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Es war ein nasskalter Januarabend an der Südküste, an dem manch Zuschauer wohl nur wegen des Glühweins blieb - und dann doch mit warmem Herzen nach Hause ging. Bournemouth FC hat am 7. Spieltag der 2. Liga England die Norwich Canaries mit 3:0 abgefertigt, und das nach einer ersten Halbzeit, die so ereignisarm war, dass selbst der Stadionsprecher beim Pausentee gähnte. "Ich hab den Jungs gesagt: Wir müssen einfach dranbleiben, irgendwann fällt der Ball schon rein", erklärte Bournemouth-Trainer Raffael Vogelsang später mit einem Grinsen, das zwischen Erleichterung und Schadenfreude schwankte. Seine Mannschaft tat genau das: Sie blieb dran. 20 Torschüsse gegenüber einem einzigen Versuch der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. Schon nach wenigen Minuten zeichnete sich ab, dass es für Norwich ein langer Abend werden würde. Ewan Lorring prüfte den Torwart nach gerade einmal 60 Sekunden, dann jagte Ethan Lankford den Ball in die Wolken - sinnbildlich für die erste Halbzeit, in der Bournemouth zwar dominierte, aber den eigenen Rhythmus suchte. Norwich hingegen? Kurz gesagt: Sie spielten den Ball, als wäre er eine heiße Kartoffel. "Wir wollten kompakt stehen", murmelte Gäste-Coach Mister Unbekannt - ja, so steht es tatsächlich auf der offiziellen Teamliste, und irgendwie passte dieser Name zu seinem Auftritt. "Aber nach dem ersten Gegentor war die Ordnung weg." Dieses erste Tor fiel in der 54. Minute, als Christopher Fryer, der bis dahin schon dreimal vergeblich gezielt hatte, endlich Maß nahm. Nach einem präzisen Pass des 19-jährigen Leo McGowan schlenzte er den Ball aus halbrechter Position ins lange Eck - 1:0, pure Erleichterung. Fryer rannte jubelnd an der Tribüne entlang, während McGowan ihn lachend einholte. "Ich hab ihm gesagt: Wenn du den jetzt auch daneben setzt, schieß ich selbst", witzelte der junge Mittelfeldspieler später. Ab diesem Moment war der Bann gebrochen. Norwich taumelte, Bournemouth tanzte. Fryer legte in der 80. Minute nach - diesmal nach Vorarbeit des Routinier Connor Gayheart, der an diesem Abend so viel Raum auf der linken Seite hatte, dass man ihm fast ein Campingzelt hinstellen wollte. 2:0, und die Canaries wirkten endgültig wie ein Vogel im Käfig. Die Gäste versuchten zwar, irgendwie zurückzukommen, aber ihre einzige echte Chance hatte der 19-jährige Jean-Pierre Rushton in der 62. Minute - ein harmloser Versuch, den Bournemouth-Keeper Samuel Locklear mit einer Hand abklatschte. "Ich hatte fast Mitleid", meinte Locklear später augenzwinkernd. "Fast." Und weil ein gutes Heimspiel ein schönes Ende braucht, setzte Ashton Millington in der Nachspielzeit den Deckel drauf. Nach einem langen Ball vom eingewechselten Innenverteidiger Kian Henderson - wohlgemerkt ein 19-Jähriger, der eigentlich nur den Sieg absichern sollte - lief Millington durch und schob lässig zum 3:0 ein. 92. Minute, Stadion in Ekstase. "Das war so ein Moment, in dem du einfach weißt: Heute passt alles", sagte Vogelsang. "Selbst der Regen hat aufgehört." Auf den Rängen skandierten die Fans den Namen von Fryer, während sich die Norwich-Spieler wortlos in die Kabine schleppten. Einzig Archie Allington machte noch von sich reden - allerdings negativ, als er in der 83. Minute Gelb sah, nachdem er Gayheart etwas zu beherzt in die Bande beförderte. Rein statistisch war das ein Klassenunterschied: 54 Prozent Ballbesitz für Bournemouth, 20:1 Torschüsse, eine Zweikampfquote von fast 60 Prozent. Norwich wirkte, als hätte es sich in eine Schulklasse eingeschlichen, die ein paar Jahrgänge zu weit ist. Und so stand am Ende ein 3:0, das eigentlich noch höher hätte ausfallen können. Fryer hätte seinen Hattrick machen können, Millington traf einmal die Latte, und Lankford verpasste kurz vor seiner Auswechslung das 4:0 um Zentimeter. "Ich gönn’s den Jungs", sagte der ausgewechselte Stürmer danach. "Ich hatte meinen Spaß, auch ohne Tor - immerhin musste ich nicht mehr im Regen stehen." Bournemouth klettert mit diesem Sieg weiter Richtung Aufstiegsplätze, während Norwichs Trainer Mister Unbekannt wohl bald einen neuen Namen suchen muss - vielleicht "Mister Ratlos". Ein Spiel, das zeigte: Geduld und jugendlicher Mut können manchmal sogar englisches Schmuddelwetter besiegen. Und wer weiß - vielleicht war dieser Abend der Moment, an dem Bournemouths Saison wirklich Fahrt aufgenommen hat. 29.03.643987 19:42 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel