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Ein kalter Sonntagabend in Emsdetten, Flutlicht, 2.626 Zuschauer und ein Spiel, das lange so aussah, als könnte es auch in der örtlichen Kegelbahn stattfinden: viel Bewegung, wenig Treffer. Doch dann brach Borussia Emsdetten in den letzten zehn Minuten alle Dämme - und der BSC Brunsbüttel wurde Zeuge eines späten Offensivrauschs, der die Verbandsliga J an diesem 27. Spieltag um ein kleines Fußballmärchen bereicherte. Trainer Nico Wolf hatte seine Emsdettener auf "ausgewogen" eingestellt - so zumindest stand es im Taktikbogen. In der Realität hieß das: Dauerangriff. Schon nach vier Minuten zimmerte Innenverteidiger Dagfinn Berg den ersten Ball Richtung Gästetor. "Ich wollte nur mal sehen, ob der Rasen nass ist", grinste Berg später, der sich im Verlauf des Abends noch als tragische Figur mit Gelb-Rot verabschieden sollte. Emsdetten spielte, Brunsbüttel betete. 21 Torschüsse der Hausherren stehen am Ende null (!) auf Seiten der Gäste - eine Statistik, die man sonst nur in Trainingsspielen liest, wenn der Co-Trainer vergisst, die zweite Mannschaft aufs Feld zu schicken. Torwart Miguel Domingos bei Brunsbüttel bekam trotzdem erstaunlich viel Applaus - meist für seine Geduld. "Ich hab mich irgendwann gefühlt wie ein Verkehrsposten", meinte der 20-Jährige, "immer nur winken und hoffen, dass keiner durchfährt." Die erste Halbzeit endete 0:0, aber nicht, weil Brunsbüttel stark verteidigte. Emsdetten traf einfach das Tor nicht. "Ich hab in der Pause gesagt: Wenn wir noch länger so freundlich sind, bringt der Gegner uns Kaffee", verriet Trainer Wolf mit einem Schmunzeln. Nach dem Seitenwechsel gab es keine taktischen Revolutionen, aber man spürte: Die Borussia wollte jetzt mehr. Jesus Nagel, der energische Mittelfeldmotor, zog die Fäden, während der junge David Aubin auf der linken Seite wie ein Duracell-Hase über den Rasen rannte. Doch bis zur 83. Minute blieb es beim torlosen Dauerdrücken. Dann explodierte die Partie. Aad Van Cortlandt setzte sich über rechts durch, flankte scharf in den Rückraum - und Nagel vollendete trocken. 1:0! Der Jubel war so laut, dass selbst die Bratwurst am Grill kurz verstummte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Nagel hinterher bescheiden, "und gehofft, dass der Ball nicht wieder den Zaun trifft." Nur drei Minuten später durfte Aubin ran. Nach einem missglückten Klärungsversuch der Gäste landete der Ball bei Dagfinn Berg, der ihn mit dem Rücken zum Tor artistisch ablegte - Aubin zog volley ab. 2:0! Ein Treffer, der das Stadion in einen kleinen Ausnahmezustand versetzte. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war", gab Aubin lachend zu, "ich war zu sehr mit Jubeln beschäftigt." Doch das war noch nicht alles. In der 88. Minute schloss der 19-jährige Davib Elliot eine sehenswerte Kombination über Damiano Paola zum 3:0 ab. Drei Tore in fünf Minuten - Brunsbüttel war wie paralysiert. Gästetrainer wollte nach dem Spiel eigentlich nichts sagen, murmelte dann aber: "Wir haben uns gut bewegt - leider meistens in die falsche Richtung." Emsdettens Abwehrchef Berg gönnte sich in der Euphorie noch eine unnötige Gelb-Rote Karte, vielleicht um das Drama abzurunden. "Ich hab nur laut gejubelt", verteidigte er sich - der Schiedsrichter sah das offenbar anders. Am Ende stand ein 3:0, das so deutlich klingt, wie es war. 55 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Offensive, die sich endlich belohnte. Brunsbüttel dagegen beendete das Spiel mit der Bilanz eines Wandervereins: viel gelaufen, wenig erreicht. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur schön spielen, sondern auch treffen können", bilanzierte Coach Wolf, ehe er mit einem Augenzwinkern ergänzte: "Wenn wir jetzt noch lernen, das in der ersten Halbzeit zu machen, muss ich weniger Herztabletten nehmen." Während die Fans noch auf den Bänken tanzten, stapften die Gäste wortlos in die Kabine. Vielleicht dachten sie schon an das nächste Spiel - oder einfach nur daran, dass man manchmal auch ohne Torschuss verlieren kann. Und so bleibt vom Abend in Emsdetten ein klarer Befund: Fußball kann grausam sein, aber manchmal auch herrlich gerecht. Wer 90 Minuten lang anrennt, darf ruhig dreimal treffen - selbst wenn es erst kurz vor Schluss passiert. 07.12.643996 07:35 |
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Es ist egal, ob ein Spieler bei Bayern München spielt oder sonstwo im Ausland.
Erich Ribbeck