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Blau-Weiss Luzern dreht das Spiel: Römer und Locklear lassen 46.977 jubeln

Es war einer dieser Abende, an denen die 1. Liga Schweiz kurzzeitig wie Champions League roch - zumindest in Luzern. 46.977 Zuschauer im Stadion erlebten beim 10. Spieltag ein Wechselbad der Emotionen: Blau-Weiss Luzern besiegte den FC Schötz mit 2:1, nachdem sie nach drei Minuten bereits zurücklagen. Dass am Ende die Hausherren jubelten, lag an jugendlichem Mut, einem gereiften Trainer und einem Schötzer Team, das sich selbst ein Bein stellte.

Kaum hatte Schiedsrichter Heller angepfiffen, da staunte das Luzerner Publikum nicht schlecht: Schon in der 3. Minute zappelte der Ball im Netz. Lorenzo Piccolo, der flinke rechte Mittelfeldspieler von Schötz, nutzte die erste Unsicherheit in der Luzerner Abwehr. Nach feinem Zuspiel von Benjamin Clarke schlenzte er den Ball ins linke Eck - Torwart Lasse Rauch sah den Ball wohl erst, als er schon im Netz lag. "Da hab ich wohl noch im Tunnel geträumt", murmelte Rauch später mit einem Lächeln.

Schötz blieb danach am Drücker. 59 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse, viel Kontrolle - aber wenig Zählbares. Ihre "balanced"-Taktik wirkte wie ein gut gemachtes Beruhigungsmittel: solide, aber nicht aufregend. Luzern dagegen, von Trainer Reinhard Wild mit der Ansage "Alles über die Flügel, Jungs!" ins Spiel geschickt, suchte das Risiko. Früh, wild, manchmal naiv - aber immer gefährlich.

In der 10. Minute donnerte Roger Römer den Ball aus spitzem Winkel an die Latte, in der 17. wieder knapp vorbei. Der 22-Jährige, ein Wirbelwind auf links, war der Inbegriff der Luzerner Spielweise: lieber einmal zu viel abziehen als den Ball querlegen. "Ich schieß halt gern", grinste Römer, als wäre das eine philosophische Lebenshaltung.

Zur Pause stand es dennoch 0:1. Trainer Wild stapfte mit verschränkten Armen in die Kabine, während sein Gegenüber Roland Kunz zufrieden die Hände hinter dem Rücken verschränkte - der Gentleman des gepflegten Ballbesitzes. Doch das Spiel sollte sich drehen.

In der 56. Minute belohnte sich Luzern endlich. Rechtsverteidiger Pierre Gramont, 31 Jahre alt und offenbar mit einer Lunge aus Titan, marschierte die Linie entlang, flankte butterweich - und Römer köpfte aus fünf Metern ins Netz. 1:1! Der Jubel war ohrenbetäubend, der Funken endlich übergesprungen. "Ich hab’ einfach gehofft, Pierre sieht mich", erzählte Römer später. "Er meinte nur: ’Ich hab dich gehört - du hast ja geschrien wie ein Marktschreier!’"

Schötz wirkte danach verwirrt, fast beleidigt, dass Luzern das Drehbuch umgeschrieben hatte. Trainer Kunz rief von der Seitenlinie: "Ruhig bleiben!", doch seine Spieler verstanden offenbar "Rückzug!". Die Folge: Blau-Weiss übernahm die Kontrolle, obwohl sie nur 40 Prozent Ballbesitz hatten.

In der 69. Minute dann das Tor zum 2:1: Julien Achard, der zentrale Mittelfeldmotor, steckte klug durch, und Robert Locklear - der zweite Robert im Luzerner Sturm - blieb eiskalt. Flach, präzise, unhaltbar. Trainer Wild riss die Arme hoch, die Ersatzspieler stürmten an die Seitenlinie. "So will ich meine Stürmer sehen!", brüllte er später ins Mikrofon.

Danach wurde es emotional, ruppig und ein bisschen theatralisch. Dylan Bosworth kassierte in der 73. Minute Gelb, nachdem er sich lautstark über einen Pfiff beschwert hatte. "Ich hab nur laut geatmet", verteidigte er sich nach dem Spiel, mit einem Grinsen, das selbst der Schiedsrichter nicht böse nehmen konnte.

Schötz warf in den letzten Minuten alles nach vorn. Mario Chalana prüfte Rauch gleich dreimal zwischen der 66. und 70. Minute, Alfred Brun donnerte in der 70. Minute einen Schuss knapp vorbei - doch die Kugel wollte nicht mehr rein.

Luzern wechselte clever: Benveniste kam für Carey, um die Abwehr zu stabilisieren, später Chawanow und Barros für frische Beine auf den Flügeln. Wild wirkte an der Seitenlinie wie ein Schachspieler, der sein Matt schon sah. "Wir haben gelernt, dass Kampfgeist manchmal mehr zählt als Ballbesitz", sagte er nach Abpfiff.

Am Ende jubelte Luzern, während Schötz ratlos die Köpfe hängen ließ. Trainer Kunz wirkte gefasst: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber Fußball ist kein Schach. Leider."

Fazit: Blau-Weiss Luzern siegt mit Mut, jugendlicher Unbekümmertheit und einer Portion Chaos gegen den taktisch reiferen FC Schötz. Die Statistik spricht zwar für die Gäste, das Ergebnis jedoch für die, die an den Fußball als Gefühl glauben. Und so verließen 46.977 Zuschauer das Stadion mit dem guten Gefühl, Zeugen eines Spiels gesehen zu haben, das wieder einmal bewies: Ballbesitz schießt keine Tore - aber Leidenschaft schon.

03.05.643987 07:20
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