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Wenn ein 3:0 so leichtfüßig aussieht, dass man sich fragt, ob der Gegner überhaupt im selben Stadion war, dann hat Borussia Emsdetten einen dieser Abende erwischt. 2468 Zuschauer sahen am Montagabend beim 15. Spieltag der Verbandsliga J eine Emsdettener Mannschaft, die den Laupheimer SC phasenweise schwindlig spielte - und das, obwohl sie ab der 63. Minute in Unterzahl agierte. "Ich hab den Jungs vor dem Spiel gesagt: Wir spielen heute defensiv - aber nur, wenn wir den Ball nicht haben", grinste Trainer Nico Wolf nach dem Spiel, der bei minus drei Grad an der Seitenlinie so entspannt wirkte, als würde er eine Tasse Tee halten statt die Geschicke einer entfesselten Mannschaft lenken. Von Defensive war jedenfalls wenig zu sehen. Bereits nach wenigen Minuten rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Laupheims Keeper Christian Eckert, der sich an diesem Abend als vielbeschäftigter Mann herausstellen sollte. Ganze 28 Mal feuerten die Emsdettener auf sein Tor - ein Wert, den man sonst eher aus Eishockey-Statistiken kennt. Laupheim kam dagegen auf einen einzigen mageren Schussversuch. "Also, wir haben uns vorgenommen, hinten kompakt zu stehen. Das haben wir auch geschafft - nur leider zu gut, wir standen alle hinten", kommentierte Gästetrainer mit Galgenhumor. Das 1:0 fiel in der 25. Minute, als Humberto Futre, der flinke Portugiese auf der linken Seite, nach Zuspiel von Jesus Nagel beherzt abzog. Der Ball zappelte im Netz, und der Stadionsprecher kam kaum hinterher, die Namen richtig auszusprechen. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Futre später, "Jesus hat mir den Ball perfekt aufgelegt - im wahrsten Sinne des Wortes." Emsdetten spielte weiter auf ein Tor, doch kurz nach der Pause wurde es kurz chaotisch. Erik Böhme kassierte Gelb, Jesus Nagel folgte wenig später - und als er in der 63. Minute erneut zu spät kam, durfte er mit Gelb-Rot unter die Dusche. Statt Nervosität zeigte Emsdetten allerdings eine Art trotziges Selbstbewusstsein. "Wir wollten beweisen, dass wir auch zu zehnt mehr Ballbesitz haben können", lachte Kapitän Xabi Panero. Und tatsächlich: 62 Prozent Ballbesitz standen am Ende auf dem Statistikzettel. Das 2:0 in der 73. Minute war dann eine kleine Fußballperle. Rechtsverteidiger Georgi Hubtschew startete durch, bekam den Ball von Davib Elliot in den Lauf und schlenzte ihn ins lange Eck. Ein 18-Jähriger, der aussieht, als würde er noch die Abi-Prüfungen vor sich haben, traf, als hätte er in der Champions League debütiert. "Ich hab einfach nicht nachgedacht", meinte Hubtschew. "Vielleicht sollte ich das öfter lassen." Laupheim? Versuchte es mit "offensiver Grundausrichtung", wie es im Taktikprotokoll stand. In der Realität sah das eher nach kontrollierter Resignation aus. Ein einziger Schuss von Marco Böhm in der 86. Minute - mehr war nicht drin. Und kurz vor Schluss machte Emsdetten endgültig den Deckel drauf: In der 90. Minute zirkelte Panero den Ball nach Vorlage von Hubtschew zum 3:0 ins Netz. Die Fans tobten, der Trainer klatschte einmal, dann zog er die Mütze tiefer ins Gesicht - Routine. Selbst der Schiedsrichter hatte noch seinen großen Moment, als er in der 91. Minute Laupheims Niklas Kolb nach wiederholtem Foulspiel ebenfalls mit Gelb-Rot vom Platz schickte. "Da hätten wir uns wenigstens in Unterzahl auf Augenhöhe begegnen können", kommentierte ein Emsdettener Fan augenzwinkernd von der Tribüne. Nach Abpfiff war die Stimmung entsprechend ausgelassen. Die jungen Wilden aus Emsdetten hatten nicht nur gewonnen, sondern sich auch auf charmante Weise Respekt verschafft. "Das war erwachsen", lobte Trainer Wolf. "Und das mit einem Altersdurchschnitt, bei dem man in manchen Ländern noch nicht mal Auto fahren darf." Für Laupheim bleibt nur die Erkenntnis, dass Offensivdrang auf dem Papier nicht automatisch Tore garantiert. "Wir haben viel vorgehabt", sagte Kapitän Marco Böhm, "aber Emsdetten hatte einfach keine Lust, uns den Ball zu geben." Ein Abend, der in Emsdetten noch für Gesprächsstoff sorgen wird - und vielleicht auch für ein paar neue Spitznamen. Denn wer zu zehnt 3:0 gewinnt, darf sich ruhig mal "Borussia Barcelona" nennen. Oder wie es ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions formulierte: "Wenn das defensiv war, möchte ich nicht wissen, wie die spielen, wenn sie offensiv eingestellt sind." 02.05.643994 08:47 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts