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Es gibt Fußballspiele, die sich anfühlen, als hätten sie 90 Minuten dramaturgisch perfekt geprobt - und dann gibt es jene, die schon in der ersten Minute alles erzählen, was sie zu sagen haben. Borussia Emsdetten gegen den FC Sonthofen war so eines. 2443 Zuschauer im Emsdettener Stadion sahen am Mittwochabend ein 1:0, das in seiner minimalistischen Klarheit fast schon poetisch war - zumindest, wenn man auf der Seite der Borussia stand. Denn kaum hatte Schiedsrichter Meier den Ball freigegeben, zappelte er auch schon im Netz der Gäste. Valter Bjorklund, der zentrale Mittelfeldmotor der Emsdettener, nahm einen Pass des jungen Vicente Jorge auf, zog aus gut 20 Metern einfach mal ab - und traf. 1:0 nach 50 Sekunden. "Ich wollte eigentlich nur den Ball halten, aber dann dachte ich: Warum nicht?", grinste Bjorklund nach dem Spiel. Ein Tor, das für die restlichen 89 Minuten Maßstab und Bürde zugleich wurde. Was danach kam, war eine Lehrstunde in verpassten Chancen. Borussia Emsdetten stürmte, kombinierte, flankte - und scheiterte. 19 Schüsse aufs Tor, ein Treffer. Sonthofen dagegen brachte es auf einen einzigen Torschuss, in der 59. Minute durch Claude Desjardins, der aber mehr ein höflicher Hinweis an Torwart Humberto Pauleta war, dass er auch noch da ist. "Der Ball war nett", witzelte Pauleta später, "aber ich musste mir nicht mal die Handschuhe schmutzig machen." Trainer Nico Wolf wirkte nach dem Schlusspfiff trotzdem zufrieden - zumindest nach außen. "Das war kontrolliert, diszipliniert, defensiv stabil", sagte er, und man konnte fast meinen, er habe gerade ein 3:0 gesehen. Dann fügte er hinzu: "Wir hätten das zweite Tor machen müssen, aber manchmal reicht eben auch eins." Das reichte tatsächlich, denn Sonthofen fand über die gesamte Spielzeit kaum statt. Ihr Trainer - der sich nach dem Spiel nur kurz äußern wollte - murmelte etwas von "fehlender Galligkeit" und "fehlenden Räumen". Übersetzt: Seine Mannschaft war körperlich anwesend, geistig aber offenbar noch auf der Anreise. Emsdetten dagegen spielte mit jugendlichem Elan. Ganze sieben Spieler im Teenageralter standen auf dem Platz, darunter der erst 18-jährige Danilo Perri, der in der zweiten Halbzeit für den unermüdlichen Jorge kam. Perri schoss in der 61. und 74. Minute aufs Tor, beide Male knapp vorbei. Nach dem Spiel sagte er lachend: "Ich hab den Pfosten getroffen - also fast getroffen. Na ja, das Gras war schuld." Statistisch war das Spiel eine einseitige Angelegenheit: 59 Prozent Ballbesitz für Emsdetten, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 19:1 Torschüsse. Nur beim Toreschießen blieb die Borussia sparsam. In der 68. Minute prüfte Humberto Futre erneut Sonthofens Torhüter Patrick Block, der an diesem Abend sein Team vor einer höheren Niederlage bewahrte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", stöhnte Block, "aber ich glaub, ich hab mehr Bälle gefangen als im letzten Monat." Taktisch blieb Emsdetten, trotz des frühen Treffers, überraschend defensiv ausgerichtet. Kein Pressing, kein wildes Anrennen - einfach geduldiges Ballhalten, als wollten sie den Gegner in den Schlaf wiegen. Und tatsächlich: Ab der 70. Minute wirkte Sonthofen so schläfrig, dass selbst der Linienrichter einmal gähnte. Die letzte Szene des Spiels gehörte wieder Emsdetten. In der 93. Minute zirkelte Futre noch einmal einen Schuss aufs Tor - Block parierte glänzend. Trainer Wolf drehte sich danach zu seinem Co-Trainer und sagte trocken: "Wenn wir noch 20 Minuten spielen, steht’s vielleicht 2:0." Doch das brauchte es nicht. Der frühe Treffer von Bjorklund blieb das goldene Tor des Abends - und bescherte Borussia Emsdetten drei Punkte, mit denen sie sich in der oberen Tabellenhälfte der Verbandsliga J festsetzen. "Manchmal", so kommentierte Kapitän Xabi Panero später mit einem Augenzwinkern, "muss man einfach früher Feierabend machen. Wir haben das Tor gemacht und danach die Rasenpflege übernommen." Ein verdienter Sieg, ein minimalistisches Kunstwerk und ein Lehrbeispiel dafür, dass Fußball nicht immer gerecht, aber manchmal erstaunlich einfach ist: Ein Tor schießen, keines kassieren - fertig. Und irgendwo in Sonthofen träumt man nun davon, beim nächsten Mal wenigstens zwei Schüsse aufs Tor zu bringen. Ein Anfang wäre das ja. 22.07.643996 05:54 |
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