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Es war einer dieser Abende, an denen Fußballfans die Worte "Heimvorteil" leise in Anführungszeichen setzen. 23.584 Zuschauer hatten sich im Londoner Northvale Stadium eingefunden, um die London Spurs gegen Bournemouth FC beim 15. Spieltag der 2. Liga England zu sehen - und wurden Zeugen eines Spiels, das für die Hausherren alles hatte, nur keine Tore. Am Ende leuchtete ein deutliches 0:3 (0:1) von der Anzeigetafel. Dabei begann alles mit höflichem Abtasten, ein wenig Rasengeruch, ein paar vorsichtige Pässe - und Bournemouths linker Flügelmann Ashton Millington, der schon in der ersten Minute die Spurs-Torhüter Andre Bachmann mit einem satten Schuss auf Betriebstemperatur brachte. "Ich dachte, der will das Tornetz testen", flachste ein Fan auf der Tribüne. Es sollte nicht der letzte Versuch bleiben: Achtzehn Schüsse feuerten die Gäste insgesamt ab, während die Spurs mit zwei kümmerlichen Abschlüssen konterten - jeder davon eher eine Erinnerung daran, dass man theoretisch auch aufs Tor schießen könnte. Das erste Tor fiel in der 23. Minute - und es war so, wie es in jedem Fußballlehrbuch steht: rechts über Harrison Satchmore, flache Hereingabe, und Connor Gayheart, 34 Jahre alt, so erfahren wie ein alter Jazzmusiker, schiebt locker ein. 0:1. Trainer Raffael Vogelsang von Bournemouth grinste später: "Connor sagt immer, er trifft nur, wenn’s regnet. Heute hat’s geregnet." Die Spurs wirkten danach bemüht, aber seltsam zahnlos. Sie hatten mit 51,8 Prozent zwar etwas mehr Ballbesitz, wussten aber wenig damit anzufangen. Ihr Kurzpassspiel wirkte ordentlich - so ordentlich, dass es fast einschläfernd war. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Trainerin Maria Meier nach dem Spiel. "Vielleicht waren wir ein bisschen zu ruhig." Nach der Pause änderte sich wenig - außer der Tatsache, dass Bournemouth noch mehr Lust bekam. Der 19-jährige Leo McGowan, der ohnehin spielte, als hätte er einen Energydrink intravenös bekommen, setzte in der 67. Minute den zweiten Treffer. Christopher Fryer hatte die Vorlage gegeben, und McGowan traf trocken ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste er später. "Coach meinte, ich soll’s mal versuchen. Hat geklappt." Nur drei Minuten später schwächte sich Bournemouth selbst: Rechtsverteidiger Aaron Davonport, schon mit Gelb vorbelastet, griff beherzt, aber ungeschickt zu - Gelb-Rot, ab in die Dusche. Statt Chaos zu stiften, schien die Unterzahl die Gäste zu beflügeln. Die Spurs dagegen schienen verwirrt: "Ich dachte, jetzt kippt’s vielleicht", sagte Kapitän Kristofer Grindheim. "Aber irgendwie haben wir’s nicht geschafft, Druck aufzubauen." Und so kam, was kommen musste: In der Nachspielzeit, 92. Minute, setzte der eingewechselte William Lansbury den Schlusspunkt. Wieder war es Satchmore, der den Ball von rechts servierte, und Lansbury, 21 Jahre jung, drückte den Ball humorlos über die Linie - 0:3. Danach reckte er die Arme in den Londoner Nachthimmel, als wolle er sagen: "Na, das war doch einfach." Die Spurs versuchten noch, wenigstens ein Ehrentor zu erzwingen - Jacques Girard (73.) und Menachem Dajan (85.) prüften Torwart Samuel Cochran, der aber einen ruhigen Abend verbrachte. Bournemouths Keeper musste nur zweimal eingreifen, und tat dies mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass vorne alles läuft. Trainerin Meier wirkte nach Abpfiff gefasst, aber sichtlich genervt: "Wir hatten die falsche Balance. Viel Ball, wenig Biss." Ein Reporter fragte, ob sie personelle Konsequenzen ziehen werde. Ihr trockenes Lächeln: "Ich ziehe Konsequenzen - aber nicht vor laufenden Kameras." Raffael Vogelsang dagegen sprach von einem "nahezu perfekten Auswärtsspiel". Seine Mannschaft habe "mutig, kompakt und mit Spaß" gespielt. Als ihn ein Journalist auf die Gelb-Rote Karte ansprach, winkte er ab: "Ach, Aaron wollte halt zeigen, dass er noch Energie hat. Wir arbeiten dran." Statistisch gesehen war Bournemouth in fast allen Belangen überlegen - 18:2 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, drei verschiedene Torschützen. Besonders auffällig: Trotz offensiver Ausrichtung blieb das Team diszipliniert, bis auf Davonports Aussetzer. Für die Spurs hingegen bleibt die Frage: Wie kann man ein Spiel mit mehr Ballbesitz verlieren, ohne je gefährlich zu werden? Vielleicht hilft ja ein altes Fußballmotto: Wenn du den Ball hast, musst du auch wissen, wohin damit. Oder, wie ein Spurs-Fan beim Hinausgehen sagte: "Wir hatten heute zu viel Ball - und zu wenig Fußball." Ein Satz, der Maria Meier vermutlich noch die ganze Woche verfolgen wird. Doch Vorsicht: In dieser Liga kann sich alles schnell drehen. Nur nicht, wenn man so statisch bleibt wie an diesem Abend. Und so tanzte Bournemouth im Regen, während London im eigenen Stadion ins Stolpern geriet - ein 0:3, das sich wie ein Roman anfühlt: spannend, lehrreich, und aus Sicht der Spurs leider ohne Happy End. 30.06.643987 06:45 |
Sprücheklopfer
I hope, we have a little bit lucky.
Lothar Matthäus bei seiner ersten Pressekonferenz in New York