// Startseite
| La Hora |
| +++ Sportzeitung für Ecuador +++ |
|
|
|
Es war ein dieser Abende in Portoviejo, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott Humor hat. 34.290 Zuschauer sahen eine Partie, die alles bot - außer Gerechtigkeit. UD Portoviejo kämpfte, rannte, biss, schoss achtmal aufs Tor - und stand am Ende trotzdem mit leeren Händen da. CD Aucas nahm die Punkte mit, dank eines eiskalten Anton Bloch, der zweimal zuschlug und damit den Unterschied machte. 1:2 lautete das Endergebnis, ein Resultat, das die Statistik nur müde anlächelt. Schon der Auftakt ließ die Hausherren tief durchatmen - und das Publikum verstummen. Kaum hatte der Schiedsrichter um 20 Uhr angepfiffen, zappelte der Ball nach sechs Minuten im Netz. Aucas-Stürmer Anton Bloch nutzte seine erste Gelegenheit, als hätte er einen Wecker im Schuh. Eine Flanke von Jacinto Tellez segelte perfekt in den Strafraum, Bloch schraubte sich hoch, und ehe Keeper Marcos Espriu überhaupt den Kopf hob, war der Ball schon hinter ihm. 0:1 - und Trainer Special Agent (ja, so heißt er wirklich) raufte sich die Haare, als wäre er gerade aus einem Agentenfilm geflohen. "Ich dachte, wir hätten das Spiel im Griff - da hat uns Bloch einfach ausgetrickst", fluchte der Coach später halb bewundernd, halb resigniert. Danach kämpfte sich Portoviejo in die Partie. Nuno Fortun prüfte Aucas-Keeper Vitorino Manu gleich zweimal (27., 29.), doch der Torwart hatte offenbar einen guten Tag und noch bessere Handschuhe. Der Ballbesitz - 49 zu 51 Prozent - zeigte die Ausgeglichenheit, aber Aucas wirkte abgeklärter. Als Roger Monroe in der 34. Minute Gelb sah, war das fast die einzige Erinnerung daran, dass Portoviejo überhaupt so etwas wie Druck aufbauen konnte. "Wir wollten offensiv bleiben, aber uns fehlte die Präzision", erklärte Mittelfeldmotor Emil Musiala nach der Partie. "Vielleicht haben wir zu sehr auf das schöne Tor gewartet." In der Halbzeit musste Aucas-Trainer Mister Zvenson gleich doppelt wechseln, brachte Alberto Almeida und Davib Gayheart - ein mutiger, fast trotzig wirkender Schachzug. Doch er passte zum Offensivgeist der Gäste. "Ich habe gesagt: Wenn wir schon führen, dann wenigstens schön", grinste Zvenson später, als wüsste er, dass Fußballästhetik sich manchmal auszahlt. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel offener. Portoviejo kam mit Wucht zurück. Der junge Aitor Miguel, blutjung und furchtlos, bereitete den Ausgleich in der 68. Minute über rechts vor. Seine flache Hereingabe fand Joel Williamson, der den Ball humorlos in die Maschen drosch. Das Stadion explodierte, und selbst die Ersatzspieler von Portoviejo rannten in Richtung Eckfahne, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich hab’ nur den Fuß reingehalten", grinste Williamson danach, "aber sagen Sie ruhig, es war Absicht." Doch wer dachte, das Momentum kippe endgültig, unterschätzte Aucas’ Zähigkeit - und Blochs Kaltblütigkeit. Der 32-Jährige, der schon in der 85. Minute eine Großchance liegen ließ, machte es drei Minuten später besser. Nach einer mustergültigen Flanke von Iban Morais nickte er den Ball unhaltbar ins lange Eck. 88. Minute, 1:2 - und diesmal jubelten die Gäste, als wäre Weihnachten. "Das war pure Routine", sagte Bloch später mit einem Schulterzucken, das man nur haben kann, wenn man schon hunderte solcher Tore geschossen hat. "Ich hab gesehen, dass der Keeper einen Schritt rausrückt, da war klar, wohin der Ball muss." Portoviejo versuchte in der Schlussphase alles, brachte noch Joseba Calvente für den jungen Kezman, warf jeden Ball nach vorn, aber Aucas verteidigte mit der stoischen Ruhe eines Teams, das genau weiß, wann man das Zeitspiel beginnen darf. Am Ende standen neun Torschüsse der Gäste acht von Portoviejo gegenüber - eine hauchdünne, aber entscheidende Dominanz. Es war kein brillantes Spiel, doch eines mit Charakter. "Wir haben verloren, aber nicht aufgegeben", bilanzierte Trainer Agent mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Trotz und Stolz hing. Und so blieb es beim 1:2. Aucas reist mit breiter Brust vom dritten Spieltag der 1. Liga Ecuador ab, während Portoviejo sich fragt, wie man zwei Tore kassieren kann, obwohl man fast gleich oft aufs Tor schießt. Vielleicht, weil Fußball manchmal einfach kein Mathematikunterricht ist. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen trocken formulierte: "Wir hatten mehr Ball - sie hatten Bloch." 04.09.644000 00:40 |
Sprücheklopfer
Ich war das erste Mal Kapitän, da muss man einfach ein Tor machen.
Oliver Kahn zu seinem Eigentor beim Länderspiel gegen Israel