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Es gibt Spiele, bei denen das Ergebnis alles sagt. Und es gibt Spiele wie dieses: Yeading United gegen Bournemouth FC - 0:4, aber die Geschichte dahinter ist eine kleine Fußballlektion in vier Akten. 20.000 Zuschauer sahen am Dienstagabend im Yeading Stadium, wie die Gäste aus der Südküste beinahe mühelos ein Feuerwerk der Effizienz zündeten. Schon nach wenigen Minuten wurde klar, dass Bournemouth an diesem 6. Spieltag der englischen 2. Liga nicht zum Tee gekommen war. Während Yeading noch versuchte, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, drosch Michael Clancy in der 12. Minute den ersten Warnschuss Richtung Tor - eine Szene, die sinnbildlich für das restliche Spiel stand. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", stöhnte Yeading-Mittelfeldmann Ryan Lockhart nach dem Abpfiff, "aber irgendwie standen wir dann überall - nur nicht kompakt." Nach einer halben Stunde dann der Anfang vom Ende: In der 36. Minute nahm Clancy, der rechte Mittelfeldmann mit der Präzision eines Uhrwerks, Maß und traf nach Vorlage von Innenverteidiger Harrison Barrymore ins rechte Eck. Es war das 0:1 und der Moment, in dem Yeading kollektiv die Schultern hängen ließ. Nur sieben Minuten später erhöhte Charles Winston per Schuss aus 18 Metern - vorbereitet von Christopher Fryer, der auf der rechten Seite spazieren ging, als wäre es ein Sonntagnachmittag im Park. "Wir hätten zur Halbzeit eigentlich die Koffer packen können", sagte Yeading-Kapitän Friedrich Bergmann später mit bitterem Humor. "Aber der Busfahrer hatte den Schlüssel." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Bournemouth spielte mit Leichtigkeit, während Yeading mit dem eigenen Ballbesitz haderte. 49,5 Prozent standen am Ende auf dem Statistikblatt - ein Wert, der trügerisch klingt. Denn tatsächlich wusste Yeading mit dem Ball so viel anzufangen wie ein Tourist mit einem englischen Stromstecker. Bournemouth dagegen kombinierte, als ginge es um Kunstpreise. In der 60. Minute krönte Archie Onnington seine starke Leistung mit dem 0:3. Der 21-Jährige, der auf der linken Seite permanent für Unruhe sorgte, vollendete nach einem feinen Zuspiel von Kian Henderson. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Onnington nach dem Spiel. "Trainer Vogelsang sagt immer: Wenn du zögerst, zögert das Tor auch." Und weil einmal nicht genug war, legte derselbe Onnington in der 79. Minute nach - diesmal nach Vorarbeit des 19-jährigen Leo McGowan. 0:4. Bournemouth war längst in Galaform, Yeading längst im Überlebensmodus. Nur Torwart Cameron Hartshorn verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres. Die Statistik unterstreicht den Klassenunterschied: 20:4 Torschüsse für Bournemouth, eine Zweikampfquote von 56 zu 44 Prozent - und das, obwohl beide Teams laut Taktikdokumentation mit "standardmäßigem Einsatz" antraten. Yeading-Coach (der sich nach dem Spiel nicht zitieren lassen wollte) konnte einem fast leidtun. Sein Team spielte "balanciert", was in diesem Fall bedeutete: weder Fisch noch Fleisch. Bournemouths Offensiv-Philosophie dagegen war so klar wie ihr Ergebnis: offensiv, zielstrebig, ohne Pressing, aber mit höchster Effizienz. In der 87. Minute hatte Yeading durch Andrew Caroll noch einmal eine gute Chance - der Schuss ging knapp vorbei, und das Publikum dankte es mit einem erleichterten Applaus. "Das war fast so schön wie ein Tor", meinte ein Fan auf der Tribüne, "nur ohne Tor." Bournemouth-Trainer Raffael Vogelsang war nach dem Spiel sichtlich zufrieden. "Wir haben unser Spiel durchgezogen", sagte er, "und die Jungs haben das umgesetzt, was wir im Training besprochen haben: Tore schießen hilft." Yeading United hingegen bleibt mit diesem Ergebnis tief im Tabellenkeller stecken und dürfte nach dieser Lehrstunde vor allem an der eigenen Defensive arbeiten müssen. Ob es an der Taktik lag oder am fehlenden Selbstvertrauen, darüber wird man in Yeading wohl noch länger diskutieren. Am Ende blieb nur der Applaus für den Gegner - höflich, britisch, ein wenig resigniert. "Manchmal", seufzte Verteidiger Adriano Ximenes in der Mixed Zone, "ist Fußball eben kein Wunschkonzert." Und so verließ Bournemouth das Stadion, als hätte man gerade einen Trainingskick beendet, während Yeading die eigenen Schatten sortierte. Ein Abend, der für die einen perfekt lief - und für die anderen schlicht zu lang dauerte. 18.03.643987 05:10 |
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