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Holyhead, 12. Januar 2026 - Es war ein Montagabend, wie ihn die 37.528 Zuschauer im "Blue Shore Stadium" so schnell nicht vergessen werden. Erst schien alles auf einen dieser typischen Abende hinauszulaufen, an denen die Holyhead Blues zwar den Ball, aber nicht das Tor treffen. Doch dann kam Minute 29 - und mit ihr der Beginn einer kleinen Fußball-Geschichte über Trotz, Teamgeist und einen Henry Madigan, der seine Einwechslung in ein spätes Feuerwerk verwandelte. Dabei hatte alles so gut für die Gäste begonnen. Die Llanelli Reds, mutig von Trainer Philipp Kobler mit einer offensiven Grundordnung ins Spiel geschickt, nutzten ihre erste gute Chance: Sergio Moutinho zog in der 22. Minute aus zwanzig Metern einfach mal ab - und traf. "Ich dachte, der Ball wäre zu weit außen", murmelte Blues-Keeper Rafael Arino später, "aber er hat sich wohl anders entschieden." 0:1 - und im weiten Rund wurde es kurz still. Doch die Stille währte nicht lang. Nur sieben Minuten später stürmte Andrew Callahan nach vorn, flankiert von Lucas Simpson, der den Ball mit dem Spann in den Lauf seines Kollegen spielte. Callahan nahm Maß - und verwandelte trocken zum 1:1. Trainer Jürgen Steinmetz ballte die Faust, und die Blues spielten plötzlich, als hätten sie eben erst gemerkt, dass man Tore auch schießen darf. Fünf Minuten später krönte Noah Barbier eine starke Kombination über Tobias Werner mit dem 2:1. "Ich hab einfach nur instinktiv geschossen", grinste Barbier später. "Und gehofft, dass der Torwart gerade an was anderes denkt." In der Pause wirkte Llanelli bemüht, aber ratlos. Sie hatten mit knapp 50,5 Prozent Ballbesitz zwar etwas mehr vom Spiel, doch die Blues hatten das, was wirklich zählt: Zielstrebigkeit. 17 Torschüsse der Gastgeber gegenüber nur 7 der Gäste sprachen eine deutliche Sprache. Die zweite Halbzeit begann mit viel Mittelfeldgeplänkel, körperbetont, aber ohne übermäßige Härte - bis Enrique Blanco in der 72. Minute Gelb sah, nachdem er den flinken Manfred Kunz etwas zu herzlich am Trikot festhielt. "Das war nur ein freundschaftlicher Gruß", scherzte Blanco später. Trainer Steinmetz reagierte prompt, brachte Oliver Dunne für den Gelbbelasteten und kurz darauf Henry Madigan für den ausgepumpten Callahan. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte. In der 84. Minute kam Ramon Vaz nach Vorarbeit von Madigan zum Schuss - 3:1. Das Stadion bebte. Und als Madigan selbst nur zwei Minuten später nach Vorlage von Tzipi Itzhaki das 4:1 markierte, schien Holyhead in einen kollektiven Freudentaumel zu verfallen. Der junge Vaz sagte nach dem Spiel: "Henry hat gesagt: ’Lauf einfach mit, der Ball findet dich.’ Und das tat er dann auch." Trainer Steinmetz war nach Schlusspfiff sichtbar zufrieden - und leicht spöttisch: "Wir haben heute gesehen, dass Ballbesitz kein Selbstzweck ist. Man darf ihn ruhig mal loswerden - vorzugsweise Richtung gegnerisches Tor." Sein Gegenüber Kobler wirkte dagegen bedient: "Wir wollten mutig spielen, aber manchmal ist Mut eben, einfach hinten dichtzumachen." Statistisch betrachtet war das Spiel eine kleine Lehrstunde in Effizienz. Die Blues nutzten vier ihrer 17 Abschlüsse, während die Reds aus sieben Versuchen nur einmal trafen. Ballbesitz, Passquote, Laufleistung - alles schön und gut, aber am Ende, so sagte es Steinmetz mit einem Augenzwinkern, "zählt halt, wer den Ball ins Netz bekommt. Und das waren heute glücklicherweise wir." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehendem Applaus und Gesängen, die noch lange nach Abpfiff durch die kalte Küstenluft hallten. Und irgendwo in der Kabine soll Steinmetz, so verriet ein Betreuer augenzwinkernd, zu seinem Assistenten gesagt haben: "Wenn Henry immer so spielt, fange ich an, meine Wechsel früher zu machen." Ein Abend, der zeigt: In Holyhead wird wieder gelacht, gejubelt - und vor allem getroffen. Die Blues sind zurück, und die Liga ist gewarnt. 26.05.643987 10:45 |
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