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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst die kühnsten Drehbuchautoren nicht erfinden würden. Beim 0:2 (0:0) zwischen dem FC Sonthofen und Borussia Emsdetten am 34. Spieltag der Verbandsliga J waren es nämlich ausgerechnet zwei Innenverteidiger, die den Unterschied machten. Dagfinn Berg und Jon Hästad trafen - und das in einem Spiel, das eher nach Dauerbelagerung als nach offenen Schlagabtausch roch. 2.649 Zuschauer hatten sich an diesem lauen Aprilabend im Sonthofer Stadion eingefunden, in der Hoffnung, ihre Mannschaft möge den Saisonendspurt mit etwas Glanz veredeln. Doch schon nach wenigen Minuten war klar: Der Glanz blieb in der Kabine. Während sich die Sonthofer Offensivbemühungen meist im Ansatz verliefen, bauten die Gäste aus Emsdetten ihren Ballbesitz - stolze 60 Prozent - wie ein Uhrwerk auf. "Wir wollten eigentlich früh pressen", erklärte Sonthofens Torwart Detlev Rodriguez nach dem Spiel schulterzuckend. "Aber irgendwie haben die anderen das mit dem ’früh’ anders verstanden." Tatsächlich stand der FC Sonthofen tief, obwohl die taktischen Anweisungen laut Datenlage auf "offensiv" gestellt waren. Offenbar eine dieser Situationen, in denen Theorie und Praxis getrennte Wege gehen. Emsdetten hingegen agierte clever und geduldig. Schon in der Anfangsphase schickte der 21-jährige Jesus Nagel einen Torschuss nach dem anderen über die Latte, daneben oder auf den glänzend reagierenden Rodriguez. Insgesamt 18 Abschlüsse verzeichneten die Gäste - gegen ganze zwei auf der anderen Seite. Man könnte sagen: einseitig wie ein Gespräch mit seinem Navi. Bis zur Pause blieb es beim 0:0, sehr zur Freude der Heimfans, die sich bereits mit ironischem Beifall beschäftigten. Als der Stadionsprecher die Halbzeitstatistik verlas, raunte ein älterer Herr auf der Tribüne: "Wenn wir so weitermachen, schießen wir in der 90. vielleicht aufs Tor - versehentlich." Die zweite Halbzeit begann, als hätte Emsdetten beschlossen, das Ganze nun endgültig zu beenden. In der 63. Minute war es dann soweit: Nach einer Ecke von Gustav Abelson stieg Innenverteidiger Dagfinn Berg am höchsten und köpfte wuchtig zum 0:1 ein. Es war sein erster Treffer der Saison - und vielleicht auch sein erster Kopfball, der tatsächlich ins Tor ging. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", grinste Berg später. "Vielleicht sollte ich das öfter machen." Sonthofen versuchte zu reagieren. Louis Klein prüfte in der 54. Minute Emsdettens jungen Keeper Humberto Pauleta mit einem Schuss aus spitzem Winkel - das war’s aber auch schon. Danach spielte Emsdetten die Partie so routiniert herunter, dass man fast Mitleid mit den Sonthofern bekam. In der 86. Minute fiel dann die Entscheidung: Nach einer flachen Hereingabe von Aad Van Cortlandt stocherte Jon Hästad den Ball über die Linie. Zwei Innenverteidiger, zwei Tore - Trainer Nico Wolf konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Wir haben im Training Standards geübt, aber dass die Jungs das so wörtlich nehmen, überrascht mich dann doch", sagte er und lachte. Auf der anderen Seite war die Stimmung weniger heiter. "Wir haben alles gegeben", meinte Sonthofens Stürmer Lucas Kessler, "aber manchmal ist der Ball eben rund - und manchmal bleibt er einfach stehen." Trainerkommentare gab es keine offiziellen, man munkelte aber, Coach und Mannschaft hätten sich nach dem Spiel "zu einer sehr ruhigen, sehr langen Nachbesprechung" getroffen. Statistisch gesehen war das Ergebnis fast gnädig: 18:2 Torschüsse, 57,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe und praktisch durchgehende Kontrolle im Mittelfeld. Dass Emsdetten trotzdem so lange brauchte, um den Deckel draufzumachen, lag wohl eher an der eigenen Geduld als an Sonthofens Gegenwehr. "Wenn du 90 Minuten den Ball hast, brauchst du irgendwann auch mal ein Tor", resümierte Wolf trocken. "Heute hatten wir gleich zwei - das reicht mir völlig." Zum Abschied applaudierten selbst einige Sonthofen-Fans den Gästen. Vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Erleichterung, dass es endlich vorbei war. Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt? Vielleicht nicht wegen der Spannung, aber sicher wegen seiner Ironie: Ausgerechnet zwei Abwehrspieler sorgten für die Treffer, während die Offensivkräfte mit dem Ball Freundschaft schlossen, ohne ihm weh zu tun. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions seufzte: "Manchmal ist Fußball einfach wie ein Sonntagabend-Krimi - man weiß, wer gewinnt, aber man schaut trotzdem zu." 26.02.643997 18:37 |
Sprücheklopfer
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Erich Ribbeck