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BKS Gdansk zerlegt FC Jastrzebie - Fußballlehrstunde im Süden Polens

Ekstraklasa | 3. Spieltag | 07.07.26 | FC Jastrzebie - BKS Gdansk 1:5

Es war ein lauer Sommerabend in Jastrzebie, das Stadion gut gefüllt, 20.000 Zuschauer erwarteten zum dritten Spieltag der Ekstraklasa ein enges Duell. Am Ende aber stand auf der Anzeigetafel ein Resultat, das mehr nach Tennismatch klang als nach Fußball: 1:5 aus Sicht des FC Jastrzebie gegen ein entfesseltes BKS Gdansk.

Dabei begann alles recht verheißungsvoll für die Gastgeber. In der 19. Minute zirkelte Tom Vollmer, nach feinem Zuspiel von Evan Callahan, den Ball ins rechte Eck - 1:0! Die Tribünen bebten, die Fans sangen, Trainer und Spieler klatschten sich ab. "Da dachte ich, jetzt läuft’s", gestand Vollmer nach der Partie mit einem gequälten Lächeln. Doch das war’s dann auch schon mit der Herrlichkeit.

Was danach folgte, war ein Fußball-Orkan aus der Ostsee. Gdansk, mit einer geradezu übermütig offensiven Ausrichtung, drehte das Spiel noch vor der Pause. Erst traf Adam Wichniarek in der 43. Minute nach glänzender Vorlage von Sebastian Mencel, keine sechzig Sekunden später legte der 18-jährige Nachwuchsspielmacher Dawid Spizak mit einem trockenen Schuss aus 18 Metern nach. Zwei Tore binnen einer Minute - und plötzlich wirkte Jastrzebie so überrascht, als hätte jemand die Spielregeln geändert.

"Wir haben ihnen zu viel Platz gelassen, viel zu viel", seufzte Innenverteidiger Jelle Schoonvliet, der später auch noch Gelb sah. "Und die haben das gnadenlos ausgenutzt."

Gdansk-Coach Mike Matt, ein Mann mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters, stand derweil fast regungslos an der Seitenlinie. Nur ab und zu nickte er zufrieden, wenn seine Jungs wieder einmal die Jastrzebie-Abwehr auseinander kombinierten. "Wir wollten einfach Spaß haben", sagte er später trocken. "Und das hat man, wenn man Tore schießt."

Die zweite Halbzeit begann dann mit einem Schock für die Heimfans: Torwart Carl Baur musste nach einer Verletzung noch vor der Pause raus, Ersatzkeeper Karol Kryszalowicz kam - und wurde in den kommenden 45 Minuten zum meistbeschäftigten Mann auf dem Platz.

Denn Gdansk hatte Blut geleckt. Zwar gehörte Jastrzebie mit 57 Prozent Ballbesitz optisch das Spiel, doch Effizienz war an diesem Abend ein Fremdwort. Sieben Torschüsse brachte das Heimteam zustande, viele davon aus der Distanz, während die Gäste mit elf Versuchen fünfmal trafen - eine Quote, die jeden Analysten glücklich macht.

In der Schlussphase wurde es dann zur Lehrstunde. In der 81. Minute köpfte der junge Innenverteidiger Matthew Fouquet nach Flanke von Sergio Galan das 1:3. Eine Minute darauf revanchierte sich Galan selbst mit einem platzierten Schuss ins lange Eck - 1:4. Und weil es so schön war, durfte der 19-jährige Jurek Scherfke in der Nachspielzeit auch noch ran und setzte den Schlusspunkt zum 1:5, nach Vorarbeit des links aufgerückten Lukas Hawrylewicz.

"Ich hab’ zuerst gar nicht gemerkt, dass der Ball drin war", lachte Scherfke nach dem Spiel. "Aber dann hab ich nur noch Arme um mich gespürt."

Auch wenn die Zahlen eindeutig sind - 52,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fünf verschiedene Torschützen, keine rote Karte - war das Entscheidende an diesem Abend die Spielfreude der jungen Gdansker. Spieler wie Spizak, Fouquet und Scherfke wirkten, als hätten sie gerade erst begriffen, wie viel Spaß professioneller Fußball machen kann.

Jastrzebie hingegen wirkte zunehmend ratlos. Trainer und Spieler diskutierten an der Seitenlinie, während die Fans auf der Tribüne von "mehr Herz" und "weniger Querpass" sprachen. Nach dem Abpfiff stapfte Torwart Kryszalowicz mit hängenden Schultern Richtung Kabine. "Ich bin reingekommen, um zu helfen", meinte er bitter. "Aber bei fünf Gegentoren hilft nur noch der Psychologe."

Und so ging ein Abend zu Ende, der für BKS Gdansk zu einem rauschhaften Fest wurde - und für den FC Jastrzebie zu einer schmerzhaften Erinnerung daran, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt.

Vielleicht tröstet die Erkenntnis, dass man aus solchen Spielen lernt. Vielleicht. Oder wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions formulierte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens gegen eine Mannschaft, die Fußball spielt."

Ein Satz, der an diesem Abend alles sagte.

08.07.2026 05:42
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Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002
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