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BKS Gdansk dreht das Spiel - jung, wild und ein bisschen verrückt

Ekstraklasa | 2. Spieltag | 06.07.26 | BKS Gdansk - Rush Chorzow 2:1

Es war einer dieser Abende im Juli, an denen das Meer nach Salz, der Rasen nach Hoffnung und das Stadion nach Bratwurst roch. 36.079 Zuschauer in Gdansk sahen beim 2. Spieltag der Ekstraklasa ein Fußballspiel, das all das bot, was man zwischen Euphorie und Nervenzusammenbruch verorten kann. BKS Gdansk gewann 2:1 (0:1) gegen Rush Chorzow - und bewies, dass jugendlicher Übermut manchmal einfach mehr Wucht hat als taktische Disziplin.

Trainer Mike Matt, ein Mann, der seine Kaffeetasse offenbar mit Adrenalin füllt, hatte seine Elf offensiv eingestellt. "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können - nicht nur verteidigen", sagte er hinterher mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Erstaunen schwankte. Und tatsächlich: Schon nach vier Minuten prüfte Sergio Galan den Gästetorwart mit einem satten Schuss. Doch die Führung fiel auf der anderen Seite - und das früh.

In der 15. Minute schaltete Rush Chorzow blitzschnell um. Kacper Bosacki steckte durch auf den 18-jährigen Mariusz Adamczuk, der mit erstaunlicher Coolness einschob - 0:1. "Ich dachte, ich träume", meinte der junge Stürmer später, "aber dann hab ich gemerkt, dass alle auf mich draufspringen." Es war das erste Saisontor des Teenagers, und für 30 Minuten sah es so aus, als würde Chorzow den Abend kontrollieren.

BKS Gdansk hingegen stolperte in der ersten Halbzeit zwischen Pech und Planlosigkeit. Als dann auch noch Wladimir Jelen in der 41. Minute verletzt vom Platz musste, schien der Abend endgültig in Richtung der Gäste zu kippen. Ersatzmann Severin Kosowski kam, und Trainer Matt brüllte ihm zu: "Mach’s besser als der Physio!" - ein Satz, der immerhin für Schmunzeln auf der Bank sorgte.

Rush Chorzow, von Trainer Herth Ussia gewohnt kontrolliert dirigiert, hatte bis zur Pause mehr Ballbesitz (55 Prozent) und mehr Torschüsse (13 zu 8 insgesamt). Doch das Spiel blieb offen. "Wir hätten nachlegen müssen", knurrte Ussia später. "Aber wir haben den Gegner leben lassen - und er hat sich bedankt."

Nach dem Seitenwechsel drehte Gdansk auf. Der 19-jährige Jerzy Klose - nein, keine Verwandtschaft mit dem berühmten Namensvetter, aber mit ähnlichem Torriecher - brachte die Gastgeber in der 64. Minute zurück ins Spiel. Nach einem beherzten Lauf von Linksverteidiger Filip Blaszczykowski hielt Klose einfach den Fuß hin: 1:1. Das Stadion explodierte, und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Fan gerufen haben: "Jetzt geht’s los, Jungs, jetzt geht’s los!" - und diesmal hatte er recht.

Nur neun Minuten später folgte der Moment, der in Gdansk wohl noch ein paar Tage in den Kneipen diskutiert wird. Klose, beflügelt vom Ausgleich, legte quer zu Sebastian Mencel, der aus 16 Metern trocken abzog - 2:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Mencel später. "Wenn ich drüber gehauen hätte, wär’s halt Eckfahne gewesen." Glücklicherweise war’s kein Eckfahnentreffer, sondern der Siegtreffer.

Rush Chorzow versuchte anschließend alles. Trainer Ussia brachte frische Kräfte, stellte auf aggressives Pressing um und ließ seine Jungs bis zur 90. Minute anlaufen. Doch BKS verteidigte mit Leidenschaft und gelegentlich mit einer Portion Chaos. Torwart Logan Poe, der Name ist Programm, rettete in der Nachspielzeit mit einer Flugeinlage, die mehr nach Literaturpreis als nach Torwartschule aussah.

Am Ende stand es 2:1 - ein Sieg, der nicht nur drei Punkte, sondern auch die Herzen der Zuschauer brachte. "Das war wild, das war schmutzig, aber das war unser Fußball", fasste Trainer Matt zusammen. Kapitän Galan nickte und fügte hinzu: "Wir sind jung, wir machen Fehler - aber wenigstens machen wir sie mit Stil."

Rush Chorzow dagegen musste sich an die eigene Nase fassen. "Wir haben zu lange schön gespielt", meinte Ussia, "und vergessen, dass Schönheit allein keine Punkte bringt." Ein Satz, der vermutlich am Montag in der Kabine noch einmal Thema wird.

Statistisch gesehen hätte Chorzow das Spiel vielleicht gewinnen müssen, aber Fußball ist bekanntlich kein Statistik-Seminar. Gdansk hatte zwar weniger Ballbesitz (44,8 Prozent), nutzte aber seine Chancen effizienter. Und manchmal ist genau das der Unterschied zwischen Ärger und Ekstase.

Im Stadion blieb nach Abpfiff noch lange der Klang des Jubels hängen. Ein paar Kinder kletterten über die Banden, um Autogramme zu ergattern. Einer rief zu Jerzy Klose: "Du bist unser Held!" - und der grinste verlegen, als wäre er sich selbst nicht ganz sicher, ob das gerade wirklich passiert ist.

So endete ein Abend, der zeigte, dass Fußball in Gdansk mehr ist als Taktik und Tabellenplätze: Es ist ein bisschen Wahnsinn, ein bisschen Herzklopfen - und manchmal einfach nur schön, wenn der Ball endlich reinfällt.

07.07.2026 15:44
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