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Es war einer dieser Abende im Estadio Santiago Bernabéu, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott gerade auf den Balearen Urlaub macht. 59.000 Zuschauer sahen am 6. Spieltag der Primera División, wie die favorisierten Blancos Madrid gegen den tapferen Underdog Santa Eulalia mit 1:2 den Kürzeren zogen. Die Gäste aus Ibiza spielten dabei so abgeklärt, als hätten sie die Sonne und den Sieg im Handgepäck mitgebracht. Schon die Anfangsminuten gaben die Richtung vor: Madrid stürmte los, als wolle man den Gegner überrollen. Lubomir Penksa prüfte in der 3. Minute Santa-Keeper Esteban Figo mit einem satten Schuss - aber der Torhüter fischte den Ball aus dem Winkel wie ein Tourist seine Sonnenbrille aus dem Pool. "Da dachte ich, heute läuft’s!", grinste Penksa später. Tat es aber nicht. Stattdessen trafen die Gäste eiskalt. In der 13. Minute zappelte der Ball im Netz der Madrilenen: Leandro Etxebarria, der flinke Flügelmann, nutzte den ersten echten Konter und versenkte trocken zum 0:1. Trainer Dede Dedede, ein Mann, der schon durch seine Namensmelodie auffällt, ballte an der Seitenlinie die Faust und murmelte (angeblich): "Einmal treffen, dann verteidigen, das ist mein Yoga." Zehn Minuten später antworteten die Blancos - endlich, möchte man sagen. Michel Fernandes, der auffälligste Mann im weißen Trikot, vollendete nach Vorlage von Innenverteidiger Manuel Rizzi zum 1:1. Eine jener Szenen, bei denen selbst der Stadionsprecher kurz vergaß, wer eigentlich Stürmer und wer Verteidiger ist. Fernandes lief jubelnd zur Tribüne, rief etwas, das entfernt nach "Vamos!" klang, und trat gegen die Eckfahne, als sei sie schuld an der bisherigen Ladehemmung. Aber die Freude währte nur acht Minuten. Wieder Santa Eulalia, wieder eiskalt: Luís Gimenez zog in der 31. Minute aus 20 Metern ab, nach Vorarbeit von Inigo de Torre, und der Ball segelte an Keeper Caio Nene vorbei ins rechte Eck. 1:2 - und das blieb es auch bis zum Schluss. Madrid drückte. Und drückte. Ganze 13 Torschüsse, 46 Prozent Ballbesitz und jede Menge Verzweiflung standen am Ende zu Buche. Santa Eulalia kam mit sieben Abschlüssen aus - aber wer zählt schon die Chancen, wenn man die Tore hat? Trainer Anton Schneider rang nach Abpfiff sichtlich um Fassung: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber das Tor getroffen haben die anderen. Vielleicht sollte ich mal meine Definition von Kontrolle überdenken." Neben ihm schüttelte Verteidiger Roberto Buonvicino den Kopf, frisch verwarnt aus der 83. Minute: "Ich hab den Ball getroffen, ehrlich! Leider stand der Gegner im Weg." In der zweiten Halbzeit wurde es ein belagertes Bollwerk: Santa Eulalia zog sich tief zurück, verteidigte mit allem, was Beine hatte, und verlegte sich auf lange Bälle. Die Blancos wechselten offensiv - Ari Nieminen musste in der 60. Minute für Davib Greenwald Platz machen, Barend Van Vechten wurde durch Lionel Couto ersetzt. Die Bank war aktiv, das Publikum ungeduldig. "Wir haben sie eingeschnürt, aber das Netz blieb leer", stöhnte Schneider später. Michel Fernandes versuchte in der 89. Minute noch einmal alles, jagte einen Schuss knapp über die Latte. Neben ihm schlug Rolando Martini auf den Rasen: "Das war der Moment, an dem du weißt, es ist einfach nicht dein Abend." Santa Eulalia dagegen verteidigte mit mediterraner Gelassenheit. Gimenez, der Torschütze zum Sieg, wurde in der 75. Minute vom Platz genommen, bekam eine Umarmung von Trainer Dedede und ein Lächeln, das sagte: "Mission erfüllt." Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache - oder eine ironische: Mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Mühe auf Seiten der Blancos. Mehr Effizienz, mehr Punkte für Santa Eulalia. "Wir wollten kontern, wir haben gekontert", fasste Dedede mit einem Schulterzucken zusammen. "Manchmal ist Fußball wie Paella - die einfachen Zutaten machen’s." Und so verließen 59.000 Madrilenen das Stadion mit dem Gefühl, dass man Spiele zwar dominieren kann, ohne sie zu gewinnen - und dass Santa Eulalia wohl weiß, wie man aus wenig viel macht. Vielleicht tröstet es die Blancos, dass sie wenigstens in der Statistik Tabellenführer waren. Aber wie sagte Schneider mit trockenem Humor: "Wenn Statistik Spiele gewinnen würde, hätten wir heute 4:1 gewonnen. Leider zählt nur das, was im Netz zappelt - und das war eben der Ball, nicht unsere Nerven." Ein Abend voller Chancen, vertaner Möglichkeiten und eines Gegners, der zeigte, dass Defensive und Effizienz kein Widerspruch sein müssen. Santa Eulalia nimmt drei Punkte mit nach Hause - und Madrid eine bittere Erinnerung daran, dass Fußball kein Wunschkonzert ist, sondern manchmal einfach ein kalter Gegenangriff im Januar. 17.03.643987 23:07 |
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