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BKS Gdansk zerlegt Radomiak - 4:0 und kein Ende in Sicht

Es gibt Fußballabende, an denen man den Eindruck gewinnt, die Gäste seien eigentlich nur für das Mannschaftsfoto angereist. Der 4. Spieltag der 1. Liga Polen bot genau solch ein Exemplar: BKS Gdansk fegte vor 34.706 begeisterten Zuschauern RKS Radomiak mit 4:0 vom Platz - und das, obwohl die Statistik auf den ersten Blick gar nicht so eindeutig wirkte. Mehr Ballbesitz für die Gäste (53 Prozent), aber deutlich mehr Torschüsse für Gdansk (20:7). Fußball bleibt eben kein Rechenexempel, sondern ein Spiel, in dem man die Dinger halt reinmachen muss.

Das taten die Männer von Trainer Mike Matt gleich mehrfach und mit einer Selbstverständlichkeit, die fast frech wirkte. Schon in der 15. Minute eröffnete Marcel Bak den Torreigen - nach einem mustergültigen Zuspiel von Rechtsverteidiger Samuel Ross. "Ich hab den Ball einfach mal quergelegt, weil ich keine Lust auf einen Einwurf hatte", grinste Ross später. Bak bedankte sich artig - indem er den Ball humorlos ins Netz drosch.

Sieben Minuten später stand Bak wieder da, wo ein Stürmer stehen muss, und traf zum 2:0. Diesmal kam die Vorlage von Ilias Rogocz, der sich auf der linken Seite durchgewuselt hatte. Trainer Matt klatschte an der Seitenlinie so heftig Beifall, dass sein Notizblock davonflog. "Da war Tempo, da war Wucht, da war alles drin, was ich mir wünsche - außer vielleicht meine Handschrift, die jetzt unleserlich ist", witzelte er nach dem Spiel.

Radomiak dagegen schien überrascht, dass das Spiel tatsächlich schon begonnen hatte. Zwar versuchten Wojcicki und Jakobsen im Mittelfeld, etwas Struktur hineinzubringen, doch die Offensive blieb so harmlos wie ein Frühlingsspaziergang im Park. Trainer Lukas Breer stapfte schon zur Pause mit gesenktem Kopf in die Kabine - und brachte gleich zwei 17-Jährige: Gora und Dreszer. Eine mutige, wenn auch verzweifelte Maßnahme.

Nach dem Seitenwechsel machten die Gastgeber da weiter, wo sie aufgehört hatten. Der 18-jährige Arthur Kajrys, gerade mal zwei Minuten auf dem Platz, nutzte in der 48. Minute einen Pass von Routinier Herman Kraft und schob überlegt zum 3:0 ein. "Ich wusste gar nicht, dass ich so kaltblütig bin", gestand der Teenager später, "meine Mutter hat mir geschrieben: ’Nicht nervös sein.’ Ich glaub, das hat geholfen."

Der Rest war Schaulaufen. Gelbe Karten für Hawrylewicz und Kuzmanovic auf Gdansker Seite - wohl eher aus Langeweile als aus Frust - und eine für Radomiaks Montegiordano, der sich in Minute 74 dachte, wenigstens ein Zeichen setzen zu müssen. Kurz darauf setzte Jacek Majewski den Schlusspunkt (75.) nach Vorarbeit von Sebastian Mencel. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: ein Doppelpass, ein Haken, ein Schuss - und das Stadion bebte.

"Das war heute einfach schön anzusehen", meinte Trainer Matt nach dem Abpfiff, als er versuchte, seinen Spielern die Umarmungen zu ersparen. "Aber wir müssen auf dem Boden bleiben. Nächste Woche zählt das alles nichts mehr." Kapitän Bak grinste nur: "Wenn wir wieder so spielen, können wir auch auf dem Mond gewinnen."

Radomiak-Coach Breer suchte derweil nach Worten. "Wir hatten mehr Ballbesitz, das stimmt. Aber Ballbesitz ist wie ein Regenschirm im Sturm - hilft, aber nicht lange." Seine Spieler schlichen vom Platz, als hätten sie versehentlich beim falschen Sport mitgemacht.

Auch wenn Gdansk laut Statistik gar nicht so dominierte, war es ein Lehrstück in Effizienz und Spielfreude. 20 Torschüsse, vier Treffer, eine Abwehr, die nichts zuließ - und ein Publikum, das sich nach jedem Angriff die Hände wund klatschte. Selbst Torhüter Alexis Nübel, der einen ruhigen Abend verbrachte, wurde in der 85. Minute mit "Alexis, mach uns ein Tor!" angefeuert. Er winkte lachend ab.

Am Ende stand ein 4:0, das deutlicher kaum hätte ausfallen können. Gdansk spielte offensiv, aggressiv und mit einem Schuss Arroganz - aber einer, der in diesem Fall völlig gerechtfertigt war. Radomiak hingegen wirkte brav, fast höflich: "Nach Ihnen, bitte."

Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt, weil es zeigte, wie man mit weniger Ballbesitz, aber mehr Herz ein Stadion zum Kochen bringt. Und weil Gdansk wieder einmal bewies, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist - sondern manchmal einfach ein Statement.

Oder, wie Trainer Matt es trocken zusammenfasste: "Vier Tore, null Gegentore, null Beschwerden. Ich wüsste nicht, was ich mir mehr wünschen sollte - außer vielleicht einen Kaffee."

02.12.644002 18:05
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