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Es war ein lauer Sommerabend in Petah Tikva, aber auf dem Rasen brannte die Luft. 27.000 Zuschauer im Stadion der Petah Blues sahen ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst - außer man trägt Gelb. Die Herzliya Yellows erlebten beim 0:9 (0:4) ein Debakel, das irgendwo zwischen Slapstick und sportlicher Tragödie rangierte. Schon nach 60 Sekunden war klar, wohin der Abend führt. David Lopez, der rechte Mittelfeldarbeiter mit dem Gemüt eines Torjägers, hämmerte das Leder nach Vorarbeit von Baltsar Karlson in die Maschen. 1:0 - und Herzliya hatte noch nicht einmal die Schuhe richtig geschnürt. "Ich dachte, wir wären noch beim Warmmachen", murmelte Trainer Kula Shaker später mit leerem Blick. Nur sechs Minuten später drehten die beiden Hauptdarsteller die Rollen um: Karlson traf nach Vorlage von Lopez. Und weil’s so schön war, wiederholten sie das Ganze gleich fünf Minuten später - 3:0 in der 12. Minute. Der Stadionsprecher kam kaum mit dem Ansagen hinterher, während die Yellows schon sichtlich darum beteten, dass jemand den Stecker zieht. Als Rodion Sytschow in der 14. Minute nach Pass von Karlson das 4:0 erzielte, liefen die Blues endgültig wie im Training. Ironischerweise hatte Herzliya zu diesem Zeitpunkt sogar mehr Ballbesitz (am Ende 55 Prozent), aber jede Aktion wirkte wie ein Bewerbungsschreiben für die nächste Comedyserie. "Wir wollten offensiv spielen, mutig auftreten", erklärte Shaker nach dem Spiel. "Aber ehrlich gesagt, war das mehr Offenheit als Offensive." Der Reporter nickte verständnisvoll. Was soll man da auch sagen? Im zweiten Durchgang wurde es nicht besser - zumindest nicht für die Gäste. Die Blues hatten 21 Torschüsse, die Yellows nur vier. Und obwohl Petah laut Statistik mit 44 Prozent Ballbesitz auskam, war die Effizienz von galaktischem Niveau. In der 68. Minute netzte Sytschow erneut ein, diesmal nach Vorlage von Lopez - derselben Lopez, der später noch einmal selbst traf. Zehn Minuten später wiederholte sich das Schauspiel: Sytschow, Lopez, Tor - das heilige Dreieck dieses Abends. In der 79. Minute durfte Karlson dann noch einmal ran, natürlich wieder nach Zuspiel von Lopez. Der Schwede grinste nach seinem Hattrick: "Ich wollte eigentlich defensiv stehen. Aber wenn die mich nicht decken, kann ich ja schlecht nein sagen." Herzliya versuchte es mit Wechseln: Henriquez raus, Sapir rein; später durfte sogar Ersatzkeeper Rafael Tal in der 89. Minute ran - als Symbol der Resignation. Torwart Barbu hatte da schon acht Mal hinter sich gegriffen und wirkte beim letzten Gegentor, dem 9:0 durch Lopez (88.), wie ein Mann, der innerlich längst am Strand liegt. "Das war keine Fußballvorstellung, das war ein Kunstprojekt", scherzte Petah-Trainer Marko Djurdjevic nach Abpfiff. "Wir haben uns vorgenommen, präzise zu spielen - und Baltsar und David haben das irgendwie übererfüllt." Die Fans feierten jeden Pass. Selbst die gelben Karten - drei für Herzliya, zwei für Petah - gingen im Jubelrausch unter. Lopez’ letzter Treffer war die Krönung eines Abends, an dem alles funktionierte. Der Ball lief, die Zuschauer sangen, und Herzliya stolperte über die eigenen Ambitionen. "Ich habe selten so ein Spiel gesehen, in dem eine Mannschaft mit mehr Ballbesitz so chancenlos war", sagte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions und fasste damit wohl 27.000 Meinungen zusammen. Die Blues stehen nach diesem 9:0 nun mit breiter Brust da - und wahrscheinlich mit Muskelkater vom Jubeln. Die Yellows dagegen müssen sich fragen, ob "offensiv" wirklich die richtige Taktik war, wenn man acht Gegentore aus Kontern kassiert. Am Ende verabschiedete sich Karlson mit einem Augenzwinkern: "Wir hätten auch zehn machen können - aber wir sind gute Gastgeber." Ein Abend voller Tore, Ironie und Selbstbewusstsein - und ein Spiel, das in Herzliya wohl noch lange Albträume beschert. 04.12.644002 14:44 |
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