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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, volle Ränge und dieses ganz bestimmte Knistern, wenn die Premier-League-Giganten aufeinandertreffen: 29.334 Zuschauer im Etihad sahen am 7. Spieltag der 1. Liga England ein Duell, das anfangs nach einer Lehrstunde für Manchester aussah - und am Ende zum Triumphzug für die Jugend der Blues wurde. 2:1 hieß es nach 90 intensiven Minuten gegen die Liverpool Reds, die zwar 21 Torschüsse abfeuerten, aber am eigenen Unglück und an einem 20-jährigen Shootingstar scheiterten: Yannik Gancarczyk. Schon in der ersten halben Stunde dominierten die Reds das Geschehen. Sie kombinierten, sie pressten, sie schossen - und irgendwann fiel zwangsläufig das Tor. In der 30. Minute zog der junge Luke Greenwald von links nach innen, Callum Hawn hinterlief, legte quer, und Greenwald drosch den Ball humorlos unter die Latte. 0:1. "Da dachte ich kurz, das wird heute eine lange Nacht", gab Blues-Trainer Daniel Kontsch später zu und grinste schief. Die Blues, taktisch zunächst auf Kurzpassspiel über die Flügel eingestellt, wirkten überrascht. 51 Prozent Ballbesitz täuschen nicht darüber hinweg, dass Liverpool das Geschehen bestimmte. Gancarczyk und Thuringer liefen sich vorne die Lunge aus dem Leib, doch die Pässe aus dem Mittelfeld kamen selten an. "Wir wussten, dass sie auf Konter spielen würden", murmelte Gäste-Coach Kurt Kaiser. "Aber dass sie so nervös waren, hat mich fast geärgert - man hätte mehr draus machen müssen." Nach der Pause änderte sich das Gesicht des Spiels. Vielleicht hatte Kontsch in der Kabine den richtigen Ton getroffen - oder einfach nur den richtigen Kaffee. Jedenfalls wirkten die Blues plötzlich wacher, mutiger, bissiger. In der 53. Minute war’s dann soweit: Der 20-jährige Bradley Thuringer setzte sich auf rechts durch, flankte flach in die Mitte, und dort stand - wer sonst - Yannik Gancarczyk. Ein Schuss, ein Strich, ein Tor. 1:1. Der Jubel war so laut, dass man ihn wohl noch in Liverpool hören konnte. Die Reds reagierten mit Wut. Trainer Kaiser brachte Apers für Mutu, stellte auf noch mehr Offensive um. 21 Torschüsse am Ende des Abends sprechen Bände. Aber Knud Gruber im Tor der Blues entschärfte, was zu entschärfen war. Einmal, in der 67. Minute, flog er so spektakulär in den Winkel, dass selbst die gegnerischen Fans auf der Tribüne klatschten. "Ich hab einfach gehofft, dass meine Arme lang genug sind", scherzte der Keeper danach. Und dann kam Minute 70. Wieder Gancarczyk, wieder dieser eiskalte Abschluss. Diesmal nach Vorlage von Sean Lester, dem 18-jährigen Linksaußen, der seine Gegenspieler aussehen ließ wie Verkehrshütchen. 2:1. Der Rest war ein kollektives Zittern. Liverpool drückte, Manchester verteidigte, und irgendwo zwischen Leidenschaft und Panik lag die Wahrheit dieses Spiels. Die Statistik? 51 zu 49 Prozent Ballbesitz, 8 zu 21 Torschüsse - ein Musterbeispiel dafür, dass Zahlen manchmal lügen. Die Blues kämpften mit Herz, während die Reds mit Zahlen kämpften. Zwei Gelbe Karten für Liverpool, ein paar wütende Gesten ihres Trainers und ein vergeblicher Sturmlauf in der Nachspielzeit - mehr sprang nicht heraus. Nach dem Abpfiff stand Gancarczyk im Blitzlichtgewitter, sichtlich verlegen. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er, während ihm Mitspieler Jamie Anderson das Haar zerwühlte. Trainer Kontsch lobte trocken: "Er hat heute gespielt, als hätte er keine Angst vorm Leben - und das ist gut so." Kaiser hingegen verschwand schnell in den Katakomben, murmelte etwas von "fehlender Kaltschnäuzigkeit" und "unglücklichem Spielverlauf". Vielleicht hatte er recht. Vielleicht aber auch nicht - denn wer 21 Mal aufs Tor schießt und nur einmal trifft, sollte weniger über Pech reden und mehr über Präzision. So blieb eine Erkenntnis: Fußball ist keine Mathematik. Die Blues schossen weniger, liefen aber klüger, und als der Schlusspfiff kam, sang das Stadion in himmelblauem Rausch. Ein Abend, an dem ein 20-jähriger Rechtsaußen zum Helden wurde - und ganz England plötzlich seinen Namen kennt. Oder wie ein älterer Fan auf der Tribüne sagte, während er sich den Schal fester um den Hals zog: "Früher hatten wir Giggs und Gerrard, heute haben wir Gancarczyk - klingt komisch, spielt aber großartig." Und das, liebe Leser, ist wohl die schönste Wahrheit dieses Spiels. 29.03.643987 13:46 |
Sprücheklopfer
Ich gratuliere die Bayern.
Berti Vogts