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Ein kalter Januarabend in Luzern, Flutlicht an, 38.068 Zuschauer im Stadion - und ein Spiel, das zwar nur 1:0 endete, aber Stoff für die Sportpresse der nächsten Tage lieferte. Blau-Weiss Luzern, offensiv eingestellt wie ein Teenager am ersten Date, empfing die ambitionierten Gäste von Gelb-Schwarz Bern. Am Ende entschied ein 21-jähriger Rechtsaußen die Partie - und das mit einer Kaltschnäuzigkeit, die man sonst eher bei Routiniers sieht. Piotr Chawanow heißt der Held des Abends. In der 34. Minute verwandelte er eine flache Hereingabe von Jan Born, dem 19-jährigen Rechtsverteidiger, der nach dem Spiel noch verlegen grinste: "Ehrlich gesagt wollte ich eigentlich flanken - aber Piotr hat halt das Beste draus gemacht." Das Beste war in diesem Fall der einzige Treffer des Abends. Bis dahin hatte Luzern bereits ein Feuerwerk abgebrannt: Schon nach neun Minuten zwang Ilias Chalbinski den Berner Keeper Markus Preher zu einer ersten Glanztat. Danach folgten Chancen im Minutentakt: Römer (12.), Achard (16.) und Mantovani (22., 23., 27.) ballerten, was das Zeug hielt - doch das Tor schien wie vernagelt. "Ich dachte schon, wir spielen hier Basketball - so oft ging der Ball drüber", scherzte Luzerns Trainer Reinhard Wild nach dem Spiel. Bern dagegen wirkte, als hätte der Bus auf der Anfahrt ein paar Pässe verloren. Nur vier Schüsse aufs Tor in 90 Minuten sind für ein Team mit offensiver Grundeinstellung eher eine Liebeserklärung an die Defensive. Hugo Ronaldo - der Name versprach mehr als seine Statistik - hatte zwei ordentliche Szenen (20., 62.), blieb aber ebenso glücklos wie Patrik Berglund, dessen Versuch in Minute 28 so harmlos war, dass selbst die Balljungen höflich klatschten. Nach Chawanows Treffer versuchte Bern, das Spieltempo zu erhöhen, doch Luzern kontrollierte Ball und Gegner. 53,6 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse, 55,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die klar zeigen, wer Herr im eigenen Haus war. Nur einmal wurde es kurz hitzig: In der 39. Minute sah Luzerns Routinier Diego Giuliani Gelb, nachdem er Berglund etwas zu temperamentvoll stoppte. "Ich hab ihn kaum berührt", beteuerte Giuliani später mit einem Grinsen, das diese Aussage elegant widerlegte. Auf der Gegenseite kassierte Arnaldo Rizzi in der 82. Minute ebenfalls Gelb - vermutlich aus Sympathiegründen. In der zweiten Halbzeit blieb Luzern am Drücker. Chawanow, der an diesem Abend offenbar in Dauerlauflaune war, prüfte Preher erneut (47., 64., 89.), während Roger Römer gleich dreimal (54., 56., 91.) den Abschluss suchte, aber immer knapp scheiterte. Zwischenzeitlich brachte Coach Wild frische Beine: Antonio Varela kam für Achard (63.), Jesus Langer ersetzte Joseph Wendt (72.) und der erfahrene Pierre Gramont durfte in der 80. Minute für den jungen Born ran. "Ich hab Jan gesagt, er soll sich die Ohren zuhalten, wenn’s laut wird. Jetzt weiß er, wie sich 38.000 Jubelnde anhören", sagte Gramont später augenzwinkernd. Bern-Coach Maria Meier hingegen wirkte nach Schlusspfiff ratlos. "Wir haben offensiv gespielt, aber irgendwie nur theoretisch", meinte sie trocken. Ihr Team war zwar laut Statistik offensiv ausgerichtet - in der Praxis aber fehlte der Mut zum Risiko. Kein Pressing, keine langen Bälle, kein Plan B. Im modernen Fußball ist das etwa so erfolgversprechend wie ein Regenschirm im Orkan. Luzern dagegen zeigte, dass Offensivfußball auch ohne Torfestival begeistern kann. Die Flügelzange Chawanow und Chalbinski wirbelte, das Kurzpassspiel lief wie geschmiert, und im Zentrum zog Varela nach seiner Einwechslung klug die Fäden. Selbst der 19-jährige Torhüter Robert Siebert, der kaum eingreifen musste, bekam nach Abpfiff Szenenapplaus - wohl auch, weil er während der zweiten Halbzeit mehr Zeit hatte, den Fans zuzuwinken, als Bälle zu halten. "Wir wollten unsere Linie durchziehen", sagte Trainer Wild zum Abschluss. "Und wenn’s nur 1:0 ausgeht, ist das auch ein Statement - ein sehr schweizerisches Statement." Damit bleibt Luzern oben dran und Bern trudelt weiter im Mittelfeld. Ein Spiel, das auf der Anzeigetafel knapp aussieht, aber auf dem Platz eindeutig war. Und irgendwo in Luzern wird Piotr Chawanow wohl noch lange vom 7. Januar 2026 erzählen - dem Abend, an dem sein rechter Fuß die Stadt zum Beben brachte. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "So gewinnt man Spiele - mit Herz, nicht mit Hochglanz." Ein Satz, der Reinhard Wild gefallen dürfte. 29.03.643987 14:03 |
Sprücheklopfer
Wir sind insgesamt so gefestigt, dass jeder die Meinung des Trainers akzeptiert.
Dieter Eilts