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Wenn man 27.000 Zuschauer in ein Stadion lockt, erwartet man Tore, Spektakel und Emotionen - und genau das bekamen die Fans am Samstagabend in Connahs Quay, zumindest aus Sicht der Gäste. Die Holyhead Blues begannen die neue Saison in der 1. Liga Wales mit einem souveränen 2:0-Auswärtssieg gegen die Connahs Quay Nomads. Die Gastgeber hingegen wirkten, als hätten sie den Saisonstart noch im Kalender übersehen. Dabei war die erste Halbzeit gar nicht schlecht - zumindest für Liebhaber taktischer Balance und gepflegter Langeweile. Beide Teams standen solide, keiner wollte den ersten Fehler machen. 50,4 Prozent Ballbesitz für die Nomads, 49,6 für die Blues - statistisch also ein Remis der Langeweile. Immerhin: Filipe Canalejas (23.) prüfte früh die Aufmerksamkeit des jungen Holyhead-Keepers Quinter Lambrechts, der den Ball mit einem spektakulären Flug parierte. "Ich wollte einfach nur fliegen", grinste der 19-Jährige später, "und wenn der Ball dabei nicht reinfliegt, ist das ein Bonus." Das Spiel nahm Fahrt auf, als Blues-Flügelflitzer Igor Skrtel zweimal gefährlich auftauchte (30., 45.), aber noch scheiterte. Nomads-Coach - der Name darf aus Datenschutzgründen ungenannt bleiben, aber seine Gestik verriet alles - wirkte zunehmend unruhig. "Wir haben gut gestanden, aber schlecht gespielt", erklärte er hinterher mit jener Logik, die nur Fußballtrainer verstehen. Dann kam die 46. Minute - und mit ihr der Dosenöffner. Cesc Moutinho, 24 Jahre jung und mit der Selbstsicherheit eines Mannes, der nie kalte Füße hat, zog von rechts nach innen und schlenzte den Ball nach Zuspiel von Tobias Werner ins lange Eck. 1:0 Holyhead - und plötzlich war Leben in der Bude. Moutinho rannte jubelnd Richtung Gästeblock und rief (laut Lippenlesern): "Das war für alle, die sagen, ich passe nie ab!" Werner, der Vorlagengeber, grinste nur: "Ich hätte auch selbst geschossen, aber Cesc hat lauter geschrien." Connahs Quay versuchte zu antworten, aber die Angriffe versandeten meist irgendwo zwischen Mittelkreis und gegnerischem Strafraum. Die Nomads schossen insgesamt nur dreimal aufs Tor - ein Wert, der in etwa dem entspricht, was man bei einem Freundschaftsspiel gegen die eigene U19 erwarten würde. Die Blues dagegen hielten das Tempo hoch. In der 55. Minute war es dann Jake Lancaster, der alte Fuchs im Sturm, der das Spiel endgültig entschied. Nach feinem Zuspiel von - richtig geraten - Moutinho drosch der 34-Jährige den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. "Ich wollte eigentlich flanken", sagte Lancaster später mit einem Augenzwinkern, "aber der Ball hat sich anders entschieden." Ab da kontrollierten die Blues das Geschehen, auch wenn sie noch reichlich Gelegenheiten liegen ließen. Holyhead kam am Ende auf satte 14 Torschüsse - fast fünfmal so viele wie der Gegner. Nicolas Theunis sah in der 37. Minute Gelb, weil er, wie er selbst erklärte, "den Ball treffen wollte, aber der Ball wollte nicht". Trainer Jürgen Steinmetz nahm das gelassen: "Ich mag’s, wenn meine Jungs zeigen, dass sie leben." Steinmetz’ Humor dürfte ihm leichtgefallen sein - schließlich stand sein Team zu diesem Zeitpunkt schon klar auf der Siegerstraße. Die Nomads hingegen wirkten zunehmend ratlos. Ein paar harmlose Abschlüsse von Divic (80.) und Ximenis (82.) waren das höchste der Gefühle, ehe der Schlusspfiff Erlösung brachte. Im Publikum hörte man ein paar Pfiffe, aber auch Applaus - vielleicht für die Erkenntnis, dass es nur besser werden kann. "Wir müssen ruhiger bleiben, wenn’s eng wird", sagte Kapitän Milan Divic nach dem Spiel. "Und vielleicht öfter aufs Tor schießen", ergänzte er, was die anwesenden Journalisten eifrig notierten. So steht am Ende ein verdienter 2:0-Auswärtssieg für die Holyhead Blues - mit Moutinho als überragendem Mann des Abends und Lancaster als eiskaltem Vollstrecker. Die Nomads dagegen müssen sich fragen, ob 50 Prozent Ballbesitz wirklich ein Erfolg ist, wenn man den Ball nie im Netz sieht. Oder, um es mit Coach Steinmetz zu sagen: "Wir haben heute kein Feuerwerk abgebrannt - aber wir haben das Streichholz gefunden." Ein Satz, der den Nomads Mut machen könnte. Wenn sie beim nächsten Spiel endlich selbst eines anzünden. 30.05.643990 04:57 |
Sprücheklopfer
Der Trainer wird uns schon auf den Boden zurückholen. Morgen wird es den längsten Waldlauf der Geschichte geben!
Jan-Aage Fjörtoft bei Eintracht Frankfurt unter Felix Magath nach einem 4:0-Sieg