig, stürmisch, und am Ende irgendwie versöhnlich.

Schon nach zwei Minuten der erste Donnerschlag - allerdings vom Schiedsrichter. Lukas Lee von Pro Vercelli sah früh Gelb, offenbar ein Zeichen, dass er den Begriff "körperbetont" etwas zu wörtlich ausgelegt hatte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", erklärte Lee später mit einem Grinsen, das mehr Reue als Überzeugung verriet.

In der 17. Minute dann der erste echte Treffer: Domenico Torano, der rechte Wirbelwind der Gäste, verwandelte eine mustergültige Vorlage von Luigi Venditti zum 0:1. Trainer Tominho Niruak sprang jubelnd an die Seitenlinie, als hätte er gerade das Champions-League-Finale gewonnen. "Das war genau das, was wir trainiert haben - einmal in der Woche, vielleicht", witzelte er später.

Doch Como ließ sich nicht lange bitten. Acht Minuten nach dem Rückstand bediente Mittelfeldmotor Jörn Bendtsen den erst 17-jährigen Maurizio Beltrame, der mit der Coolness eines Routiniers zum 1:1 einschob. Der Teenager riss die Arme hoch, die Kurve tobte, und Trainer Peter Hess rief ihm zu: "Jetzt bleib auf dem Boden, Junge - aber nur bildlich!"

Nur eine Minute später drehte Como das Spiel: Lorenzo Pinna, 19 Jahre jung, traf nach Zuspiel von Franck Berthier zum 2:1. Zwei Tore in zwei Minuten - die Fans schauten sich ungläubig an, als wollten sie fragen: "Das ist wirklich unser Como?"

Doch weil Fußball selten eine romantische Geschichte ohne Rückschlag ist, kam Pro Vercelli kurz vor der Pause zurück. In der 45. Minute zirkelte Stefan Jelic einen Ball ins Netz, nachdem Joao Vidigal den Angriff clever eingeleitet hatte. 2:2 - Halbzeit. Und man hatte das Gefühl, dass beide Teams in der Kabine erstmal tief durchatmen mussten.

Nach dem Seitenwechsel flachte das Spiel ab. Vielleicht, weil beide Trainer erkannt hatten, dass man nicht 90 Minuten lang so chaotisch und mit offenem Visier spielen kann. Pro Vercelli hatte mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, Como dafür mehr Torschüsse - 11 zu 9. Eine dieser seltenen Statistiken, die den Eindruck auf der Tribüne tatsächlich widerspiegelten: Beide wollten, keiner konnte richtig.

Die zweite Halbzeit brachte eher taktische Scharmützel als große Chancen. Niruak wechselte früh: In der 55. Minute kam Gustav Larsson für den verwarnten Lee, später folgten Riley Kirkwood und Manuel Santoro. Hess reagierte in der 75. Minute doppelt und brachte den erfahrenen Yaman Öztürk sowie Fabio Oliveira. "Wir mussten frischen Wind reinbringen", sagte Hess, "auch wenn der Wind vom See manchmal schon reicht."

Öztürk hatte in der Nachspielzeit noch eine feine Gelegenheit, als er in der 92. Minute einen Schuss aufs Tor brachte - doch Giorgios Cosenza im Kasten von Pro Vercelli war zur Stelle. Danach war Schluss, und der Schiedsrichter beendete ein Spiel, das bei allen Fehlern und Wendungen eines sicher war: unterhaltsam.

Nach dem Abpfiff standen beide Trainer Arm in Arm am Spielfeldrand, als wollten sie sagen: "Na gut, das war’s dann wohl." Niruak meinte schmunzelnd: "Ein Punkt am Comer See - das ist besser als ein Punkt im Nebel von Vercelli." Hess hingegen sah es pragmatischer: "Wenn du zweimal führst und zweimal den Ausgleich kassierst, fühlst du dich wie nach einem schlechten Date - du weißt, es war nicht ganz schlecht, aber eben auch nicht das, was du wolltest."

Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus. Vielleicht, weil sie spürten, dass hier zwei junge Spieler - Beltrame und Pinna - ein Stück Zukunft zeigten. Oder weil sie einfach zufrieden waren mit einem lauen Fußballabend, an dem niemand frieren musste.

Am Ende blieb ein 2:2, das völlig verdient war. Pro Vercelli spielte diszipliniert, Como kämpfte leidenschaftlich, und beide bewiesen, dass man in der 2. Liga auch ohne Starensemble großartige Unterhaltung bieten kann.

Und während der See im Abendlicht glitzerte, sagte ein älterer Fan auf der Tribüne leise zu seinem Enkel: "Siehst du, Junge, manchmal ist ein Unentschieden schöner als ein Sieg." Der Kleine nickte - und tippte mit dem Plastikbecher an. In Como weiß man eben, wie man selbst ein Remis feiert.

23.01.643997 11:48
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Was soll man schon erwarten? Der hat früher immer Dynamo Ost-Berlin zum Titel gepfiffen.
Otto Rehhagel über einen Schiedsrichter
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