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Ein Dienstagabend in London, 20:30 Uhr, Flutlicht an, 33.617 Zuschauer im Stadion, ein Hauch von Frost in der Luft - und zwei Mannschaften, die offenbar beschlossen hatten, dass Verteidigen etwas für andere ist. Die "London Blues" empfingen am 4. Spieltag der 1. Liga England die "Manchester Devils", und das Duell hielt, was die Namen versprachen: Drama, Tempo, und ein bisschen Chaos. Am Ende jubelten die Gäste mit 3:2 (2:2) - ein Ergebnis, das so eng war wie die Nerven von Heimtrainer Guido Träger in der Schlussphase. Die Partie begann, wie man sich ein englisches Fußballspiel wünscht: ohne großes Geplänkel, aber mit einem lauten Knall. Schon in der 11. Minute zappelte der Ball im Netz der Blues - Jamie Kirwan, der Mittelfeldmotor der Devils, schob nach feinem Zuspiel von Jean-Pierre Bettencourt eiskalt ein. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt. Wenn du da anfängst, nachzudenken, ist der Moment vorbei", grinste Kirwan nach dem Spiel. Doch wer dachte, die Blues würden sich vom frühen Rückstand beeindrucken lassen, irrte gewaltig. Sie konterten wie aus dem Lehrbuch: In der 18. Minute bediente Antonio Quaresma den flinken Nick Kohl, der den Ball präzise ins rechte Eck drosch. Acht Minuten später drehte Azmi Ehrlich die Partie mit einem wuchtigen Schuss nach Vorarbeit - natürlich - von Kohl. Das Stadion tobte, und Coach Träger klatschte so begeistert, dass sein Notizblock auf die Trainerbank segelte. "Ich dachte, wir hätten sie da, wo wir sie haben wollten", sagte er später mit trockenem Humor. "Leider dachten die Devils das auch." Denn Manchester blieb ungerührt. Nur sechs Minuten nach Ehrlichs Treffer stellte Asen Christow den Ausgleich her - nach feinem Pass von Agafon Swetlow. 2:2 nach nur 28 Minuten - da war den Zuschauern klar, dass sie ihr Eintrittsgeld nicht umsonst gezahlt hatten. Die zweite Halbzeit begann etwas gemächlicher. Vielleicht, weil beide Trainer ihre Spieler daran erinnerten, dass es auch eine Defensive gibt. Trotzdem blieben die Devils das aktivere Team. 13 Torschüsse insgesamt, fast doppelt so viele wie die Blues (6) - die Statistik sprach eine deutliche Sprache. Besonders Mika Kuqi, der bullige Mittelstürmer der Gäste, prüfte mehrfach Torwart Franck Besserer, der in der 71. Minute für den jungen Leo Wyler Platz machte - vermutlich, weil Besserer nach dem Dauerbeschuss eine Pause brauchte. "Ich hab Leo gesagt, er soll einfach den Ball sehen und aufhören, ihn durchzulassen", witzelte Träger später. Wyler machte seine Sache ordentlich, war aber machtlos, als in der 86. Minute die Entscheidung fiel: Manuel Pastorino, der unermüdliche Mittelfeldmann der Devils, hämmerte eine Hereingabe von Bettencourt ins Netz. 3:2 für Manchester - und diesmal blieben die Blues die Antwort schuldig. Die Schlussminuten boten noch reichlich Nervenfutter. Quaresma versuchte es in der 88. Minute mit einem Schuss aus der Distanz, doch Devils-Keeper Amram Hanegbi tauchte blitzschnell ab. "Der Ball war heiß genug, um mir die Handschuhe zu verbrennen", lachte Hanegbi später - ein Lachen, das nach Sieg schmeckte. Statistisch gesehen war das Spiel ein Musterbeispiel für knappe Überlegenheit: 51 Prozent Ballbesitz, etwas bessere Zweikampfquote, mehr Offensivdrang - die Devils waren einfach die etwas bissigere Mannschaft. Eine gelbe Karte für Logan Nolan (76.) war das einzige echte Ärgernis im Team von Trainer Reto Klopfenstein, der nach Abpfiff zufrieden in die Kameras grinste: "Wir haben nie aufgehört, an das dritte Tor zu glauben. Und wenn du glaubst, gewinnst du. Sagt zumindest mein Psychologe." Bei den Blues dagegen mischten sich Enttäuschung und Trotz. Azmi Ehrlich, Mann des ersten Durchgangs, murmelte: "Wenn du zwei Tore machst und trotzdem verlierst, dann willst du am liebsten den Rasen essen." Träger nickte und fügte hinzu: "Wir haben offensiv gezeigt, was wir können, aber Manchester hat in den entscheidenden Momenten einfach mehr Biss gehabt - und vielleicht auch mehr Glück." So endet ein Abend, der alles bot, was der englische Fußball liebt: Kampf, Drama, Leidenschaft - und ein spätes Tor, das noch lange in den Ohren der Heimfans nachhallen dürfte. Fazit: Die Devils stehlen den Blues die Show - und drei Punkte. Und während die Londoner grübeln, ob "defensiv" wirklich die richtige Taktik war, feiern die Gäste ihren Sieg mit jenem typisch nordenglischen Understatement, das in Wahrheit "Wir sind die Besten" bedeutet. Oder, wie Klopfenstein es ausdrückte, bevor er in den Teambus stieg: "Ein schöner Abend. Jetzt ein Bier. Oder zwei." 03.07.643990 17:03 |
Sprücheklopfer
Wir wollen uns von Spiel zu Spiel konzentrieren und die Tordifferenz verringern.
Christoph Daum