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Borussia Emsdetten tanzt SV Nehren aus - Geduld zahlt sich spät aus

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Ball eigentlich ein Eigenleben führt. 2.287 Zuschauer im Emsdettener Stadion sahen am Dienstagabend eine Borussia, die 90 Minuten lang dominierte, kombinierte, schoss - und zunächst verzweifelte. Am Ende aber stand ein verdienter 2:0‑Sieg gegen den SV Nehren, der nur kurzzeitig so tat, als könne er hier etwas mitnehmen.

Trainer Nico Wolf hatte seine Jungs defensiv eingestellt, was angesichts von 23 Torschüssen durchaus paradox klingt. Aber Wolfs "defensiv" heißt offenbar: Ball haben, Gegner laufen lassen, und irgendwann fällt schon einer rein. In der ersten Hälfte allerdings hätte man meinen können, die Emsdettener hätten das Tor aus den Augen verloren. Eric Neville, der Innenverteidiger mit der Schusshaltung eines Mittelstürmers, prüfte in Minute fünf den Gästetorwart Jaroslav Fenin - und eröffnete damit ein einseitiges Feuerwerk. Vicente Jorge, Xabi Panero, Ricardo Quintana - sie alle reihten sich in die Liste der Chancenverwerter ein.

"Ich dachte, der Ball sei verflucht", lachte Wolf nach Abpfiff, "wir hätten eine Stunde weiterschießen können, und er wäre trotzdem nicht reingegangen."

Auch Nehren hatte zwei zaghaft formulierte Lebenszeichen - in der 20. Minute durch Jannik Hennig und kurz vor der Pause durch Philip Wiese, dessen Schuss allerdings näher an der Eckfahne endete als am Tor. Ansonsten: viel Schatten. 37 Prozent Ballbesitz sind eine höfliche Umschreibung für "wir kamen kaum über die Mittellinie".

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Borussia drückte, Nehren verteidigte, und irgendwo auf der Tribüne rief ein Fan: "Noch zehn Schüsse, dann klappt’s!" Er sollte recht behalten, zumindest fast.

In der 76. Minute war es endlich soweit: Valter Björklund, der bis dahin eher als Taktgeber im Mittelfeld aufgefallen war, fasste sich ein Herz. Nach einem feinen Zuspiel von Gustav Abelson zog er aus 20 Metern ab - und der Ball schlug unhaltbar im rechten Winkel ein. Fenin streckte sich, sah gut aus, kam aber zu spät. 1:0, und das Stadion atmete kollektiv auf.

Björklund grinste nach dem Spiel: "Ich hab’s einfach mal probiert. Vielleicht, weil ich keine Lust mehr auf Verlängerung hatte."

Doch Borussia hatte noch nicht genug. In der 85. Minute, als Nehren längst auf dem Zahnfleisch kroch, setzte Abelson erneut zum Sprint über die linke Seite an. Seine Hereingabe fand Vicente Jorge, der den Ball artistisch mitnahm und aus spitzem Winkel zum 2:0 abschloss. Es war die Krönung einer Vorstellung, die längst entschieden war - auch wenn der Ballbesitzwert von 62,6 Prozent weit höher klang, als sich die Gästespieler fühlten.

"Da kam man sich vor wie im Kreisverkehr", stöhnte Nehrens Kapitän Nick Ullrich. "Egal, wohin du gelaufen bist - da stand schon wieder einer in Schwarz‑Grün."

Die letzten Minuten verliefen dann so, wie es sich für ein Spiel mit klarer Rollenverteilung gehört: Emsdetten spielte den Ball, Nehren die Uhr. Zwei Gelbe Karten für die Gäste - Lennard Behrens und Hermann Beier - waren eher Ausdruck von Frust als von Hoffnung. Auch Xabi Panero und Vincent Arnaud auf Emsdettener Seite sahen Gelb, was Trainer Wolf mit einem Schulterzucken kommentierte: "Wenn du 90 Minuten lang den Ball hast, bist du halt manchmal auch im Weg."

Statistisch war der Abend ohnehin eine Demonstration: 23:2 Torschüsse, 57,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe, ein Torwart Humberto Pauleta, der sich bei der Kälte wohl mehr über Unterforderung als über Gegentore ärgerte. "Ich hab mir in der 70. Minute Handschuhe geholt - aus Langeweile", grinste der Keeper in der Kabine.

So endet ein Spiel, das Emsdetten Mut für den weiteren Saisonverlauf gibt. Zwei Spiele, zwei Siege, null Gegentore - das lässt sich sehen. Nehren hingegen reist mit der Erkenntnis ab, dass man auch mit "balancierter" Taktik in der Statistik untergehen kann.

Am Ausgang scherzte ein älterer Fan: "Wenn die so weitermachen, brauchen wir bald ein größeres Stadion." Und vielleicht hat er recht - zumindest, wenn Borussia Emsdetten weiterhin so geduldig und zugleich unterhaltsam Fußball spielt.

Oder, wie Valter Björklund es zusammenfasste: "Wir hätten auch 5:0 gewinnen können - aber dann wäre’s ja langweilig geworden."

23.11.643993 05:55
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Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
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