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Es war ein kalter, klarer Januarabend in Hemmersdorf, an dem sich 2084 Zuschauer fragten, ob sie das Eintrittsgeld besser in Glühwein hätten investieren sollen. Denn was Borussia Neunkirchen beim 4:0 (2:0)‑Sieg beim FSV Hemmersdorf zeigte, war Lehrbuch‑Fußball - und was Hemmersdorf zeigte, war… nun ja, nennen wir es Anschauungsmaterial für die nächste Videoanalyse. Schon die ersten Minuten machten klar, wer den Ton angibt. Borussia presste nicht wild, aber klug. Ihr Ballbesitz - 53 Prozent - fühlte sich in der Realität nach deutlich mehr an. Nach 30 Minuten eröffnete ausgerechnet ein Verteidiger den Torreigen: Linksverteidiger Torsten Wild stürmte nach vorn, bekam den Ball von Klaus Scherer und drosch ihn ins Netz, als wollte er den Hemmersdorfer Fangzaun mit einreißen. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball war so schön da, da musste ich ja", grinste der 19‑Jährige nach dem Spiel. Sechs Minuten später dann das 0:2: Der 17‑jährige Karsten Kirchner zeigte, warum man ihm in Neunkirchen schon den Spitznamen "Baby‑Blitz" verpasst hat. Nach feinem Zuspiel von Javier Montanes umkurvte er den Keeper und schob cool ein. Hemmersdorfs Trainer - der Name blieb geheim wie ein Staatsgeheimnis, doch sein Gesicht sprach Bände - starrte in den Abendhimmel. "Da war die Ordnung kurz weg", murmelte er später, "und leider blieb sie dort." Bis zur Pause blieb Borussia drückend überlegen. 10 Torschüsse hatten die Gäste da bereits, Hemmersdorf brachte es auf zwei - beide harmlos, beide von Christopher Heinz, der im Mittelfeld noch am ehesten an Gegenwehr erinnerte. Nach dem Seitenwechsel versuchte der FSV, sich aufzubäumen. Doch genau in dieser Phase fiel das 0:3. In der 52. Minute kombinierte sich Meik Arndt durchs Zentrum und legte für Manuel Maniche auf - der junge Linksaußen traf trocken. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Maniche schmunzelnd zu, "aber manchmal will der Ball halt mehr als man selbst." Hemmersdorf kämpfte, rannte, schoss fünfmal aufs Tor, aber der Ball wollte nicht rein. Dazu kam Pech: In der 55. Minute verletzte sich Nevio Kirsch am Oberschenkel und musste durch Marco Schröder ersetzt werden. "Das war so ein klassischer ’Ich hab ihn doch gar nicht gespürt’-Moment", witzelte Kirsch nach Spielende mit Eisbeutel auf dem Bein. Borussia wechselte klug und hielt das Tempo hoch. In der 70. Minute kam David Moritz für den starken Kirchner, zwei Minuten später Gerhard Steiner für Scherer. Frische Beine, gleiches Spiel: Kontrolle, Passsicherheit, Spielfreude. Und dann, in der 85. Minute, setzte Matthias Arnold den Schlusspunkt. Wieder war Meik Arndt der Vorlagengeber - und wieder staunte die Hemmersdorfer Hintermannschaft, wie frei ein Gegner im Strafraum eigentlich stehen darf. 0:4. Verdient, gerecht, fast gnädig. "Das war heute ein Statement", sagte Borussias Trainer Kada Schmide nach dem Spiel. "Die Jungs haben gezeigt, dass sie nicht nur jung und wild, sondern auch clever sind." Auf die Frage, ob er überrascht gewesen sei, dass vier verschiedene Spieler an den Toren beteiligt waren, grinste Schmide: "Ich wäre nur überrascht gewesen, wenn einer meiner Innenverteidiger getroffen hätte." - Woraufhin man ihn daran erinnerte, dass genau das beim 1:0 passiert war. "Ach ja. Dann war’s wohl ein perfekter Abend." Statistisch gesehen war die Sache ohnehin klar: 19:5 Torschüsse, 55 zu 45 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Borussia dominierte, ohne gefährlich zu wirken, und war gefährlich, ohne hektisch zu werden. Hemmersdorf dagegen spielte engagiert, aber ideenlos. Ein Fan auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Wir hätten auch mit zwölf Mann kein Tor gemacht - und das dreizehnte wäre dann wahrscheinlich der Linienrichter gewesen." Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten selbst einige Hemmersdorfer Zuschauer den Gästen. Es war dieses stille, respektvolle Klatschen, das sagt: "Wir hätten’s auch gern so gemacht." Und so blieb den Gastgebern nur der Trost, dass man gegen eine an diesem Abend schlicht bessere Mannschaft verloren hatte. Vielleicht hilft ja die Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach ungerecht ehrlich ist. Oder, wie FSV‑Kapitän Christopher Heinz es trocken formulierte: "Wenn du vier kassierst und keins machst, brauchst du keine Statistik - nur Training." Ein Abend, der für Borussia Neunkirchen ein Fest war - und für Hemmersdorf ein Weckruf. Und wer weiß: Vielleicht wird man in ein paar Jahren sagen, dass hier, an einem frostigen Sonntagabend, der Grundstein für etwas Größeres gelegt wurde. Nur nicht in Hemmersdorf. 06.03.643987 09:30 |
Sprücheklopfer
Ich hätte auch woanders ins Ausland gehen können.
Torsten Legat nach Bekanntgabe seines Wechsels zu Eintracht Frankfurt