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Es war ein Abend, an dem das St. Mary’s Stadium bebte - und zwar bis in die letzten Sekunden. 59.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war: Der FC Southampton gewann mit 4:3 gegen Barrow AFC, ein Ergebnis, das so absurd wie gerecht wirkte. Barrow begann wie eine Mannschaft, die keine Angst kennt. Nach nur 19 Minuten brachte Innenverteidiger Henri Pienaar - ja, der Innenverteidiger! - die Gäste nach einer Ecke in Führung. "Ich hab einfach mal draufgehalten, und plötzlich war der Ball drin", grinste Pienaar später, während sein Trainer Ingo Königs leicht die Stirn runzelte. "Ich hatte eigentlich gesagt: hinten bleiben." Southampton wirkte kurz geschockt, aber nicht gelähmt. In der 34. Minute fasste sich Rechtsverteidiger Leo Broderick ein Herz - oder wie Trainer Michael Böning später sagte: "Er hat einfach vergessen, dass er kein Stürmer ist." Broderick drosch den Ball nach Pass von Billy Benett aus 20 Metern unter die Latte - 1:1. Nur sechs Minuten später war es dann Gabriel Nilsson, der nach einem butterweichen Zuspiel von Benett die Führung erzielte (40.). Der Schwede zeigte danach einen Jubel, der irgendwo zwischen Erleichterung und Tanzübung lag. "Ich wollte eigentlich nur meine Schnürsenkel zeigen", witzelte er hinterher. Mit 2:1 ging’s in die Pause, und obwohl Barrow mehr Ballbesitz hatte (54 Prozent) und mehr Torschüsse (15 zu 11), wirkte Southampton zielstrebiger. Aber Barrow wäre nicht Barrow, wenn sie sich so leicht geschlagen geben würden. Direkt nach Wiederanpfiff (48.) glich Rui Eusebio - der Name verpflichtet - nach feinem Zuspiel von Oliver Ireland zum 2:2 aus. Das Spiel kippte nun hin und her, wie ein schlecht gesicherter Bierbecher auf der Tribüne. Southampton wechselte in der 60. Minute doppelt, brachte Meir Pizanti und Jan Ovesen für frische Flügel. Doch Barrow traf erneut: Owen Gage nutzte in der 72. Minute eine Unachtsamkeit der Abwehr und schob zum 3:2 für die Gäste ein. Trainer Böning an der Seitenlinie war außer sich: "Ich hab kurz überlegt, selbst einzulaufen." Stattdessen stellte er auf volles Risiko um - offensiv, Pressing auf Anschlag, alles nach vorn. Und dann kam Billy Benett. Der 24-jährige Flügelflitzer, schon an zwei Treffern beteiligt und mit Gelb vorbelastet, wurde in der 93. Minute zum Helden des Abends. Nach einer Ecke von Kai Peter stocherte Benett den Ball über die Linie - 3:3. Das Stadion explodierte. Und während Barrow noch mit dem Kopf schüttelte, dachte Benett: Warum nicht gleich nochmal? Eine Minute später, 94., ein Distanzschuss aus 18 Metern, halb Volley, halb Wahnsinn - 4:3. "Ich weiß ehrlich nicht, wie der reingeht", lachte Benett nach dem Spiel. "Ich hab einfach draufgehalten - vielleicht war’s der Rasen, vielleicht der liebe Fußballgott." Barrow-Trainer Königs sah es gelassen: "Wenn du in der 93. führst und trotzdem verlierst, kannst du nur noch ein Bier trinken. Oder zwei." Statistisch hätte Barrow mehr verdient gehabt: 15 Torschüsse, mehr Ballbesitz, eine ordentliche Passquote. Aber Southampton zeigte, dass Wille und Timing manchmal wichtiger sind als jede Statistik. In der Kabine nach dem Spiel soll Trainer Böning seine Spieler gefragt haben: "Warum einfach, wenn’s auch spektakulär geht?" - und keiner widersprach. Leo Broderick grinste beim Rausgehen: "Wir hätten’s auch in der 70. klar machen können, aber das wäre ja langweilig gewesen." Und so bleibt dieses 4:3 ein Spiel für die Geschichtsbücher - ein wilder, chaotischer, wunderschöner Fußballabend, an dem sich ein junger Mittelfeldspieler namens Billy Benett ein Denkmal schoss. Ein Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer zu früh jubelt, verliert. Wer bis zur 94. Minute glaubt, dass noch was geht - der ist wahrscheinlich beim FC Southampton. 03.09.644000 20:50 |
Sprücheklopfer
Bedanken möchten wir uns auch bei den Fans, auf denen wir uns immer verlassen konnten.
Andreas Brehme