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Es war einer dieser Abende im Estadio Blanco, an denen 55.766 Zuschauer fröstelnd im Februarwind saßen und sich fragten, ob sie Zeugen eines Fußballfestes oder einer geduldigen Lehrstunde in Chancenverwertung werden würden. Am Ende stand ein 2:1-Sieg der Blancos Madrid über Lanzarote CF - verdient, aber keineswegs berauschend. "Wir haben die Pflicht erfüllt, nicht mehr, nicht weniger", knurrte Trainer Anton Schneider nach dem Abpfiff, während seine Assistenten hektisch versuchten, ihm den Reißverschluss seiner zu engen Jacke zu schließen. Die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings auf der falschen Seite. Bereits in der ersten Minute prüfte Lanzarotes Rechtsverteidiger Rafael Estevo den Torwart Cezmi Arikan mit einem Distanzschuss, der so plötzlich kam, dass die Heimfans kurz das Atmen vergaßen. Arikan klärte, allerdings mehr mit der Schulter als mit der Hand. "Ich hab ihn kommen sehen - irgendwann", grinste er später und zeigte auf den Abdruck des Balles auf seinem Trikot. Danach übernahmen die Blancos das Kommando. Mit 54 Prozent Ballbesitz und einer insgesamt kontrollierten Offensive schob sich die Mannschaft geduldig nach vorne. Besonders Marian Petrow, der flinke Linksaußen, drehte auf. Nach mehreren verpassten Gelegenheiten sollte er in der 35. Minute endlich belohnt werden: Nach feiner Vorarbeit von Mario Domingos zog Petrow von links in die Mitte, täuschte einen Schuss an - und schlenzte den Ball dann doch humorlos ins rechte Eck. 1:0, und das Estadio atmete auf. Kurz vor der Pause wurde es noch einmal ruppig: Riley Giles, der linke Außenverteidiger der Blancos, sah Gelb, nachdem er Lanzarotes Alfred Detari zeigte, wie ein englischer Tackling-Unterricht aussieht. "War Ball gespielt", brummte Giles in der Mixed Zone - und fügte mit einem breiten Grinsen hinzu: "Na gut, vielleicht ein bisschen Gegner auch." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte - mit Madrider Druck. In der 54. Minute stieg Innenverteidiger Evdoxios Donis nach einer Ecke am höchsten und köpfte den Ball wuchtig zum 2:0 ein. Die Vorlage kam von Rechtsaußen Logan Edgecomb, dessen Flanken in diesem Spiel eine seltene Mischung aus Präzision und Verzweiflung waren. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass Donis da irgendwo steht", lachte Edgecomb später. Doch Lanzarote gab sich nicht auf. Trainer Meister Leverkusen - der Name allein würde in jeder Pressekonferenz für Stirnrunzeln sorgen - brachte in der 60. Minute gleich drei frische Kräfte. Und siehe da: In der 66. Minute wurde das Spiel wieder spannend. Georg Heller traf nach Vorlage von Ulf Berg aus zentraler Position zum 2:1. Plötzlich war das Stadion still. "Wir wollten da eigentlich nur die Ordnung halten", erklärte Schneider später, "aber Ordnung ist ja bekanntlich relativ." Danach entwickelte sich ein offenes Spiel. Lanzarote drängte, hatte mit Heller und später Enrique Penas noch einige Gelegenheiten, während Madrid auf Konter lauerte. Tore Hästad vergab in der 70. Minute freistehend vor Lanzarotes Keeper Vincent Maurice, der sich mit einer Glanzparade in die Herzen der neutralen Zuschauer spielte. Statistisch gesehen war’s ein knappes Ding: 15 Torschüsse für Madrid, 11 für Lanzarote, Ballbesitz leicht zugunsten der Hausherren. Doch wer die letzten Minuten sah, hätte fast geglaubt, Lanzarote spiele um die Meisterschaft. "Wir haben gezeigt, dass wir auch gegen große Namen Fußball spielen können", sagte Leverkusen mit hochrotem Kopf, "jetzt müssen wir nur noch Punkte holen." Nach dem Schlusspfiff fielen sich die Spieler in die Arme, Madrid erleichtert, Lanzarote enttäuscht, aber stolz. In der Kabine der Blancos lief schon Musik, während Donis mit einem Handtuch um die Schultern in die Kameras grinste: "Ein Tor, ein Sieg - und keine Kopfschmerzen am Montag. Ich nehme das." Trainer Schneider hingegen blieb gewohnt trocken: "Schön war’s nicht. Aber schön ist auch overrated." Ein Fazit, das den Abend perfekt zusammenfasst: Blancos Madrid bleibt obenauf, doch Lanzarote CF hat sich teuer verkauft - und mehr als nur warme Anerkennung verdient. Manchmal ist Fußball eben kein Spektakel, sondern ehrliche Handarbeit mit einem Schuss Ironie. Und dieser Schuss saß diesmal auf Seiten der Blancos. 27.07.643990 02:24 |
Sprücheklopfer
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Toni Polster