Elfmeter
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Borussia Emsdetten lässt Oberneuland im Flutlicht alt aussehen

Ein kühler Aprilabend, Flutlicht im Oberneulander Stadion, 2.742 Zuschauer mit Schal, Bier und der vagen Hoffnung, dass der FC Oberneuland an diesem 26. Spieltag der Verbandsliga J mal wieder für ein kleines Fußballwunder sorgt. Doch am Ende hieß das nüchterne Resultat 0:2 - und nüchtern musste man auch sein, um das Spiel aus Heimfansicht zu ertragen. Borussia Emsdetten, jung, bissig, taktisch abgeklärt, nahm die drei Punkte mit, als hätte man sie schon vor dem Anpfiff bestellt.

Dabei hatte es gar nicht so schlecht angefangen. Bereits in der vierten Minute prüfte Mark Krauss mit einem satten Schuss den Emsdettener Keeper Frideborg Abramson - doch der 18-Jährige griff beherzt zu, als wolle er sagen: "Nicht heute, mein Freund." Und tatsächlich: Heute war nicht der Tag der Oberneulander.

Nach einer guten Viertelstunde dann der erste Nadelstich. Ein Freistoß aus dem Halbfeld, getreten von Andrea Mottafollone, segelte in den Strafraum. Innenverteidiger Eric Neville, gerade mal 19 und eigentlich für rustikale Klärungsaktionen zuständig, stieg hoch, hielt den Kopf hin - 0:1 (14.). "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner von den Großen mich umrennt", grinste er später in der Mixed Zone, während Trainer Nico Wolf ihm mit väterlichem Stolz auf die Schulter klopfte.

Oberneuland versuchte, den Rückstand mit etwas mehr Mut zu beantworten, doch Mut ersetzt keine Präzision. Drei magere Torschüsse standen am Ende zu Buche, und das sagt fast alles. Karl Heinrich hatte kurz vor der Pause noch die beste Gelegenheit, sein Schlenzer strich aber knapp am rechten Pfosten vorbei. "Wenn der reingeht, reden wir vielleicht über ein anderes Spiel", murmelte Trainer Hübner nachdenklich. Man merkte ihm an, dass er lieber über alles andere gesprochen hätte.

Die zweite Halbzeit begann, als hätte Emsdetten den Pausentee mit Espresso verfeinert. Angriff um Angriff rollte auf das Tor von Raphael Hübner zu, der mit glänzenden Paraden Schlimmeres verhinderte - bis zur 58. Minute. Da zog Janis Walther von links in den Strafraum, ließ zwei Verteidiger stehen, als wären sie Schaufensterpuppen, und schob den Ball trocken ins lange Eck. 0:2, Deckel drauf.

"Ich wollte eigentlich flanken", gab Walther später lachend zu. "Aber manchmal ist Ehrlichkeit auch das schönste Kompliment für ein Tor."

Ab da war die Partie entschieden. Emsdetten kontrollierte Ball und Gegner, hatte am Ende 18 Torschüsse und knapp 51 Prozent Ballbesitz - also fast perfekte Ausgewogenheit, nur eben in besserer Qualität. Der FC Oberneuland kämpfte, rannte, grätschte, aber meist ins Leere. Das Tackling-Verhältnis? 42 zu 58 Prozent - sinnbildlich für den Abend.

Dann wurde es kurz hitzig: In der 75. Minute musste Emsdettens Rechtsverteidiger Damiano Paola verletzt raus, für ihn kam der junge Georgi Hubtschew. Vier Minuten später flog Humberto Futre nach einem übermotivierten Einsteigen vom Platz. "Er ist 19, heißblütig und wollte zeigen, dass er kein Angsthase ist", erklärte Coach Wolf. "Leider hat er das ein bisschen zu wörtlich genommen."

Oberneuland konnte die Überzahl nicht nutzen. Nico Wolf stellte auf Fünferkette um, ließ seine Jungs tief stehen und die Minuten herunterlaufen. Die Borussia verteidigte mit jugendlicher Leichtigkeit und einer Souveränität, die man in der Verbandsliga selten sieht.

Nach dem Abpfiff war die Stimmung entsprechend gegensätzlich: Jubel auf der einen, Frust auf der anderen Seite. "Wir waren nicht spritzig, nicht mutig genug. Vielleicht auch nicht frech genug", resümierte FC-Kapitän Krauss mit einem gequälten Lächeln. "Aber hey, wenigstens hat keiner den Ball verloren, weil er ein Selfie machen wollte."

Emsdettens Trainer Wolf dagegen sprach von einem "erwachsenen Auftritt einer sehr jungen Mannschaft". Und in der Tat: Mit einem 19-jährigen Innenverteidiger als Torschütze, einem 20-jährigen Flügelspieler als Schlusspunkt und einem 18-jährigen Torwart, der nie wackelte, wirkte Borussia Emsdetten wie das Nachwuchsteam, das keiner sein will - weil es einfach zu abgeklärt spielt.

Für Oberneuland bleibt am Ende nur der Trost, dass es schlimmere Niederlagen gibt. Und vielleicht auch die Erkenntnis, dass man gegen eine Mannschaft verlieren kann, die nur halb so alt, aber doppelt so clever ist.

Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen trocken meinte: "Die Jungs von Emsdetten hätten heute auch mit verbundenen Augen gewonnen."

Ein Satz, der - man muss es leider sagen - ziemlich gut zum Abend passt.

14.11.643996 21:00
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Der Schiri kann froh sein, dass ich ihm keine geschmiert habe.
Werner Lorant
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