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Wer am Freitagabend im ausverkauften Stadion in Luzern auf Defensivtaktik gehofft hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. 46.868 Zuschauer sahen ein Conference-League-Spiel, das eher an Straßenfußball erinnerte als an taktisch abgewogene Europapokal-Kunst. Am Ende stand ein 3:3 zwischen Blau-Weiss Luzern und den Manchester Devils - ein Ergebnis, das beiden Trainern halbwegs passte, aber keinem richtig schmeckte. Von Beginn an war klar: Hier will keiner abwarten. Luzern mit einer offensiven Grundordnung, langen Bällen und dem Mut zur Lücke, Manchester mit Power und Pressing, als wären sie auf Koffein intravenös eingestellt. Schon in der 8. Minute prüfte Robert Locklear den englischen Keeper George Boyle - Auftakt zu einer wilden Schussparade beider Seiten. Den ersten Jubel gab’s in der 35. Minute: Ilias Chalbinski, Luzerns quirliger Linksaußen, zog nach Pass von Diego Giuliani nach innen, schlenzte - und das Netz zappelte. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zu lange denkst, ist der Moment weg", grinste Chalbinski später. Zwei Minuten später grinste allerdings niemand mehr im Luzerner Block: Jacob Ross glich für die Devils aus, nach feinem Zuspiel von Jamie Kirwan. Und kaum hatten die Fans das Bier wieder in der Hand, traf Jean-Pierre Bettencourt (40.) per Direktabnahme zum 1:2. "Da haben wir kurz ausgesehen wie eine Schüler-Abwehr nach dem Wandertag", knurrte Luzerns Trainer Reinhard Wild. Seine Jungs retteten sich mit Glück und Rauch im Tor in die Pause. Der bedankte sich launig: "Ich hatte heute mehr zu tun als unser Platzwart den ganzen Sommer." Kein Wunder: 14 Schüsse der Engländer standen am Ende auf dem Statistikzettel, bei Luzern waren es immerhin zehn. Nach der Pause kam Luzern mit Wut im Bauch zurück. Julien Achard spielte in der 49. Minute einen Zuckerpass in den Lauf von Roger Römer - der 22-Jährige blieb eiskalt und nagelte das Ding zum 2:2 ins rechte Eck. Der Jubel hallte noch durchs Stadion, da schlugen die Devils in Person von Aad Putnam zurück (52.), mustergültig vorbereitet durch Christopher Bancroft. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Touristen sind", sagte Putnam, der sich mit seiner Torgefahr auch den Unmut der Luzerner Tribüne einhandelte: "Der pfeift ja bei jedem Ballkontakt!", rief ein Fan hinter der Pressetribüne - und schob gleich ein "Aber leider trifft er auch bei jedem dritten" hinterher. Doch Luzern gab nicht auf. In der 67. Minute - als viele schon dachten, die Kräfte würden schwinden - setzte sich Robert Locklear auf der rechten Seite durch, flankte scharf in den Strafraum, wo Robert Mantovani goldrichtig stand. Kopfball, Tor, 3:3! "Wir Roberts müssen eben zusammenhalten", witzelte Mantovani danach, während Locklear daneben grinste: "Ich sag’s ihm nicht, aber der Ball war eigentlich zu hoch." In der Schlussphase drückte Manchester noch einmal mächtig: Jacob Ross prüfte Keeper Rauch in der 90. Minute mit einem Schuss, der jedem Torwart Albträume macht. Doch Luzerns Schlussmann hielt - und riss die Arme hoch, als wäre das der Sieg gewesen. Statistisch konnten die Devils mit 56 Prozent Ballbesitz und leicht besserer Zweikampfquote (51 zu 49 Prozent) prahlen, doch auf dem Platz blieb der Eindruck, dass Luzern sich dieses Remis mit Herz und Lunge erkämpft hatte. "Das war kein Schönheitswettbewerb", meinte Trainer Wild trocken. "Aber manchmal ist ein dreckiges 3:3 schöner als ein langweiliges 0:0." Sein Gegenüber, Reto Klopfenstein, sah’s ähnlich, wenn auch mit englischem Humor: "Wir wollten gewinnen, aber vielleicht war Luzern heute einfach zu höflich, um uns das zu erlauben." So verließen beide Teams das Feld mit Applaus, erschöpft, aber zufrieden. Ein Spiel wie ein Feuerwerk - mit Funkenflug, Rauch und ein bisschen Chaos. Und irgendwo im Stadion hörte man einen Fan sagen: "Wenn das so weitergeht, kauf ich mir ’ne Dauerkarte - allein fürs Herztraining." 21.04.643987 15:30 |
Sprücheklopfer
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