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BKS Gdansk überrollt Sleza Wroclaw - 4:0 und noch Luft nach oben

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Gegner überhaupt den Weg ins Stadion gefunden hat. 30.337 Zuschauer in Gdansk sahen am Samstagabend ein 4:0 der Heimmannschaft gegen ein Sleza Wroclaw, das so harmlos wirkte wie ein zahnloser Tiger im Streichelzoo. Die Anzeigetafel sagte am Ende alles - und doch war das Spiel eine Geschichte für sich.

Von der ersten Minute an trommelte BKS Gdansk nach vorne, als hätte Trainer Mike Matt seinen Jungs verboten, rückwärts zu laufen. Schon nach zwei Minuten prüfte Daniel Jelen den gegnerischen Keeper, der an diesem Abend mehr Bälle sah als so mancher Zuschauer sein Bier. Dann kam die 15. Minute: Severin Kosowski, quirlig wie eh und je, legte quer auf den 19-jährigen Sebastian Mencel - und der drosch den Ball unter die Latte. 1:0, verdient, konsequent, ein Tor wie aus dem Lehrbuch. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Mencel später. "Trainer Matt sagt immer: Wer nicht schießt, trifft nie. Heute hab ich ihn mal wörtlich genommen."

Sleza Wroclaw? Nun ja, sie existierten. In der 22. Minute kam Grzegorz Mila einmal durch und zwang Torwart Jerzy Bak zu einer Parade - das war’s dann aber auch schon. Die Gäste wirkten, als hätten sie sich vorgenommen, Ballbesitz zu vermeiden. 58 Prozent Spielanteile für Gdansk sprechen Bände, und doch war’s auf dem Platz noch deutlicher.

In der 33. Minute folgte das nächste Kapitel des Gdansker Jugendromans: Der 17-jährige Linus Wojcicki, mit jugendlicher Unbekümmertheit und der Geschwindigkeit eines ICE, vollendete nach feiner Vorarbeit von - natürlich - Severin Kosowski. 2:0, und der Jubel im Stadion klang, als hätte halb Danzig eine neue Lieblingsband entdeckt. "Ich hab nicht viel nachgedacht", sagte Wojcicki später in die Mikrofone. "Ich wollte einfach Spaß haben - und Tore machen machen halt Spaß."

Zur Pause war die Partie im Grunde entschieden. Sleza-Trainer - dessen Name das Protokoll seltsamerweise verschluckt hat - schien in der Kabine eher Seelsorger als Taktiker zu sein. Auf dem Feld änderte sich wenig. BKS Gdansk blieb offensiv, blieb bissig, blieb einfach besser.

Nach einer Stunde brachte Mike Matt frische Beine: Marcel Bak kam für Wojcicki, Herman Kraft ersetzte Mencel. Und siehe da - kaum auf dem Platz, durften beide Joker glänzen. In der 70. Minute flankte Rechtsverteidiger Beniamin Szamotulski butterweich in den Strafraum, wo Bak den Ball per Direktabnahme ins Netz jagte. 3:0, der Drops war endgültig gelutscht. Drei Minuten später machte Herman Kraft das 4:0 - nach einem präzisen Steilpass von Innenverteidiger Grzegorz Wilczek. "Wenn der Innenverteidiger so einen Pass spielt, musst du einfach treffen", lachte Kraft.

Sleza Wroclaw war da längst nur noch Statist. Zwei kümmerliche Torschüsse, ein Ballbesitzwert, der nach Alibi aussieht, und in der 90. Minute noch eine Gelbe Karte für Mateusz Piechaczek - das war’s. Der Trainer verzichtete nach dem Abpfiff auf lange Erklärungen: "Wir waren nicht da. Punkt." Kurz und ehrlich.

Ganz anders die Stimmung bei BKS Gdansk. Mike Matt wirkte fast nachdenklich: "Wir haben viel richtig gemacht, aber noch nicht alles. Vier Tore sind schön, aber 23 Torschüsse bedeuten auch, dass wir 19 Chancen liegen lassen." Selbstkritik auf hohem Niveau - und ein kleiner Wink, dass diese Mannschaft noch Luft nach oben hat.

In der Mixed Zone wurde indes viel gelacht. Keeper Jerzy Bak, der nach 65 Minuten Platz für Mariusz Gorawski machte, scherzte: "Ich hab gefroren, also durfte der Kollege auch mal." Kosowski, der mit zwei Vorlagen glänzte, bekam von den Reportern den Spitznamen "Assistenz-Minister". Und der 17-jährige Wojcicki schrieb unter sein erstes Profi-Tor schlicht auf Instagram: "Erster Streich."

Für die Fans war’s ein Fest. Für Sleza Wroclaw ein Albtraum. Und für die Liga ein Signal: BKS Gdansk ist in dieser Form ein Aufstiegskandidat, den man ernst nehmen muss.

Am Ende blieb nur eine Frage offen: Warum hat BKS eigentlich das Pressing in der letzten Viertelstunde eingestellt? Trainer Matt lächelte: "Weil selbst wir irgendwann mal Feierabend machen müssen."

Ein Satz, der das Spiel perfekt zusammenfasst - Gdansk arbeitete sich in einen Rausch, Wroclaw schaute zu. Und als das Flutlicht erlosch, wusste jeder im Stadion: Das war nicht einfach ein 4:0. Das war eine Machtdemonstration.

14.05.643987 10:15
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