Marca
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Blancos drehen das Spiel: Madrider Wende in Santander

Ein kalter Januarabend im Estadio El Sardinero, 47.633 Zuschauer, und die Luft knisterte - nicht nur wegen der Flutlichtanlage. Racing Santander empfing am 5. Spieltag der 1. Liga Spanien das Starensemble von Blancos Madrid. Nach 90 Minuten und ein paar Nachspielminuten später stand ein 1:2 auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das den Gastgebern noch lange in den Ohren klingeln dürfte.

Dabei begann alles so vielversprechend. Racing, unter der sachlich-ironischen Regie von Trainer Florian Kappels, ließ in der ersten halben Stunde kaum etwas anbrennen. Emilio Urrutia, der flinke Rechtsaußen, nutzte in der 26. Minute eine Unsicherheit der Madrider Defensive eiskalt aus. Nach feinem Zuspiel von Cesc Exposito schlenzte er den Ball am verdutzt dreinblickenden Caio Nene vorbei ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Urrutia später. "Und gehofft, dass keiner merkt, dass ich eigentlich mit links schießen wollte."

Das Stadion tobte, die Racing-Fans sangen sich die Kehlen wund, und für einen kurzen Moment schien die Fußballwelt in Santander perfekt. Blancos-Coach Anton Schneider dagegen stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, sein Blick irgendwo zwischen Wut und Mathematik. "Wir hatten den Ball, aber nicht die Kontrolle", knurrte er nach der Partie.

In der Tat: Trotz 16 Torschüssen und knapp 48 Prozent Ballbesitz wirkten die Gäste in der ersten Hälfte erstaunlich ideenlos. Logan Edgecomb prüfte Racing-Keeper Martin Gimenez in der 16. Minute, Rafael Dietz scheiterte kurz darauf aus spitzem Winkel. Dann kam Pech dazu - in der 30. Minute verletzte sich Mittelfeldmann Ari Nieminen ohne gegnerische Einwirkung. Schneider musste umstellen, brachte Davib Greenwald, und das sollte sich später als Glücksgriff erweisen.

Nach der Pause änderte sich das Spielbild. Madrid blieb offensiv, Santander begann zu schwimmen. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Kappels, "aber irgendwann war’s eher ein Sitzkreis." Die Folge: In der 63. Minute glich Rolando Martini aus - nach einer butterweichen Flanke von Roberto Buonvicino köpfte der bullige Stürmer unhaltbar ein. Kaum hatten sich die Racing-Spieler sortiert, rappelte es erneut. Nur eine Minute später war es der aufgerückte Innenverteidiger Manuel Rizzi, der nach einem Eckball von Greenwald den Ball über die Linie drückte.

Zwei Tore in zwei Minuten - und die Blancos plötzlich wieder Blancos. Die Gäste spielten nun mit der Selbstverständlichkeit eines Teams, das weiß, dass es besser ist. Santander versuchte zu reagieren, brachte frische Kräfte: Osip Malzew und Cesar Godo kamen, dazu ein Torwartwechsel nach Gimenez’ Blessur - der junge Ernesto Mino durfte ran.

Doch es half nichts. Blancos kontrollierte das Geschehen, ließ den Ball laufen, als wäre er magnetisch an den weißen Stutzen befestigt. Racing rannte an, hatte durch David Niguez (66.) und Albert Vega (86.) noch zwei ordentliche Gelegenheiten, aber die Präzision fehlte. "Wir wollten zu viel und trafen zu wenig", seufzte Kappels später.

In der Schlussphase wurde es hitziger. Zwei Gelbe Karten für Blancos-Verteidiger Carvalho (40.) und Buonvicino (83.) sorgten für ein paar Wortwechsel, die man auf den Rängen auch ohne Mikrofon verstand. "Fußball ist kein Schach", brummte Schneider anschließend, "ein bisschen Emotion gehört dazu."

Statistisch betrachtet war der Sieg verdient: 16:7 Torschüsse, die bessere Zweikampfquote (53,7 Prozent), und die cleverere Reaktion auf den Rückstand. Trotzdem war es ein hartes Stück Arbeit. "Wir wussten, Racing ist unbequem", sagte Doppeltorschütze Rizzi mit einem Lächeln, "aber zwei Tore in zwei Minuten - das war schon ein schönes Gefühl. Auch wenn ich Verteidiger bin, ich nehm’s."

Als der Schlusspfiff ertönte, blieb den Racing-Fans nur der Applaus für eine mutige, aber letztlich überforderte Mannschaft. Die Blancos feierten dezent - sie wussten, wie knapp es war.

Florian Kappels verabschiedete sich mit einem trockenen "Wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können - jetzt müssen wir nur noch gewinnen lernen". Anton Schneider dagegen grinste in die Mikrofone: "Das war kein Spaziergang, eher ein Marathon mit Stolpersteinen. Aber wer am Ende steht, darf lächeln."

Und so verließ das Madrider Ensemble den Rasen als Sieger, während Santander sich an den Moment in der 26. Minute klammerte - als für einen Augenblick alles möglich schien.

Vielleicht war es nur ein Spiel. Aber eines, das wieder einmal zeigte: Im Fußball sind zwei Minuten manchmal genug, um eine ganze Stadt zum Schweigen zu bringen.

06.03.643987 09:25
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