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Bjorklund trifft früh - Borussia Emsdetten ringt Neitersen mit 1:0 nieder

Ein Montagabendspiel in der Verbandsliga J klingt selten nach Glamour, aber was Borussia Emsdetten und die Gäste aus Neitersen den 2342 Zuschauern im Stadion boten, war ehrlicher Arbeiterfußball - inklusive Schweiß, Krampf, einem blauen Auge und einer Portion jugendlichem Übermut. Am Ende stand ein schmales, aber verdientes 1:0 für die heimische Borussia, die sich damit in der Tabelle weiter oben festbeißt.

Der entscheidende Moment ereignete sich früh: In der 11. Minute zog Valter Bjorklund, der blonde Taktgeber im Mittelfeld, beherzt aus gut 20 Metern ab. Der Ball, leicht abgefälscht, zappelte im Netz - und die Emsdettener jubelten, als hätte man gerade den Aufstieg klargemacht. Zuvor hatte Janis Walther auf der linken Seite mit feiner Übersicht den Pass in den Rückraum gespielt, was Trainer Nico Wolf später trocken kommentierte: "Das war kein Zufall. Janis hat endlich mal hingeschaut, bevor er flankt."

Danach war Borussia Emsdetten klar spielbestimmend. 61 Prozent Ballbesitz und ganze 20 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Vicente Jorge, der erst 19-jährige Mittelstürmer, versuchte es immer wieder - mal per Kopf, mal artistisch per Fallrückzieher, mal einfach mit jugendlicher Naivität. Einmal rauschte der Ball so knapp am Pfosten vorbei, dass die Eckfahne vor Schreck wackelte. "Ich dachte, der geht rein", grinste Jorge nach dem Spiel, "aber dann hab ich gemerkt, dass ich den Fuß gar nicht getroffen hab."

Neitersen dagegen kam kaum in Tritt. Nur drei Schüsse aufs Tor, meist aus der Distanz. Das lag weniger an mangelndem Willen als an Emsdettens kompakter Defensive, die fast schon stoisch die Räume verdichtete. Bjorklund, Walther und der junge Xabi Panero kontrollierten das Zentrum, während hinten die Teenager-Erfahrung von Erik Böhme (17!) und Georgi Hubtschew (18) erstaunlich abgeklärt wirkte.

Kurz vor der Pause dann der Schreckmoment für Neitersen: Stürmer Michael Stock verletzte sich bei einem Sprintduell, blieb liegen und musste ausgewechselt werden. Sein Trainer, der namentlich nicht genannt werden wollte, murmelte nur: "Das war wohl ein Muskel, vielleicht auch der Stolz." Für ihn kam Knut Beyer, der sich bemühte, aber im Offensivnebel der Gäste kaum zu finden war.

In der zweiten Halbzeit zog sich Emsdetten etwas zurück - ob aus taktischer Vernunft oder aus Angst vor der eigenen Courage, bleibt offen. Wolf dirigierte von der Seitenlinie wie ein Dirigent, der seiner Kapelle nicht ganz traut. "Ich hab ihnen gesagt: Wir spielen defensiv stabil", erklärte er später, "aber anscheinend haben sie nur das Wort ’defensiv’ gehört."

Neitersen witterte seine Chance und kam tatsächlich in der 72. Minute zu einer ordentlichen Gelegenheit. Bernt Keller zog aus 20 Metern ab, doch Keeper Humberto Pauleta - nein, nicht der portugiesische Torjäger, sondern sein Namensvetter aus Emsdetten - fischte den Ball mit einer Flugeinlage aus dem Winkel. Ein Raunen ging durchs Stadion, gefolgt von spontanem Applaus.

Danach war wieder Emsdetten am Drücker. Janis Walther prüfte den gegnerischen Torwart Mike Römer gleich mehrfach, Erik Böhme schoss zweimal aus der zweiten Reihe - ohne Fortune, aber mit jugendlicher Unbekümmertheit. Als Vicente Jorge in der 90. Minute noch einmal frei zum Schuss kam, sprang die Kugel vom Schienbein in die Wolken. Trainer Wolf fasste es mit einem Seufzer zusammen: "Wenn Vicente so weitermacht, trifft er irgendwann einen Satelliten."

So blieb es beim 1:0, das auf dem Papier knapp, in Wahrheit aber deutlich war. 20 zu 3 Torschüsse, ein Zweikampfwert von 56 Prozent und eine Passquote, die sogar in höheren Ligen Respekt verdient hätte - Emsdetten hatte das Spiel im Griff, auch wenn man aus der Überlegenheit kein zweites Tor machte.

Nach dem Schlusspfiff jubelte die Mannschaft ausgelassen, während Neitersen sich mit stoischem Gleichmut verabschiedete. "Manchmal reicht ein Tor, um eine ganze Busfahrt lang zu schweigen", meinte ein sarkastischer Ersatzspieler der Gäste am Rande.

Emsdettens Fans sangen noch lange nach dem Abpfiff, während Bjorklund mit einer Cola in der Hand in die Nordkurve winkte. Ein unscheinbarer Montagabend in der Verbandsliga - und doch einer jener Spiele, die man nicht vergisst, weil sie zeigen, dass Fußball auch ohne Glanz großartig sein kann: laut, ehrlich, und manchmal eben 1:0.

18.09.643996 06:43
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Rainer Calmund
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