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Borussia Emsdetten zerlegt Fortuna Glückstadt - und bleibt dabei erstaunlich defensiv

Es war ein kühler Dienstagabend in Glückstadt, und 2829 Zuschauer kamen, um zu sehen, was man wohlwollend als "Verbandsliga-Fußball mit Herz" bezeichnen könnte. Am Ende sahen sie allerdings vor allem eines: eine überforderte Fortuna, die von Borussia Emsdetten mit 0:3 abgefertigt wurde - und das, obwohl die Gäste offiziell in einer "defensiven Ausrichtung" angetreten waren. "Wenn das defensiv war, will ich gar nicht wissen, wie die offensiv aussehen", murmelte ein Fortuna-Fan beim Verlassen des Stadions.

Dabei begann alles noch recht harmlos. Glückstadt stemmte sich in der ersten Halbzeit tapfer gegen die schwarz-grüne Angriffswalze. Emsdetten schoss aus allen Lagen - 25 Torschüsse insgesamt, um genau zu sein - aber Torwart Kevin Weller hielt, was zu halten war. Und manchmal auch das, was eigentlich gar nicht zu halten war. "Ich hatte irgendwann den Eindruck, die schießen nur, um mir was zu tun zu geben", lachte Weller nach dem Spiel, sichtlich erschöpft, aber mit der ihm eigenen Ironie.

Die Gäste dagegen wirkten, als hätten sie in der Kabine eine Wette laufen: Wer schießt zuerst vorbei? Vicente Jorge, der 19-jährige Mittelstürmer aus Spanien, scheiterte früh gleich mehrfach. "Ich dachte, das Tor sei größer", grinste er später, "aber in Glückstadt scheint man kleinere Tore zu haben."

Nach dem Seitenwechsel wurde es dann ernst. In der 64. Minute endlich das längst fällige 0:1: Davib Elliot, erst 19 und mit der Ruhe eines 30-Jährigen, zog nach feiner Vorarbeit von Xabi Panero aus der zweiten Reihe ab - und diesmal war selbst Weller machtlos. Der Ball schlug präzise unten rechts ein, und der Jubel aus der kleinen Emsdettener Fanecke klang, als hätte man gerade den Aufstieg klargemacht. Trainer Nico Wolf klatschte nur kurz, drehte sich dann zu seinem Banknachbarn und meinte trocken: "Ich hab’s ihm vor dem Spiel gesagt - einfach mal draufhalten."

Fortuna versuchte, zu reagieren, aber mit einem einzigen Torschuss im gesamten Spiel war das Angriffsspiel eher symbolischer Natur. Kurt Friedrich, der 34-jährige Routinier im Sturm, hatte in der 46. Minute die einzige Chance, schob aber den Ball direkt in die Arme des Gästekeepers Humberto Pauleta. "Ich wollte ihn elegant machen", erklärte Friedrich später, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne."

Emsdetten ließ nicht locker. In der 79. Minute erhöhte Vicente Jorge nach Paneros zweiter Vorlage auf 0:2 - ein klassisches Tor des Willens, wenn man so will. Jorge setzte sich gegen zwei Verteidiger durch, stolperte beinahe über seine eigenen Füße, aber brachte den Ball dann irgendwie über die Linie. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später zu, "aber naja - Tor ist Tor."

Spätestens jetzt war Fortuna gebrochen. Die Beine schwer, die Köpfe leer, das Stadion still. Nur die Emsdettener Bank hüpfte ausgelassen, als Ricardo Quintana in der 87. Minute den Schlusspunkt setzte. Ein sauberer Abschluss nach feinem Doppelpass mit Davib Elliot - 0:3, und damit endgültig Feierabend für Glückstadt.

Trainer Nico Wolf war nach dem Spiel zufrieden, aber nicht euphorisch. "Wir haben unser Ding gemacht, ruhig geblieben, Chancen genutzt - so gewinnt man auch auswärts." Auf die Frage nach der gelben Karte für seinen 17-jährigen Linksverteidiger Erik Böhme grinste er: "Er ist jung, er wollte zeigen, dass er da ist. Nächstes Mal vielleicht etwas weniger deutlich."

Fortuna-Coach - der nach dem Spiel sichtlich um Fassung rang - sagte nur: "Manchmal läuft’s halt so. Wir hatten einfach keinen Zugriff. Und wenn du so wenig Ballbesitz hast, brauchst du wenigstens schnelle Beine - die hatten wir heute wohl nicht dabei."

Die Statistik sprach ohnehin eine klare Sprache: 58 Prozent Ballbesitz für Emsdetten, 25:1 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Zahlen, die so eindeutig sind, dass man fast Mitleid mit Glückstadt bekommt.

Als die Flutlichtanlage um 22 Uhr erlosch, stand es längst fest: Borussia Emsdetten hatte Fortuna Glückstadt nicht nur besiegt, sondern regelrecht auseinandergenommen - mit jugendlicher Leichtigkeit, taktischer Disziplin und einer Spielfreude, die man in dieser Liga selten sieht.

Ob Fortuna daraus etwas lernt? "Klar", sagte Torwart Weller zum Abschied, "nächstes Mal schießen wir vielleicht auch mal auf’s Tor."

Ein Satz, der das Spiel wohl besser zusammenfasst als jede Statistik.

20.07.643996 13:02
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Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
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