Canadian Soccer
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Blues zerlegen Reds: Quebec tanzt, Kamloops taumelt

Es war ein Abend, an dem die Sonne über Kamloops unterging - und mit ihr die Hoffnungen der heimischen Reds. Die Quebec Blues fegten am 24. Spieltag der 1. Liga Kanada mit einem 5:0 (2:0) über die Gastgeber hinweg, als hätten sie etwas zu beweisen. 27.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das sich für die meisten von ihnen wohl anfühlte wie ein sehr langer Zahnarzttermin - schmerzhaft, aber man konnte nicht wegsehen.

Schon die ersten Minuten deuteten an, was folgen sollte: Quebecs Angriffsreihe, jung, schnell, frech, spielte die Reds schwindelig. Bereits in der 10. Minute klingelte es das erste Mal: Der 18-jährige Agustin Mendes, ein Linksfuß mit der Unschuld eines Schulbuben und der Präzision eines Chirurgen, zirkelte den Ball nach Vorarbeit von Dominique Whitman ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Mendes später, "und gehofft, dass niemand merkt, dass ich eigentlich zielen wollte."

Während Quebec ruhig und konzentriert auftrat, wirkte Kamloops nervös, fahrig, ja fast schon höflich - als wollten sie den Gästen nicht zu nahetreten. Trainer Gerd Froebe von den Blues stand derweil seelenruhig an der Seitenlinie, Hände in den Taschen, und nickte zufrieden, wenn seine Mannschaft wieder einmal wie im Training kombinierte. "Wir wollten einfach Spaß haben", meinte er hinterher trocken. Spaß hatten sie. Und zwar jede Menge.

In der 34. Minute folgte das 0:2: Ein blitzschneller Doppelpass zwischen Mendes und Bradley Morin, ebenfalls 18, endete mit einem satten Schuss ins rechte obere Eck. Kamloops-Keeper Jason Kopp streckte sich vergeblich - und sah dabei noch am besten aus seiner Defensive aus. Zur Halbzeit stand es 0:2, und die Reds-Fans hofften auf ein Wunder. Stattdessen kam die zweite Halbzeit.

Kaum war der Pausentee verdaut, legten die Blues wieder los. In der 47. Minute traf Guillaume Williamson, bedient von Joao Godino, zum 0:3. Eine Minute später erhöhte erneut Mendes auf 0:4 - wieder nach Vorlage von Godino. Der junge Flügelspieler war an diesem Abend pfeilschnell und unberechenbar. "Ich weiß gar nicht, wie oft ich den Ball hatte", lachte Godino nach dem Spiel. "Aber ich glaube, jedes Mal ist was Gutes passiert."

Die Reds dagegen wirkten, als hätten sie die falschen Schuhe an. Drei kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten, 36,8 Prozent Ballbesitz - das sind Zahlen, die mehr sagen als jede Taktikanalyse. Der Versuch, offensiv zu agieren, endete meist mit einem Fehlpass oder einem Konter. Laurens Vedder, der einsame Mittelstürmer, schoss in der 16., 74. und 93. Minute aufs Tor - das war’s. "Ich hab irgendwann angefangen, die Minuten zu zählen", gab er mit einem gequälten Lächeln zu.

Dass es am Ende bei fünf Gegentoren blieb, war fast schon schmeichelhaft. In der 69. Minute setzte Bradley Morin mit seinem zweiten Treffer den Schlusspunkt. Wieder war Williamson der Vorlagengeber - und die Reds schauten zu, als wären sie eingefroren. Nur zwei Gelbe Karten für Kamloops (Bossong in der 14., Müller in der 80.) zeugten davon, dass wenigstens ein bisschen Widerstand vorhanden war.

Nach dem Abpfiff wirkte Froebe entspannt, fast väterlich. "So ein Spiel darf man nicht überbewerten", sagte er, "aber man darf es genießen." Auf der anderen Seite stand ein konsternierter Kamloops-Coach, der nur murmelte: "Wir haben alles versucht. Leider war das offenbar nicht genug."

Statistisch gesehen war es ein Klassenunterschied: 24 Schüsse auf das Tor der Reds, 63 Prozent Ballbesitz, überlegene Zweikampfquote. Quebec spielte, als hätten sie einen eigenen Ballbesitzvertrag mit der Liga abgeschlossen. Kamloops dagegen wirkte, als wäre der Ball ein gefährlicher Gegenstand, den man besser schnell wieder loswird.

Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus - vielleicht auch aus Mitleid. Ein älterer Zuschauer meinte beim Hinausgehen: "Ich bin seit 30 Jahren hier. Aber so was hab ich selten gesehen. Leider."

Am Ende bleibt ein klarer Befund: Quebec Blues sind in dieser Form ein Spitzenteam - diszipliniert, kreativ, selbstbewusst. Kamloops Reds hingegen müssen schleunigst an ihrer Defensive arbeiten, sonst wird der Rest der Saison ein sehr langer Ritt durch den kanadischen Fußballwinter.

Oder, wie Lewis MacLaren von den Blues es mit einem Augenzwinkern formulierte: "Wir wollten eigentlich nur Musik machen - aber anscheinend war’s ein ganzes Konzert."

Und die Reds? Nun, sie hörten zu. Bis zum bitteren Ende.

05.04.644000 00:42
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