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Borussia Neunkirchen tanzt die Roten Teufel schwindlig

Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 2430 Zuschauer - und eine Borussia Neunkirchen, die Fußball so leicht aussehen ließ, als hätten sie das Spiel heimlich auf "Anfänger" gestellt. Beim 3:0 gegen den SC Rote Teufel am 8. Spieltag der Landesliga 32 zeigten die Saarländer, dass Offensivgeist manchmal mehr zählt als ein paar Prozent Ballbesitz weniger.

Schon nach elf Minuten bebte das Ellenfeld-Stadion: Javier Montanes, gerade 19, nahm Maß und drosch den Ball nach feiner Vorarbeit von Matthias Arnold unter die Latte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der junge Spanier hinterher, "und gehofft, dass der Torwart noch denkt, ich spiel quer." Tat er nicht - und so stand es 1:0.

Keine drei Minuten später war’s wieder soweit. Diesmal drehte sich der 17-jährige Karsten Kirchner im Strafraum so gewitzt, dass selbst seine Mutter ihn kaum erkannt hätte, und schob eiskalt ein. Gerhard Steiner hatte ihn mit einem Pass bedient, der in jedem Lehrbuch für Spielaufbau ein eigenes Kapitel verdient hätte. "Ich hab nur gedacht: Lauf, Karsten, lauf!", rief Steiner lachend nach dem Spiel. Kirchner lief. Und traf.

Die Roten Teufel wirkten da schon eher wie müde Engel. Zwar hatten sie mit gut 51 Prozent den etwas größeren Ballbesitz, aber das war ungefähr so relevant wie der Regenschirm in der Wüste: Die Borussen schossen 26-mal aufs Tor, die Gäste ganze zwei Mal. "Wir haben das Spiel kontrolliert - also zumindest, was die Anzahl unserer Fehlpässe angeht", knurrte SC-Coach unbekannterweise trocken.

Nach dem Doppelschlag in der Anfangsphase lief die Partie wie auf Schienen. Die Borussia spielte forsch, offensiv, fast jugendlich frech. Trainer Kada Schmide stand an der Seitenlinie, die Hände tief in der Jacke, und kommentierte jede Szene mit einer Mischung aus väterlichem Stolz und taktischem Kalkül. "Die Jungs sollen sich was trauen", sagte er nach Abpfiff. "Offensiv denken, aber mit Hirn. Heute hat das ganz gut geklappt - meistens jedenfalls."

In der zweiten Halbzeit versuchte der SC Rote Teufel, mit etwas mehr Biss und einem Schuss Aggression zurück ins Spiel zu kommen. Gelb sah allerdings nicht der, der traf, sondern Lucas Reuter - nach einem rustikalen Einsteigen, das eher an Ringen als an Fußball erinnerte. Die Neunkirchener nahmen’s sportlich und antworteten mit dem, was sie am besten können: schönen Angriffen.

In der 63. Minute war der Sack endgültig zu. Wieder war es ein Teenager-Duo, das den Unterschied machte: Kirchner flankte von rechts, Arnold nahm den Ball volley und versenkte ihn - eiskalt, präzise, unaufgeregt. 3:0, das Stadion tobte. "Manchmal läuft’s einfach", meinte Arnold später schulterzuckend, "vielleicht lag’s am neuen Rasen. Oder an Mamas Lasagne gestern Abend."

Danach wechselte Schmide durch: Jan Klein kam für Thomas Grossmann, Bernt Bode für Steiner, und David Moritz ersetzte den überragenden Kirchner. Frisches Blut, frischer Wind - aber das Spiel war entschieden. Die Roten Teufel schossen noch zweimal aufs Tor, vermutlich mehr aus Pflichtgefühl, und Keeper Luis Eximeno durfte sich über einen ruhigen Arbeitstag freuen.

Die Statistik sprach am Ende Bände: 26:2 Schüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Borussia, und ein Publikum, das sich nach Abpfiff gegenseitig fragte, ob man nicht doch in der Regionalliga gelandet sei.

"Das war heute ein Statement", resümierte Trainer Schmide mit einem zufriedenen Nicken. "Wir wissen, dass wir jung sind. Aber jung heißt auch: mutig." Sein Gegenüber hingegen murmelte etwas von "unglücklichem Spielverlauf" und "fehlender Kaltschnäuzigkeit". Ironisch betrachtet, wäre es wohl leichter gewesen, dem Schiedsrichter die Schuld zu geben - der hatte nämlich einen tadellosen Abend.

So bleibt: Borussia Neunkirchen schießt sich mit jugendlichem Elan und viel Spielfreude in die Herzen der Fans - und die Roten Teufel müssen sich fragen, ob der Name noch Programm ist. Vielleicht hilft ein bisschen mehr Feuer im nächsten Spiel.

Oder, wie es ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen formulierte: "Wenn das so weitergeht, muss ich mir bald wieder ’ne Dauerkarte holen - die Jungs machen ja richtig Spaß!"

Und wer weiß - vielleicht ist das in Neunkirchen gerade erst der Anfang einer kleinen Fußballromanze.

10.04.643987 04:13
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Natürlich haben die beiden nicht mehr gezeigt als zu sehen war.
Erich Ribbeck
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