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Emsdetten - 20:15 Uhr, Flutlicht, 11. Spieltag der Verbandsliga J: Borussia Emsdetten empfängt Schwabmünchen. 2233 Zuschauer haben sich eingefunden - und sie sollten ihr Kommen nicht bereuen. 4:0 hieß es am Ende, und ehrlich gesagt: Es hätte schlimmer kommen können für die Gäste. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, wohin der Abend gehen würde. Emsdettens Trainer Nico Wolf hatte sein junges Team defensiv ausgerichtet, aber was heißt schon "defensiv", wenn man 62 Prozent Ballbesitz hat und 24 Torschüsse abfeuert? "Wir wollten erstmal sicher stehen", grinste Wolf nach dem Spiel. "Dann ist uns wohl versehentlich ein Offensivfeuerwerk rausgerutscht." Der erste Treffer ließ nicht lange auf sich warten. In der 18. Minute war es der 19-jährige Xabi Panero, der nach energischem Nachsetzen von Vicente Jorge zum 1:0 traf. Jorge hatte den Ball zuvor mit jugendlicher Frechheit durch zwei Abwehrbeine gezirkelt - Panero musste nur noch den Fuß hinhalten. "Vicente hat mir den Ball so serviert, da wäre es unhöflich gewesen, ihn nicht reinzumachen", sagte Panero später mit einem Augenzwinkern. Schwabmünchen, das laut Taktikdaten offensiv eingestellt war, wirkte in dieser Phase wie ein Boxer, der mit jedem Schlag etwas tiefer in die Seile sinkt. Der einzige zaghafte Torschuss der Gäste kam in der 33. Minute - Tom Bender probierte es, aber Borussias Keeper Humberto Pauleta hätte vermutlich auch mit einem Becher Kakao in der Hand parieren können. Nur vier Minuten zuvor, in der 32. Minute, hatte Emsdetten bereits auf 2:0 erhöht. Diesmal traf Vicente Jorge selbst, nach schöner Vorlage von Panero. Der 19-jährige Stürmer ist ein Phänomen: jugendlich, schnell, ungestüm - und offenbar mit eingebautem Radar für die Lücken in der Abwehr. "Ich hab nur den Ball gesehen und gedacht: jetzt oder nie", sagte Jorge. "War wohl eher jetzt." Zwei Gelbe Karten für Emsdetten in der ersten Halbzeit - Damiano Paola (15.) und Gustav Abelson (39.) - konnten das Spiel nicht trüben, sie wirkten eher wie kleine Farbtupfer in einem sonst einseitigen Gemälde. Schwabmünchen blieb harmlos, der Pausenstand von 2:0 war fast schmeichelhaft. In der Halbzeit wechselte Wolf gleich dreimal - Walther, Van Cortlandt und Hubtschew kamen. Ein Trainer, der beim Stand von 2:0 mutig durchwechselt, muss sich sicher fühlen. Und er hatte allen Grund dazu. In der 58. Minute machte Jesus Nagel mit einem präzisen Schuss aus 20 Metern alles klar. Der Pass kam von Aad Van Cortlandt, der gerade erst eingewechselt worden war. "Ich hab ihn nur gesehen und gedacht: Der Jesus wird das schon richten", lachte Van Cortlandt. Tat er auch. 3:0. Schwabmünchens linker Verteidiger Ernst Moll reagierte in Minute 65 mit einer Gelben Karte - vermutlich aus Frust, denn viel mehr war von den Gästen nicht zu sehen. Emsdetten spielte weiter, als ginge es um die Meisterschaft, nicht um drei Punkte im März. In der 78. Minute dann die endgültige Demütigung: Der 18-jährige Georgi Hubtschew, gerade erst eingewechselt, marschierte über rechts, passte zu Jorge, erhielt den Ball zurück - und verwandelte eiskalt zum 4:0. Die Zuschauer jubelten, Trainer Wolf klatschte artig, als hätte er das erwartet. "Ich wollte eigentlich schon die Jungs schonen", meinte er später. "Aber sie haben einfach weitergemacht. Da kann man ja schlecht böse sein." Die Statistik spricht Bände: 24 zu 1 Torschüsse, 62 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von knapp 59 Prozent. Schwabmünchen, das laut Daten offensiv spielen wollte, fand offensiv praktisch nicht statt. Und während Borussias Spieler nach dem Abpfiff lachend Autogramme gaben, schlichen die Gäste vom Platz, als wollten sie sich unauffällig unter die Balljungen mischen. "Das war heute wie eine Lehrstunde", gab Schwabmünchens Torwart Marcus Weller ehrlich zu. "Manchmal muss man einfach anerkennen, dass der Gegner besser war. Und jünger. Und schneller. Und überhaupt." Ein 4:0, das in Wahrheit auch 6:0 oder 7:0 hätte heißen können, wenn nicht die Latte und Weller mehrfach im Weg gewesen wären. Borussia Emsdetten hat sich mit diesem Sieg eindrucksvoll in der oberen Tabellenhälfte festgebissen - und gezeigt, dass man auch mit einer "defensiven" Grundordnung ein Offensivfestival feiern kann. Und wer sich fragte, ob ein Team voller Teenager und Anfangzwanziger die Nerven behält, bekam die Antwort auf dem Platz: cool, präzise, humorlos effektiv. Schwabmünchen dagegen wird sich lange fragen, wie man mit einem "offensiven" Plan auf 1 Torschuss kommt. Am Ende fasste es Emsdettens Trainer Wolf mit trockenem Humor zusammen: "Wir wollten heute zeigen, dass man auch ohne Pressing Spaß haben kann." Mission erfüllt. 07.03.643994 09:17 |
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