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Blau Weiß Bochum dreht das Spiel - und Pirmasens die Nerven

Regionalliga B | 24. Spieltag | 04.09.26 | Blau Weiß Bochum - FK Pirmasens 2:1

Um 22.07 Uhr war der Arbeitstag für Blau Weiß Bochum erledigt. Nicht elegant, nicht ohne Schrammen, aber erfolgreich: Mit dem 2:1 (1:1) gegen den FK Pirmasens holte die Mannschaft am 24. Spieltag der Regionalliga B drei Punkte. 4385 Zuschauer sahen am Freitagabend ein Spiel, das zunächst nach einem langen Abend für die Bochumer aussah - und dann doch noch rechtzeitig die Kurve bekam.

Pirmasens begann, als hätte Trainerin Gudrun Schweitzer ihren Spielern zum Aufwärmen zusätzlich einen Wecker gestellt. Die Gäste standen offensiv, liefen mit kräftigem Einsatz an und suchten den schnellen Weg nach vorn. Nach acht Minuten prüfte Noah Specht erstmals Torwart Connor Irwin, kurz darauf scheiterte auch Fabrizio Isca nicht an seinem Mut, sondern offenbar nur an der letzten Präzision.

In der 9. Minute war es dann so weit: Isca traf nach Vorarbeit von Vitorino Ramallo zum 1:0 für Pirmasens. Ein sauberer Angriff, ein junger Torschütze - und auf der Bochumer Bank vermutlich die Erkenntnis, dass "ausgewogen" nicht automatisch "beruhigend" bedeutet.

Blau Weiß brauchte eine Weile, um Ordnung in die eigenen Reihen zu bringen. Fabian Brand sorgte früh für Gefahr, Bernd Janssen tauchte immer wieder auf der linken Seite auf. Der Ausgleich fiel schließlich unmittelbar vor der Pause: In der 45. Minute vollendete Janssen nach Zuspiel von Tikhon Kapustin zum 1:1. Ein Treffer zum psychologisch günstigen Zeitpunkt, also genau dann, wenn die Gäste gedanklich schon beim Pausentee und die Gastgeber plötzlich wieder bei der eigenen Fußballkarriere waren.

"Wir haben uns gesagt: Wir müssen nicht schön aussehen, wir müssen nur wach bleiben", sagte Bochums Trainer Jannik Sommer nach dem Abpfiff - angeblich mit jener Mischung aus Erleichterung und Restpanik, die Trainer nach solchen Spielen gern als "gute Mentalität" verkaufen.

Für Bochum war die erste Halbzeit allerdings nicht nur wegen des Ausgleichs ereignisreich. In der 37. Minute musste Ronald Lindner verletzt vom Feld. Miguel Domingos kam für ihn, und der Innenverteidiger sollte später noch eine wichtige Rolle spielen. Pirmasens wechselte zur Pause ebenfalls: Stefan Keller ersetzte Alex Coviello, der bis dahin im Sturmzentrum viel gearbeitet hatte.

Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, schlug Bochum erneut zu. In der 50. Minute traf Fabian Brand nach Vorlage von Domingos zum 2:1. Der Verteidiger hatte sich nach seiner Einwechslung also nicht mit einer Nebenrolle begnügt. "Miguel hat gesagt, er gibt mir den Ball, und ich soll das Problem lösen", erzählte Brand später. "Ich habe nicht gefragt, welches Problem genau gemeint war."

Pirmasens gab sich damit keineswegs geschlagen. Insgesamt kamen die Gäste auf 13 Torschüsse, Bochum auf zehn. Specht blieb besonders umtriebig und suchte zwischen der 63. und 84. Minute mehrfach den Abschluss. Auch Keller und Slawa Gontschar sorgten für Unruhe. Doch Bochums Defensive hielt stand, bisweilen mit dem Charme eines zugeschobenen Garagentors.

Die Gastgeber hatten 51,5 Prozent Ballbesitz, Pirmasens 48,5. Ein statistisches Gleichgewicht, das den Spielverlauf nur teilweise erklärt: Pirmasens war offensiver ausgerichtet und aggressiver im Zweikampf, Bochum blieb bei seiner ausgeglichenen Spielanlage, wartete geduldig auf gute Chancen und verzichtete weitgehend auf aktives Pressing. Das war nicht immer spektakulär, aber am Ende ziemlich vernünftig.

In der Schlussphase wurde es dennoch laut im Bochumer Strafraum. Brand hatte in der 88. und 89. Minute selbst noch Chancen, auf 3:1 zu erhöhen. Stattdessen musste Bochum zittern. Frank Brunner sah in der 70. Minute die Gelbe Karte, doch weitere Strafen blieben aus.

"Wir hätten das früher beruhigen können", meinte Sommer. "Aber dann wäre es ja kein Freitagabendspiel geworden." Das Publikum dürfte ihm widersprochen haben - allerdings nur bis zum Schlusspfiff. Dann überwog die Freude. Bochum gewinnt 2:1, Pirmasens reist mit 13 Torschüssen und leeren Händen nach Hause. Fußball ist eben manchmal gerecht. Und manchmal nur pünktlich.

05.09.2026 20:04
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Rainer Calmund
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